Kailua-Kona und der Triathlon:
Findet der Ironman Hawaii 2020 im Februar 2021 statt?

Es gibt noch keine Entscheidung darüber, wann der nächste Ironman Hawaii stattfinden kann. Doch viele Zeichen deuten auf eine Verlegung in das Frühjahr hin.

Die Olympischen Spiele 2020 in Tokio finden erst 2021 statt – eventuell sogar unter dem ursprünglich geplanten Namen “Tokyo 2020”. Die Fußball-EM “Euro 2020” wurde ebenfalls in den kommenden Sommer verlegt. Und auch der Ironman Hawaii 2020 könnte erst im kommenden Jahr stattfinden. Es gebe entsprechende Überlegungen – die Entscheidung über eine Verlegung des für den 10. Oktober 2020 geplanten Rennens sei aber noch nicht gefallen, sagte Ironman-CEO Andrew Messick heute in einem Gespräch mit tri-mag.de.

Viele Gründe sprechen für eine Verschiebung: Bisher sind, so der Ironman-Chef, erst etwa 1.000 der rund 2.500 Qualifikationsplätze für den Ironman Hawaii vergeben. Der Zeitraum zur Qualifikation wurde zwar bis Ende August erweitert, doch viele Rennen werden derzeit in den September oder gar Oktober verschoben. Auch wenn Ironman heute noch keine neuen Renntermine für die Qualifier in Hamburg und Frankfurt verkünden konnte, deutete der Veranstalter hierzulande Ausweichtermine im September an. “Wir müssen die Entscheidungen der Politik am 6. Mai abwarten”, sagt Oliver Schiek, Deutschland-Chef von Ironman, gegenüber tri-mag.de.

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Ausnahmezustand in Kailua-Kona

Wenn die Slots bei den möglichen Herbstrennen dann schon für das Jahr 2021 gelten würden und im kommenden Jahr eine reguläre Wettkampfsaison stattfinden könnte, würde das Rennen im Oktober 2021 aus allen Nähten platzen – inklusive der umgebenden Logistik wie dem kleinen Flughafen, den Hotels und weiterer zentraler Einrichtungen. Schon die aktuelle Größe des Rennens versetzt Kailua-Kona in einen Ausnahmezustand und es ist noch völlig unklar, ob alle Beteiligten der lokalen Infrastruktur die Corona-Krise überstehen. Die Arbeitslosigkeit auf Big Island ist innerhalb weniger Wochen auf rund 40 Prozent angestiegen, wie die lokale Tageszeitung “West Hawaii Today” berichtet. Momentan kämen jeden Tag 125 Gäste auf den Hawaii-Inseln an – normalerweise sind es 30.000 am Tag. Zuletzt hat Gouverneur David Ige die Ausgangssperre für den 50. Bundesstaat der USA um einen Monat bis zum 31. Mai 2020 verlängert.

Auch vor diesem Hintergrund sagt Andrew Messick: “Kailua-Kona braucht die Touristen!” Daher werde es auch keine abgespeckte Version des Ironman Hawaii geben können. Die Weltmeisterschaft werde dann stattfinden, wenn “eine ordentliche Qualifikation im Vorfeld möglich und die Pandemie einschätzbar” sei. Einem reinen Profi-Rennen, wie es unter anderen der zweimalige Ironman-Weltmeister Patrick Lange (2017 und 2018) ins Spiel gebracht hatte, erteilt Messick eine klare Absage: “Das wäre gegenüber der Bevölkerung nicht vertretbar. Die gleichen Straßensperren ohne die Einnahmen der vielen Reisegäste, das würde nicht funktionieren.” Auch für Ironman stünden die Organisationskosten dann nicht im Verhältnis zum Ertrag. “Wir sind nicht die Fußball-Bundesliga, die von den TV-Geldern lebt”, so Messick, der vor seiner Zeit bei Ironman als Manager in der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA gearbeitet hat.

