Beim Säbelrasseln vor der Ironman-70.3-WM in Marbella halten sich die Profis mit klaren Ansagen zurück – bis auf einen. Rico Bogen verrät bei der Pressekonferenz, wie er die Norweger in die Knie zwingen will. Wir dokumentieren die Stimmen der Profis.

Solveig Løvseth (Norwegen, Ironman-Weltmeisterin 2025): „Die Zeit nach Hawaii war wunderschön, aber auch überwältigend. Es war viel los, viel mehr Aufmerksamkeit, als ich gewohnt bin, und gleichzeitig musste ich versuchen, mich zu erholen und auf dieses Rennen neu einzustellen. Aber jetzt fühle ich mich gut und bin aufgeregt. Der Kurs ist spannend. In den Bergen bin ich, offen gesagt, etwas weniger selbstbewusst als bei einem flachen Kurs. Ich sehe mich nicht als besonders gute Kletterin. Dafür liebe ich schnelle Abfahrten, und ich finde es toll, wenn die Strecken herausfordernd sind.“

Casper Stornes (Norwegen, Ironman-Weltmeister 2025): „Wir kommen direkt aus dem Höhentrainingslager in der Sierra Nevada. Es war gut, nach Nizza wieder in den Trainingsrhythmus zu kommen und in den Bergen zu arbeiten. Um hier zu gewinnen, wird man den Halbmarathon in 1:06 Stunden laufen müssen. Aber die Radstrecke wird die Beine ordentlich fordern, man muss also klug agieren. Um Kristian in der Pro Series noch einzuholen, müsste ich ungefähr zwölf Minuten gutmachen – das ist nicht realistisch.“

Paula Findlay (Kanada, 13 x Ironman-70.3-Siegerin): „Ich wusste gar nicht, wie hügelig die Strecke hier ist oder was mich erwartet. Ich liebe einfach die Ironman-70.3-Weltmeisterschaft – das ist mein absolutes Lieblingsrennen. Ich liebe diese Distanz, ich liebe das Niveau der Konkurrenz. Und meistens laufe ich besser, je weiter das Jahr fortschreitet. Ich habe dieses Jahr vier 70.3-Rennen bestritten und alle gewonnen. Es fühlt sich einfach gut an, zu gewinnen – egal wo und gegen wen. Natürlich ist das Niveau hier bei der Weltmeisterschaft deutlich höher.“

Gustav Iden (Norwegen, Ironman-70.3-Weltmeister 2019 & 2021): „Ich bereue mein modisches Outfit. Es ist sehr heiß auf der Bühne, aber ich muss da jetzt durch. Dieses Jahr geht es bei mir bergauf. Nizza war fast das perfekte Comeback – abgesehen davon, dass dieser Kerl (er zeigt auf Casper Stornes) einen Marathon unter 2:30 gelaufen ist und damit meinen Plan ruiniert hat. Der Kurs in Marbella erinnert mich sehr an St. George, und natürlich ist mein Ziel, gut zu performen. Aber ich habe nicht so gut trainiert, wie ich es mir vorgenommen hatte. Ich sehe mich deshalb nicht als Favorit auf den Sieg.“

Lucy Charles-Barclay (Großbritannien, Ironman-70.3-Weltmeisterin 2021): „Die Strecke sieht fantastisch aus. Ich bin froh, dass ich das nicht verpasse. Ich versuche seit Jahren, nicht nur als Schwimmerin wahrgenommen zu werden, und um hier zu gewinnen, braucht man das komplette Paket. Leider hatten wir vor Kurzem einen schweren Verlust in der Familie – jemand, der mir sehr wichtig war. Er war ein großer Fan von mir, und ich fühle, dass er mir beim Rennen Flügel verleihen wird. Ich hoffe, ich kann ihn auf der Strecke ehren.“

