„Ich respektiere Jans Wunsch“

Sinnvoll oder von Sinnen? Diese Frage kursiert, seit Jan Frodeno am 1. April bekannt gegeben hat, am Ostersamstag in häuslicher Isolation im spanischen Girona einen Langdistanz-Triathlon zu absolvieren: 3,86 Kilometer Schwimmen im eigenen Pool mit Gegenstromanlage, 180,2 Kilometer Radfahren auf der Rolle und 42,195 Kilometer auf dem Laufband. Zwar will der 38-Jährige die drei Disziplinen nicht am Stück hinter sich bringen, sondern lediglich zwischen Sonnenauf- und -untergang, in den üblichen Trainingsplan würde das Projekt jedoch nicht passen. Frodenos Coach Dan Lorang betont: „Das ist nichts, was wir spezifisch machen, um in irgendeiner Form etwas zu trainieren.“

Nicht zum Nachahmen gedacht

Vielmehr stecke eine andere sinnstiftende Motivation dahinter: Frodeno selbst erklärte, mögliche Einnahmen von Sponsoren oder ähnlichem im Rahmen des Projekts spenden zu wollen. Dan Lorang ergänzt: „Die Aktion bietet die Möglichkeit, auf die Lage in Spanien hinzuweisen und zu zeigen, dass man auch zu Hause etwas machen kann. Natürlich ist das aber nicht zum Nachahmen gedacht, es soll jetzt keiner zu Hause einen Ironman machen.“ Die Aktion biete die Möglichkeit, den Sport zu präsentieren – und den Sponsoren eine Plattform zu geben, von denen einige ihre Mitarbeiter möglicherweise in Kurzarbeit schicken oder sogar entlassen müssten. „Dabei geht es nicht nur rein um Geld, sondern darum, in einer Partnerschaft auch in schweren Zeiten zueinander zu stehen“, erklärt Lorang. 

- Anzeige -

„Nichts extrem Krasses machen“

Aus sportlicher Sicht gibt sich der Coach einigermaßen gelassen und sieht in dem Projekt zumindest keinen Unsinn. „Die Athleten definieren ihre Ziele und ihre Motivation selbst, und ich sage, ob es möglich ist oder etwas kaputt macht“, sagt Lorang und ergänzt mit Blick auf einen möglichen Open-Window-Effekt: „Jan wohnt im Prinzip isoliert mit seiner Familie, da ist jeder gesund. Er hat nur selten Kontakt zur Außenwelt. Das Risiko ist also überschaubar, auch von der Belastung an sich.“ Gleichzeitig schränkt der 40-Jährige ein, dass der Fokus sicherlich nicht auf der Zeit liegen wird. „Es ist nicht das Ziel, da irgendwelche Grenzen zu verschieben oder etwas extrem Krasses im Training zu machen.“

Lorang hofft auf positiven Effekt

Lorang hofft, dass das Projekt Indoor-Langdistanz in irgendeiner Hinsicht positive Auswirkungen und damit letztlich auch einen sportlichen Sinn haben wird. „Man wird sehen, was es auslöst, auch psychisch. Vielleicht beflügelt es, in schwierigen Zeiten gewisse Ziele zu definieren. Aber das ist nicht mein primäres Ziel. Ich respektiere da nur Jans Wunsch und unterstütze ihn, so gut ich kann.“ 

40 Jahre Traumfabrik auf 132 Seiten!

Mitte Juli erscheint das große Sonderheft zum Jubiläum der deutschen Rennlegende. Wir liefern in der triathlon special jede Menge Hintergründe, Analysen, Porträts und Impressionen zu den Rennen der Profis und Agegrouper bei der Challenge Roth. Von 1984 bis 2024.

Fehler gefunden? Bitte teile uns hier mit, was wir verbessern können!

Für öffentliche Kommentare und Diskussionen nutze gern die Funktion weiter unten.

- Anzeige -
Bengt Lüdke
Bengt Lüdke
Bengt-Jendrik Lüdke ist Redakteur bei triathlon. Der Sportwissenschaftler volontierte nach seinem Studium bei einem der größten Verlage in Norddeutschland und arbeitete dort vor seinem Wechsel zu spomedis elf Jahre im Sportressort. In seiner Freizeit trifft man ihn in Laufschuhen an der Alster, auf dem Rad an der Elbe – oder sogar manchmal im Schwimmbecken.

Verwandte Artikel

Mehr Unterstützung: Ironman passt Richtlinien seiner Familienpolitik an

Der weltgrößte Triathlonveranstalter weitet die Rechte für Athletinnen in Schwangerschaft und Elternschaft aus. Auch Partner profitieren von neuen Regularien in der Familienpolitik.

Von Wellington und Frodeno zu Blummenfelt und Haug: Die jüngsten Entwicklungen der schnellsten Zeiten auf der Langdistanz

Rekorde sind da, um gebrochen zu werden. Auf der Langdistanz verlief die Entwicklung der schnellsten Zeiten teils schleppend, zuletzt ging es jedoch Schlag auf Schlag. Eine Übersicht.

Mehr lesen und erleben mit triathlon+

Triathlon ist mehr als Schwimmen, Radfahren und Laufen. Mit der Mitgliedschaft bei triathlon+ erlebst du den schönsten Sport der Welt so umfangreich wie nie zuvor. Wir haben drei attraktive Modelle für dich: Mit dem Monatsabo hast du die volle Flexibilität. Mit dem Halbjahresabo kannst du unseren Service umfangreich testen und mit dem Jahresabo sparst du bares Geld.

Monatsabo

9,95 -
Jetzt mitmachen bei triathlon+
  • volle Flexibilität
  • € 9,95 pro Monat
  • monatlich kündbar
Empfehlung!

Jahresabo

89,95 -
Größte Ersparnis bei triathlon+
  • Mindestlaufzeit 12 Monate
  • danach monatlich € 9,95
  • nach 1 Jahr monatlich kündbar

Halbjahresabo

39,95 -
Ein halbes Jahr zum Vorteilspreis
  • Mindestlaufzeit 6 Monate
  • danach monatlich € 9,95
  • nach 6 Mo. monatlich kündbar