Dienstag, 29. November 2022
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SzeneDer Kickstarter

Der Kickstarter

Ein Donnerwetter, im wahrsten ­Sinne des Wortes. Während Blitze ­zucken, Hagelkörner niederprasseln und Starkregen die Innenstadt von ­Klagenfurt flutet, kämpfen sich die Athleten über die Laufstrecke des ­Ironman ­Austria. Die heftigen Sturmböen sorgen dafür, dass der Zielbereich kurzzeitig evakuiert werden muss. Zum Zieleinlauf vor menschenleerer Kulisse kommt es allerdings nicht. Pünktlich zur Ankunft von Überraschungssieger Daniel Bækkegård legt sich das Unwetter nach einer halben Stunde und die Zuschauer kehren aus dem schützenden Eingangsbereich des ­Klagenfurter Strandbads zurück an die ­Finishline. Um kurze Zeit später einen Ziel­einlauf des jungen Dänen zu erleben, über den im Anschluss viel diskutiert werden würde: Mit langsamen Schritten geht der 23-Jährige nach etwas mehr als 8:13 Stunden über den roten Teppich und lässt seinen Emotionen freien Lauf. Nur noch 100 Meter trennen ihn bei seiner ersten Langdistanz vom Premierensieg. Bækkegård trommelt sich auf die Brust, schreit mit aggressivem Gesichtsausdruck mehrmals die Freude und sichtliche Erleichterung heraus, tritt beim Überqueren der Ziellinie mit einem lauten Jubelschrei auf das Zielbanner ein und küsst seine Hände, die er im Anschluss begleitet von einem bestätigenden Nicken zusammen mit den Armen seitlich von sich streckt.

An diesem 7. Juli 2019 um ­­14:44 Uhr ist ­Daniel Bækkegård endgültig in der Weltspitze angekommen und sorgt mit seinem polarisierenden Zieleinlauf und der starken Leistung nicht nur für eine Menge Aufsehen und steigende Bekanntheit, sondern auch dafür, dass sein erster Eindruck bei den Leuten äußerst bipolar ausfällt: Für die ­einen ist er der authentische, leidenschaftliche und emotionale Racer mit jeder Menge Herzblut für Triathlon, für die anderen ein arroganter und selbstverliebter Newcomer. Ein Blick hinter die Kulissen und auf Daniel Bækkegårds Werdegang zeigt schnell, dass nur eine der beiden Parteien recht hat.

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Getty Images Der Zieleinlauf von Daniel Bækkegård bei seinem Ironman-Sieg in Klagenfurt sorgt für reichlich Diskussionsstoff und sorgt für ganz unterschiedliche erste Eindrücke von dem Newcomer.

Vom Leistungsschwimmer in den Triathlon-Nationalkader

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Zum Triathlon kommt Bækkegård erst relativ spät und über Umwege: Er startet im Kindesalter mit dem Schwimmen und entwickelt früh hohe Ambitionen. Als ­Junior verpasst er knapp die Aufnahme in den Schwimm-Nationalkader in ­Dänemark, ­gewinnt im Pool allerdings mehrere ­Medaillen bei nationalen Wettkämpfen. Als er sich im Alter von 17 Jahren den Arm bricht und der vollständige Heilungsprozess länger dauert als angenommen, beginnt er mit Radfahren und Laufen als Alternativtraining. „Wenn du es gewohnt bist, 14-mal in der Woche zu trainieren, kannst du nicht einfach nur rumsitzen und gar nichts tun“, erinnert sich der heute 23-Jährige zurück an die Zeit, die sich als sein Wegweiser zum Triathlon herausstellen sollte. Denn Bækkegård empfindet das Training in der Natur und den Umstand, nicht mehr ausschließlich auf die schwarze Linie am Grund starren zu müssen, als große Freiheit. Nachdem seine Verletzung ausgeheilt ist, kehrt er zunächst wieder zum Schwimmen zurück, verliert jedoch schnell den Spaß daran. Das führt letztendlich dazu, dass der dänische Triathlon-Nationaltrainer Kasper Gejl, den Bækkegård bereits zu Schwimmerzeiten kennenlernt, 2014 anfängt, ihn zu trainieren, und die Transformation zum Triathleten beginnt.

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Auf Hawaii wird der 23-Jährige vom Pech verfolgt und läuft nach einem Raddefekt am Ende trotzdem noch in 2:49:50 Stunden den sechstschnellsten Marathon des Tages. Anschließend bricht er als 15. im Ziel zusammen.


Weil Bækkegård sowohl im Schwimmen als auch im Laufen sofort die nationalen Kriterien für die dänische Triathlon-­Nationalmannschaft erfüllt, wird er direkt in den Kader aufgenommen, noch bevor er überhaupt einen Triathlon gemacht hat. Beim Einwand, dass er dann offensichtlich von Anfang an eine gehörige Portion Talent für Triathlon mitgebracht habe, entgegnet er mit einem breiten Grinsen: „Am ersten Tag, an dem ich für Triathlon trainiert habe, hat mir der National­­trainer gesagt, dass alle meine Konkurrenten mehr Talent in den Fingernägeln hätten als ich in meinem gesamten Körper und ich doppelt so hart arbeiten müsse, um überhaupt eine Chance zu haben. Nach so einer Aussage bleibst du am nächsten Tag entweder ­direkt zu Hause oder wirst zum härtesten Arbeiter in der Trainingsgruppe, um es dir selbst und allen anderen zu beweisen. Das war bei mir der Fall.“

Das komplette Porträt über Daniel Bækkegård gibt es ab sofort in der triathlon 177 zu lesen, die ihr im Zeitschriftenhandel bekommt oder bei uns bestellen oder sofort digital lesen könnt.

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spomedis

Das komplette Porträt über Daniel Bækkegård und alles über seinen Werdegang, die WM-Rennen in Nizza und Kona, seine Mentalität als harter Arbeiter und die hohen eigenen Ansprüche für die kommenden Jahre gibt es ab sofort in der triathlon 177 zu lesen, die ihr im Zeitschriftenhandel bekommt oder bei uns bestellen oder sofort digital lesen könnt.

Simon Müller
Simon Müller
Simon Müller ist selbst als ambitionierter Athlet unterwegs. 2022 wurde er Deutscher Meister auf der Kurzdistanz, 2019 qualifizierte sich bei seinem ersten Ironman in Mexiko mit einem AK-Sieg in 8:45 Stunden für den Ironman Hawaii. In seiner Brust schlägt neben dem Triathleten- auch ganz besonders ein Läuferherz. Simons Bestzeite über 10 Kilometer liegt bei unglaublichen 30:29 Minuten.
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