Carbonschuhe: Nutzen und Risiken der Hype-Technologie

Carbonschuhe sind im Triathlon längst Standard. Entscheidend ist heute nicht mehr das Ob, sondern das Wie: Wir beleuchten den aktuellen Stand der Wissenschaft, ordnen Nutzen und Risiken der Technologie ein, geben Praxistipps und stellen die Testergebnisse der aktuellen Modelle vor.

Laura Philipp läuft beim Ironman Hawaii 2025 mit New Balance-Carbon-Schuhen auf dem Highway.
Frank Wechsel / spomedis

Wie groß ist der Leistungsvorteil von Carbon­schuhen tatsächlich? Profitieren nur schnelle Läufer oder Sportler aller Leistungsklassen? Muss man in ­Carbonschuhen trainieren, um ihr Potenzial im Wettkampf voll auszuschöpfen? Und wo liegen mög­liche Fallstricke, wenn ein Schuh zwar die Laufökonomie verbessert, zugleich aber Laufstil, Belastungsverteilung und muskuläre Beanspruchung verändert? Zwischen Hype, handfestem Leistungseffekt und berechtigter Vorsicht offenbart sich eine Komplexität, bei der der Teufel wie so oft im Detail liegt. Umso wichtiger ist der Blick auf das, was Forschung und praktische Erfahrungen bis heute zeigen. Dafür haben wir mit Dr. Lars Schwalm gesprochen, Arzt und Wissenschaftler mit Forschungsschwerpunkt im Bereich der Carbonlaufschuh-Technologie. Wir stellen den aktuellen Stand der wichtigsten Erkenntnisse vor und geben konkret anwendbare Praxistipps für den Kauf und Gebrauch der Schuhe.

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Die Technologie hat den Sport verändert

Früher war im Triathlon stets das Radfahren gemeint, wenn von Carbon die Rede war. Das hat sich mit der Carbonschuh-­Revolution im Laufen seit 2017 verändert. Mittlerweile ist die damals bahnbrechende Technologie zur absoluten Selbstverständlichkeit geworden. Carbonlaufschuhe stellen längst keine Ausnahme und keinen Wettbewerbsvorteil mehr dar. Ganz im Gegenteil: Wer nicht zu ihnen greift, verschenkt beträchtliches Potenzial. Mit der flächendeckenden Etablierung der Schuhtechnologie durch alle Leistungsklassen hat sich nach und nach auch der Laufschuhmarkt verändert. Inzwischen hat praktisch jeder nennenswerte Hersteller nicht nur ein, sondern meist gleich mehrere Carbonmodelle im Angebot. Was in den ersten Jahren als exklusive Wunderwaffe der Weltelite galt, ist heute im Leistungs- wie im Breitensport angekommen und hat die Maßstäbe im Wettkampf grundlegend verschoben. Neue Laufstreckenrekorde im Triathlon, eine Welle neuer Bestmarken im Straßenlauf und der enorme Anstieg der Leistungsdichte sprechen eine deutliche Sprache: Die Technologie hat den Triathlon und den Laufsport nicht nur erreicht, sondern spürbar verändert. Aber das Überangebot stellt die Athleten längst nicht mehr nur vor die Frage des richtigen Kaufs, sondern auch des optimalen Gebrauchs.

Leistungssteigerung und Vorteile

Frank Wechsel / spomedis Überreizt: Der ­Prototyp von On, mit dem Gustav Iden (rechts) 2022 auf Hawaii ­Ironman-Weltmeister wurde, wäre ­aufgrund seiner ­Sohlenhöhe nach dem ­heute ­gültigen ­Regelwerk verboten.

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Simon Müller
Simon Müller
Simon Müller ist selbst als ambitionierter Athlet unterwegs. 2022 wurde er Deutscher Meister auf der Kurzdistanz, 2019 qualifizierte sich bei seinem ersten Ironman in Mexiko mit einem AK-Sieg in 8:45 Stunden für den Ironman Hawaii. In seiner Brust schlägt neben dem Triathleten- auch ganz besonders ein Läuferherz. Simons Bestzeite über 10 Kilometer liegt bei unglaublichen 30:29 Minuten.

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