Deutscher Doppelsieg: Laura Philipp und Rico Bogen gewinnen den Ironman 70.3 Kraichgau

Beim ersten großen Saisonereignis im deutschen Rennkalender setzte sich Lokalmatadorin Laura Philipp im „Land der 1000 Hügel“ bei den Frauen durch. Bei den Männern sorgte Rico Bogen für eine faustdicke Überraschung: Der Leipziger gewann im Kraichgau und ließ Topfavorit Patrick Lange hinter sich.

Das Rennen der Männer

Am Ende war die Strecke des Halbmarathons für Ausnahmeläufer Patrick Lange einen Tick zu kurz: Der zweimalige Ironman-Weltmeister ging von Platz sechs auf die Laufstrecke und startete eine Aufholjagd, die ihn mit dem erwartungsgemäß schnellsten Split auf den zweiten Rang nach vorn hievte. Aber Überraschungssieger Rico Bogen konnte er nicht mehr einholen. Der 22-jährige Leipziger, der bereits im März mit einem vierten Platz beim Ironman 70.3 Lanzarote und im Mai mit Platz 14 bei der Langdistanz-WM auf Ibiza auf sich aufmerksam machte, brachte einen Vorsprung von 53 Sekunden ins Ziel.

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Bereits nach dem Schwimmen im Hardtsee in Ubstadt-Weiher kam Bogen als Zweiter in die Wechselzone, nur Altmeister und Ex-Olympiaschwimmer Lukasz Wojt (41) war schneller. Auf dem Rad musste Rico Bogen dann zunächst Jan Stratmann und Gregor Schreiner an sich vorbeiziehen lassen. Er blieb aber stets in dieser dreiköpfigen Spitzengruppe. Am Ende der 90 Radkilometer stieg Bogen als Erster mit hochdünnem Vorsprung aus dem Sattel und ließ sich anschließend im Halbmarathon nicht mehr einholen.

Lange und Salvisberg ziehen das Lauftempo an, können Rico Bogen aber nicht mehr holen

Während Jan Stratmann bei immer drückenderer Hitze abreißen lassen musste, verschärften Patrick Lange, Stratmanns Trainingslagerpartner von Fuerteventura, und der Schweizer Andrea Salvisberg das Tempo und setzten sich nach etwas mehr als der Hälfte des Halbmarathons hinter Rico Bogen. Das Duo konnte den Abstand von circa zwei Minuten zwar immer weiter verkürzen, aber es reichte nicht mehr zum Sieg. Lange wurde wie eingangs erwähnt Zweiter, Salvisberg komplettierte das Podium.

In den Top Ten platzierten sich insgesamt sieben deutsche Athleten, u. a. Jonas Hoffmann auf Rang vier und Jan Stratmann als Fünfter. Maurice Clavel fiel auf der Laufstrecke aus den Top Ten und belegte Platz 13 in der Endabrechnung.

Ironman 70.3 Kraichgau 2023 | Profi-Männer

21. Mai 2023 | Bad Schönborn (Baden-Württemberg)
PlatzNameNationGesamtzeit1,9 km Swim90 km Bike21,1 km Run
1Rico BogenGER3:49:510:22:582:10:241:12.48
2Patrick LangeGER3:50:450:23:072:13:011:10:50
3Andrea SalvisbergSUI3:51:110:22:582:13:121:11:40
4Jonas HoffmannGER3:52:100:25:062:11:171:12:05
5Jan StratmannGER3:52:490:23:022:10:211:15:41
6Vincent Van de WalleBEL3:54:050:25:062:11:141:14:03
7Marcel BolbatGER3:54:230:24:572:11:501:14:12
8Christoph MattnerGER3:56:050:25:092:15:091:12:23
9Julian FrizenschaftGER3:57:050:25:012:11:311:16:32
10Fabian DutliSUI3:57:460:27:372:13:281:12:29

Das Rennen der Frauen

Erheblich internationaler gestalteten sich die ersten zehn Plätze im Frauenrennen. Und ganz besonders kurios dabei ist die Geschichte um die am Ende Zweitplazierte Lucy Charles-Barclay. Noch am Freitag hieß es von offizieller Seite, dass die Britin keine Einreisegenehmigung für die EU erhalten würde. Am Samstag gab es doch das Okay mit einem Zwei-Tages-Visum.

Charles-Barclay: Stark beim Schwimmen und Laufen, Panne auf dem Rad

Die Ironman-70.3-Weltmeisterin von St. George 2021 durfte also doch in den Hardtsee springen und stieg wie eigentlich immer, wenn sie am Start ist, als Erste aus dem Wasser. Doch die Weltklasseschwimmerin erlebte ähnlich ihrer Anreise ein Rennen mit Höhen und Tiefen. Ungefähr ab Radkilometer 30 wurde Charles-Barclay aufgrund einer Panne nach hinten bis auf Platz sieben durchgereicht – um dann auf der Laufstrecke eine furiose Aufholjagd zu starten. Die 29-Jährige zog unter anderem an ihrer Landsfrau Nikki Bartlett und Daniela Bleymehl vorbei.