Februar-Termin hat historische Bedeutung

Sollte der Ironman Hawaii im Februar stattfindet, wäre das nicht neu. Die Premiere des Rennens über die ikonischen 226 Kilometer fand am 18. Februar 1978 in Honolulu statt. Der Legende nach sollen sich damals drei in Pearl Harbour stationierte Marinesoldaten darüber gestritten haben, welcher der hawaiianischen Ausdauerwettkämpfe wohl der härteste sei: Das 3,86 Kilometer lange Waikiki Rough Water Swim, das 180,2 Kilometer lange Round-Oahu-Radrennen oder der 42,195 Kilometer lange Honolulu-Marathon. Man einigte sich darauf, alle Disziplinen hintereinander zu absolvieren. Captain John Collins soll daraufhin verkündet haben: “Whoever crosses the finish line first – we’ll call him the Ironman.” Der Rest ist Geschichte: Drei Jahre bliebt das Rennen in Honolulu, 1981 zog der Ironman von Oahu auf die weniger bevölkerte Insel Big Island um, wo das Rennen auch 1982 noch einmal im Februar stattfand, bevor es im Herbst des gleichen Jahres auf den Oktober-Termin wechselte. Neben einem Februar-Termin wäre also auch eine zweimalige Ausrichtung innerhalb eines Jahres keine Premiere.

Februar in Kailua-Kona: Weniger Hitze, mehr Touristen

Sollte es so kommen, dass sich die Athleten im kalten (europäischen) Winter auf den Ironman Hawaii vorbereiten müssen, dürfte ihnen das Klima dort etwas entgegenkommen: Die durchschnittliche Temperatur beträgt im Oktober 24,5 Grad Celsius, im Februar 22 Grad. Die täglichen Maximalwerte liegen statt bei 29,2 nur bei 26,6 Grad im Durchschnitt, auch fällt im Februar mit 55 Litern pro Quadratmeter deutlich weniger Niederschlag als die 88 Liter im Oktober.

Doch während Kailua-Kona im Oktober fest in der Hand der Triathleten ist, stellt sich die Situation im Frühjahr anders dar. Christoph Fürleger, Geschäftsführer des Allgäuer Reiseveranstalters Hannes Hawaii Tours, mit dem jedes Jahr ein Großteil der deutschsprachigen Athleten nach Hawaii reist, sieht ein logistisches Problem mit einem möglichen Februar-Termin. “Ich habe mit einigen unserer Partnerhotels in Kailua-Kona gesprochen”, sagt Fürleger. “Alle sehen erhebliche Herausforderungen bei einer Terminverlegung ins Frühjahr, da diese Zeit die Hauptsaison für die amerikanischen Reisegäste vom Festland ist. Viele Hotels sind dann schon langfristig ausgebucht.”

Eine Lösung könnte in der Zusammenarbeit zweier Branchen sein, die beide unter der Corona-Krise leiden und die sich seit einigen Jahren in und vor Kailua-Kona eher aus dem Weg gehen: Die Kreuzfahrtbranche steht nach Expertenmeinungen erst am Anfang einer langen Krise, die schwimmenden (und leerstehenden) Hotels könnten aber die Bettenkapazität auf Hawaii deutlich erhöhen. Ein Konzept, das sich schon oft bei Großevents wie Olympischen Spielen bewährt hat.

Sollte es nur die Frage der Übernachtungsmöglichkeiten sein, die einer Verlegung des Ironman Hawaii im Wege steht, wäre das allerdings vor dem weltweiten Krisenszenario ein beherrschbares Problem im Vergleich mit der globalen Pandemie-Herausforderung. “Wie viele andere Unternehmen und Branchen auch müssen wir es durch diese Nacht schaffen”, sagt Ironman-Chef Andrew Messick. “Aber niemand weiß, wie lange diese Nacht dauern wird.”

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1 Kommentar
  1. Nadine Fischer

    Wenn man die Leute auf Big Island unterstützen möchte, dann wäre die Verlegung auf November oder Anfang Dez am besten. Das ist die Zeit, wo es am wenigsten Turisten hat. Mitte Dez – Mitte März ist die Hauptsaison auf BI. Im Jan und Feb gibt es oft schon ohne Ironman keine Mietwagen mehr. Es geht also nicht nur um die Hotels, sondern auch um die Überlastung der Strassen, die für die Inselbewohner die zur Arbeit müssen, nicht so toll ist.

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