Kristian Blummenfelt (Norwegen, Ironman-70.3-Weltmeister 2022): „Ich denke Casper hat recht, zwölf Minuten in der Pro Series sind ein recht sicheres Polster. Ich sollte auf der sicheren Seite sein – es sei denn, ich bekomme einen Platten. Ich bin motiviert für das Rennen und will den Titel holen, aber natürlich ist die volle Ironman-Distanz das Highlight der Saison. Casper wird schwer zu schlagen sein und auch Rico Bogen ist sehr stark.“

Katrina Matthews (Großbritannien, Vizeweltmeisterin Ironman 70.3 2023 & 2024): „Die Pro Series war mein großes Ziel dieses Jahr, mit Kona als Höhepunkt. Und wenn man bei der Serie mitmacht, weiß man, dass Marbella am Ende dazugehört. Es ist definitiv eines der wichtigsten Rennen der Saison für mich. Die Radstrecke ist sehr spannend. Man muss genau wissen, wann man pusht und wann man sich zurückhält. Der Marathonrekord in Kona war toll, aber letztlich machen wir Triathlon und am Ende zählt der Gesamtsieg.“

Rico Bogen (Ironman-70.3-Weltmeister 2023): „Meine Saison lief gut, aber der Fokus liegt klar auf dieser WM. Der Kurs ist sehr hart, und ich bin für meine Radleistung bekannt – bergauf kann ich gut drücken, da ist etwas möglich. Es sind viele Kurzdistanz-Athleten am Start, also wird das Schwimmen sehr schnell. Auf dem Rad werden sich vermutlich kleinere Gruppen bilden. Draften wird kaum möglich sein, weil man bergauf einfach treten muss. Ich hoffe, ich kann mich vorn halten – vielleicht in einer kleinen Gruppe von drei oder vier Fahrern – und dann mit etwas Vorsprung in die Wechselzone kommen. Sagen wir drei Minuten. Das wäre ideal.“

Taylor Knibb (USA, Titelverteidigerin und Siegerin 2022, 2023 & 2024): „Mein Start hier war sehr spontan. Erst Freitagabend haben wir die Flüge gebucht. Nach Kona hat mich mein Arzt regelmäßig durchgecheckt und jede Woche ein Blutbild gemacht. Er hat mir den Start erlaubt und gesagt, es läge jetzt an meinem Coach. Und mein Trainer ist viel vorsichtiger als mein Arzt. Aber meine letzten Tests waren gut und am Ende gab es keine medizinischen Gründe, nicht zu starten – also bin ich hier.“

Jelle Geens (Belgien, Titelverteidiger): „Vor meinem Sieg im letzten Jahr war ich in der Mitteldistanz-Szene noch relativ unbekannt, das ist jetzt anders. Taupo war besonders, weil wir kurz davor von Europa nach Australien gezogen sind – das war eine sehr hektische Zeit. Diesmal ist alles besser geplant. Ich habe zum ersten Mal ein Höhentrainingslager absolviert, das hatte ich vorher für die Mitteldistanz noch nie. Für den Sieg habe ich Alessio Crociani und Miguel Hidalgo auf dem Zettel, und natürlich die vier Jungs neben mir. Schnell laufen kann man nur, wenn man auf dem Rad klug agiert. Ich bin gespannt, wer das am besten umsetzt.“

Flaggen-Fauxpas beim Titelverteidiger: Die belgische Fahne ist auf die Seite gekippt.

Scott DeRue (Ironman-CEO): „Uns erwartet eine aufregende, vielleicht sogar historische Ironman-70.3-Weltmeisterschaft mit über 6.000 Athleten aus 114 Ländern, im Alter zwischen 18 und 83 Jahren. Die WM bringt Ironman-Champions, 70.3-Champions und Athleten von der Olympischen Distanz zusammen. Am Start sind 20 Teilnehmer von Olympischen Spielen und insgesamt 120 Profis. Dieses Wochenende wird zeigen, wo der Triathlon steht und wohin er sich entwickelt.“

Die Pressekonferenz fand öffentlich auf der Plaza de Antonio Banderas statt.