Daniela Bleymehl hält durch

Bleymehl ging in Führung liegend auf die Laufstrecke, hatte aber offensichtlich immer noch leichte Probleme mit ihrer zuletzt zwickenden Wade. Die Darmstädterin hielt durch und freute sich im Ziel über Platz sechs.

Im Halbmarathon nicht mehr einholen ließ sich Laura Philipp in ihrem Heimrennen. Die 36-Jährige lebt in Heidelberg, ungefähr 25 Kilometer entfernt vom Zielort Bad Schönborn. Die Titelverteidigerin lag nach dem Schwimmen noch 2:50 Minuten hinter Lucy Charles-Barclay auf Platz vier, übernahm circa auf der Hälfte der Radstrecke gemeinsam die Führungsarbeit mit Ellie Salthouse. Die Australierin war im Vorwege des Wettkampfs bei Laura Philipp zu Besuch und erkundete mit ihr zusammen bereits die Strecke. Das scheint sich gelohnt zu haben.

Laura Philipp stellt beim vierten Kraichgau-Triumph einen Streckenrekord auf

Das gut besetzte Teilnehmerfeld, die gemeinsame Tempofahrt von Philipp und Salthouse sowie die Jagd von Lucy Charles-Barclay auf der Laufstrecke sorgten für ein schnelles Rennen. Am Ende verbesserte Laura Philipp bei ihrem insgesamt vierten Triumph im Kraichgau (nach 2017, 2018 und 2022) den eigenen Streckenrekord aus dem Vorjahr (4:19:04 Stunden) um fast vier Minuten auf 4:15:27 Stunden.

Auch Lucy Charles-Barclay auf Rang zwei, die am Ende völlig erschöpfte Ellie Salthouse als Dritte sowie Nikki Bartlett auf Platz vier blieben alle unter dem Streckenrekord aus dem Vorjahr.

Die nach Ibiza erneut starke Anne Reischmann wurde Fünfte in 4:19:09 Stunden. Die erfreulichen Leistungen von Laura Jansen (4:24:30 Stunden) auf Platz sieben und Jenny Jendryschik (4:25:08 Stunden) auf dem achten Rang komplettierten ein deutsches Quintett in den Top Ten.

Ironman 70.3 Kraichgau 2023 | Profi-Frauen

21. Mai 2023 | Bad Schönborn (Baden-Württemberg)
PlatzNameNationGesamtzeit1,9 km Swim90 km Bike21,1 km Run
1Laura PhilippGER4:15:270:27:102:24:431:19:50
2Lucy Charles-BarclayGBR4:16:110:24:192:30:131:18:12
3Ellie SalthouseAUS4:16:200:26:012:26:021:20:44
4Nikki BartlettGBR4:18:540:28:402:25:251:20:56
5Anne ReischmannGER4:19:090:27:582:26:071:21:35
6Daniela BleymehlGER4:20:370:28:022:23:241:25:21
7Laura JansenGER4:24:300:27:562:30:231:22:30
8Jenny JendryschikGER4:25:080:28:052:25:391:27:11
9Els VisserNLD4:28:030:28:382:29:561:25:30
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8 Kommentare

  1. Der Race Ranger muss flächendeckend kommen. Was man heute vor allem bei den Männern auf dem Rad gesehen hat verdirbt einem im Prinzip den Sport und den Glauben an die Fairness. Und das bei uns im Kraichgau und nicht irgendwo in den USA. Und immer immer wieder die üblichen Verdächtigen. Ganz ehrlich, dann gebt das Windschattenfahren halt frei…

    • Den Eindruck kann ich Gott sei Dank nicht bestätigen. Bin selten ein so faires Rennen gefahren und ich bin zum 6.Mal dort am Start gewesen. Die Strecke ist mit die Anspruchsvollste da stark profiliert und somit sehr selektiv. Deswegen liebe ich diese Strecke. Gefühlt war auch ständig das Referee-Motorrad als Begleitung dabei. Leider auch viele Stürze gesehen.

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Christian Wriedt
Christian Wriedt
Schreiben und Bearbeiten von Texten, Verbesserung der internen Abläufe und Erstellung von Abgabeplänen – das ist der tägliche Dreikampf von Christian Wriedt in der triathlon-Redaktion. Der studierte Sportwissenschaftler ist vor allem aufgrund seiner langjährigen journalistischen Erfahrung verpflichtet worden. Dem Triathlon begegnet der gebürtige Hamburger und leidenschaftliche Fußballer mit großer Neugier und noch größerem Respekt.

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