Samstag, 25. Mai 2024

Charmant, beschaulich und mit langer Tradition: 40 Jahre Saerbecker Triathlon

Als die Mülltonnen des Naturfreibads noch als Radständer in der Wechselzone herhalten mussten: Der Saerbecker Triathlon im nördlichen Münsterland fand 1984 erstmals statt und ist einer der ältesten noch ausgetragenen Wettkämpfe Deutschlands. Am 7. Juli begeht das Event sein 40-jähriges Jubiläum – am selben Tag wie die Challenge Roth.

W+F Verein Münster Ü40 und topfit: Der Saerbecker Triathlon ist ein kleiner, aber feiner Rennklassiker, der am 7. Juli 2024 sein 40-jähriges Jubiläum feiert.

Fette Ansage: Am 7. Juli findet der 42. Saerbecker Triathlon statt. Saerbeck, gesprochen Sabek, liegt im nördlichen Münsterland, circa 30 Kilometer von Münster entfernt.

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Aber ist es tatsächlich die 42. Auflage der Veranstaltung? Moment mal! Schnell nachgerechnet … Könnte es sein, dass der Saerbecker Triathlon das älteste noch ausgetragene Event dieser Sportart in Deutschland ist? Ralf Pander, Vorsitzender des veranstaltenden Vereins Wasser + Freizeit Münster, klärt auf: „Der erste Triathlon bei uns in Saerbeck fand im Juni 1984 statt. Mit sechs Teilnehmern. Den zweiten haben wir gleich drei Monate danach im September veranstaltet. Da waren schon 21 Triathleten am Start.“

42. Auflage? Mit der Anzahl nehmen es die Saerbecker nicht so genau

Pander ist der Einzige aus dem Ur-Organisationsteam von damals – und hat immer noch großen Spaß an der Veranstaltung. Die Saerbecker Events in den Jahren 2017 und 2020, die aufgrund einer Raupenplage (Eichenprozessionsspinner) beziehungsweise der Coronapandemie ausfallen mussten, zählt der 66-Jährige einfach mit. „Die waren ja schon angekündigt“, sagt Pander mit einem Augenzwinkern. Deshalb folgt nun also der 42. Saerbecker Triathlon. „Aber dass unsere Veranstaltung jetzt zum 40. Mal stattfindet, ist doch aller Ehren wert, oder?“, stellt Pander die rhetorische Frage. Ja, ist es definitiv!

Mit kurzen Satin-Turnhöschen trieb man in den 80er-Jahren Sport. Das Orga-Team des 1. Saerbecker Triathlons im Jahr 1984: Reinhard Kantner, Helmut Wilken, Thomas Göhring, Ralf Pander und Michael Hübner (v.l.).

Die ältesten Triathlons: Allgäu, Büchen, Leipzig, Roth und Saerbeck

Damit gehört der Saerbecker Triathlon zu den ältesten seiner Art in Deutschland. Der Allgäu Triathlon und der Büchener Triathlon in Schleswig-Holstein feierten 1983 ihr Debüt, ein Jahr später fanden Premieren in Saerbeck, Leipzig und im fränkischen Roth statt. Triathlons, die heute noch existieren und ausgetragen werden. Ralf Pander und sein Saerbecker Team feiern am 7. Juli das 40-jährige Jubiläum. Am selben Tag übrigens wie die ungleich größere Challenge Roth, die eine ganz andere Dimension und Aufmerksamkeit erreicht hat.

In Saerbeck ist es immer klein und beschaulich geblieben. Ein Dorftriathlon, und das ist durchaus nicht despektierlich gemeint. Der Wasser + Freizeit Verein Münster e.V. kümmert sich seit 1975 um die Aufsicht und Wasserrettung am Badesee mit Naturfreibad. Und irgendwann kam Vereinsmitglied Helmut Wilken „um die Ecke“ und erzählte davon, dass „die Amis so eine verrückte Sache machen, mit Schwimmen, Radfahren und Laufen direkt hintereinander“.

Jan Rockahr Hier fing in den 80er-Jahren alles an: Der Badesee ist ein ganz zentraler und markanter Ort des Saerbecker Triathlons.

Daraus ist dann die Idee entstanden, im 7000-Einwohner-Ort Saerbeck einen Triathlon zu veranstalten. Anfangs als Jedermann-Distanz mit 500 Metern Schwimmen, 20 Kilometern Radfahren und fünf Kilometern Laufen. Ralf Pander erinnert sich mit einem Lächeln an die Pionierzeit in den 80er-Jahren zurück: „Wir haben die vielen Mülltonnen von den Wiesen um den Badesee eingesammelt und zusammengestellt. Das war dann die erste Wechselzone, in der die Teilnehmer ihre Räder gegen die Tonnen lehnen durften. Für die zweite Wechselzone haben wir kurzerhand die Klappstühle vom Schützenfest geholt. Und auf der Radstrecke mussten die Sportler gegebenenfalls warten, wenn gerade ein Bauer seine Kühe über die Straße getrieben hat.“

Zum Jubiläum gibt es neue Radständer in der Wechselzone

Jan Rockahr In den frühen Jahren trieben die Bauern ihre Kühe gelegentlich über die Saerbecker Radstrecke. Das ist auf dem flachen und kurvenreichen Kurs längst nicht mehr der Fall.

Im Laufe der Jahre ist alles professioneller geworden und besser organisiert, dabei hat die Veranstaltung aber nie den familiären Charme verloren. Im Vorjahr gingen 650 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Start, die Kapazität lässt 800 Sportler auf der Sprintdistanz („Saerbeck Classic“), der olympischen Distanz, beim Aquabike (1.400 Meter Schwimmen und 38 Kilometer Radfahren) und beim Ligenbetrieb des Triathlonverbands Nordrhein-Westfalen zu. Auf der Website wird für das Jubiläum angekündigt: „Wir haben uns in den vergangenen Monaten ins Zeug gelegt, um den Start beim Saerbecker Triathlon noch attraktiver zu machen.“ Ein neues Zeitnahmeteam liefere alle Splitzeiten und an neuen Fahrradständern könne man die Bikes nun am Sattel an eine Stange hängen, versprechen die Veranstalter.

Auf die nächsten 40 Jahre Triathlon in Saerbeck

„Natürlich haben es kleine Triathlons auf dem Lande schwerer als in der Stadt“, weiß Ralf Pander. Aber in Saerbeck, so das Urgestein, habe man eine Crew gefunden, die jedes Jahr mit Spaß bei der Sache ist, und eine Gemeinde, die voll mitzieht. Im aktuellen Organisationsquartett ist ein 40-Jähriger dabei, der nur wenige Monate älter ist als der Saerbecker Triathlon selbst. „Für Nachwuchs ist also gesorgt“, sagt Ralf Pander – und verspricht weitere 40 Jahre sportlichen Wettkampf im nördlichen Münsterland.

Jan Rockahr Ein wunderbarer Wald- und Wiesentriathlon: Die Laufstrecke des Traditionsrennens in Saerbeck.
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Christian Wriedt
Christian Wriedt
Schreiben und Bearbeiten von Texten, Verbesserung der internen Abläufe und Erstellung von Abgabeplänen – das ist der tägliche Dreikampf von Christian Wriedt in der triathlon-Redaktion. Der studierte Sportwissenschaftler ist vor allem aufgrund seiner langjährigen journalistischen Erfahrung verpflichtet worden. Dem Triathlon begegnet der gebürtige Hamburger und leidenschaftliche Fußballer mit großer Neugier und noch größerem Respekt.

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