Sonntag, 8. Februar 2026

Ironman-70.3-WM: Lucy Charles-Barclay triumphiert in Marbella vor Taylor Knibb, Tanja Neubert sensationell auf dem Podium

Wiedergutmachung geglückt: Nach dem DNF auf Hawaii laufen Lucy Charles-Barclay und Taylor Knibb in Marbella bei der Ironman-70.3-Weltmeisterschaft als Erste und Zweite ins Ziel. Tanja Neubert sorgt mit Platz drei für große Freude aus deutscher Sicht.

Peter Jacob / spomedis Die Ironman-70.3-Weltmeisterin heißt zum zweiten Mal nach 2021 Lucy Charles-Barclay.

Beim Schwimmen fackelte Lucy Charles-Barclay nicht lange und machte das, was sie fast immer macht: Die Britin setzte sich schon nach wenigen Metern von ihren Konkurrentinnen ab, von denen keine das Tempo mitgehen konnte. Die Bedingungen an diesem Morgen: kühle 17,6 Grad Celsius Wassertemperatur, moderater Wellengang. In der Verfolgung schwammen Titelverteidigerin Taylor Knibb (USA) und die ehemalige Kurzdistanzlerin Jessica Learmonth (GBR), eine große Verfolgerinnengruppe folgte mit deutlichen Abstand.

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Peter Jacob / spomedis Pünktlich um 7:50 Uhr werden die Athletinnen ins 17,6 Grad Celsius kühle Mittelmeer geschickt.

Nach 25:05 Minuten verließ Charles-Barclay schließlich das Mittelmeer, Knibb und Learmonth folgten mit 47 und 48 Sekunden Rückstand. Die große Gruppe der Verfolgerinnen kam mit rund zwei Minuten Rückstand in die Wechselzone. Darin befanden sich auch die Deutschen Caroline Pohle, Bianca Bogen und Tanja Neubert sowie Katrina Matthews, Paula Findlay und die frisch gebackene Ironman-Weltmeisterin Solveig Løvseth.

Knibb jagt Charles-Barclay

Auf den ersten und nahezu einzigen flachen Kilometern der Radstrecke durch Marbella schien bereits absehbar, dass Charles-Barclay bald Gesellschaft bekommen würde. Radrakete Knibb verringerte ihren Rückstand bereits hier um 20 Sekunden, Learmonth im Schlepptau, die sie jedoch bald abreißen lassen musste.

Nach rund zehn Kilometern war es schließlich so weit: Knibb holte Charles-Barclay ein, fuhr ohne Umschweife sofort vorbei und schien den Anstieg nach oben zu fliegen. Innerhalb der Verfolgerinnengruppe gab es die eine oder andere Bewegung, doch Zeit auf die Spitze gutmachen konnten die gut zehn Athletinnen nicht. Caroline Pohle hatte mit technischen Problemen zu kämpfen und fiel im Anstieg ganz aus dieser Gruppe heraus.

Peter Jacob / spomedis Als Erste auf dem Rad: Lucy Charles-Barclay, Ironman-70.3-Weltmeisterin von 2021 und Ironman-Weltmeisterin 2023.

Schlagabtausch auf dem Rad

Auf dem ersten langen Anstieg nach Ojén erarbeitete sich Knibb einen Vorsprung von 20 Sekunden, den Charles-Barclay im folgenden abfallenden beziehungsweise rollenden Streckenteil jedoch schnell wieder verringerte – perfekte Voraussetzungen für einen abwechslungsreichen Rennverlauf.

Spannend wurde es auch bei den Verfolgerinnen, wo die große Gruppe mittlerweile auseinandergerissen war. Paula Findlay konnte sich absetzen und zu Jessica Learmonth aufschließen, der Abstand der beiden auf die Spitze betrug rund 2:15 Minuten. Katrina Matthews war mit gut 3:30 Minuten auf Position fünf unterwegs.

Peter Jacob / spomedis Wie immer schnell auf dem Rad unterwegs: Taylor Knibb.

Knibb und Charles-Barclay lieferten sich derweil an der Spitze einen Zweikampf auf Augenhöhe. Die Britin konnte zur US-Amerikanerin aufschließen, in der Führung wechselten sich die beiden dann ab. Gute und schlechte Nachrichten aus deutscher Sicht: Tanja Neubert und Bianca Bogen behaupteten als Achte und Zwölfte stabile Positionen, Laura Jansen beendete das Rennen jedoch vorzeitig. 

Duo arbeitet effektiv, Bewegung in der Verfolgung 

Der Zweikampf der beiden Führenden entwickelte sich zu einer effektiven Zusammenarbeit. Weder Knibb noch Charles-Barclay setzten eine Attacke und gemeinsam brachten sie immer mehr Abstand zwischen sich und die anderen Konkurrentinnen. Etwa 35 Kilometer vor der zweiten Wechselzone betrug ihr Vorsprung bereits rund dreieinhalb Minuten. Interessant: Gleich zwei Duos fanden sich für die Aufholjagd zusammen. Findlay und Learmonth sowie Matthews und die Dänin Sif Bendix Madsen mit gut vier Minuten Rückstand auf die Spitze. Aus zwei Duos wurde wenig später ein Quartett. Findlay und Learmonth fielen zurück und bildeten nun eine Gruppe mit Matthews und Bendix Madsen, der Rückstand zur Spitze wuchs dennoch leicht an.

Auf den letzten Kilometern setzte sich Taylor Knibb dann doch minimal von Lucy Charles-Barclay ab und erreichte T2 als Erste mit einem Bikesplit von 2:21:14 Stunden. Charles-Barclay folgte 19 Sekunden später, doch Knibb hatte beim Wechsel Schwierigkeiten beim Schuheanziehen. So gingen die Athletinnen nahezu zeitgleich mit sieben Sekunden Abstand auf die Laufstrecke.

In der Verfolgung beendete ein Trio das Radfahren mit 3:49 Minuten Rückstand: Matthews, Learmonth und Bendix Madsen ließen es auf der rasanten Abfahrt mit Spitzengeschwindigkeiten von gut 80 Kilometern pro Stunde rollen und machten einige Sekunden gut. Findlay musste dagegen abreißen lassen und hatte einen Rückstand von knapp fünfeinhalb Minuten. Die Kanadierin, die zuletzt mit einer Laufverletzung zu kämpfen hatte, stieg wenig später komplett aus. Stark auf Position sieben: Tanja Neubert (+ 6:35 Minuten), unmittelbar vor Marjolaine Pierré.

Peter Jacob / spomedis Katrina Matthews läuft schnell an. Doch bald muss dieBritin aufgeben.

Zweikampf geht weiter, Schock für Matthews

Auf der Laufstrecke legte Knibb zunächst ein enormes Tempo an den Tag. Den ersten Kilometer legte die 27-Jährige in 3:29 Minuten zurück und vergrößerte damit ihren Abstand zu „LCB“ wieder auf fast 30 Sekunden. Schneller unterwegs war zu Beginn des Halbmarathons mit rund 3:20 Minuten pro Kilometer nur Katrina Matthews, die damit ihre Aufholjagd nach vorn startete.

Diese wurde jedoch kurz vor der Fünf-Kilometer-Marke jäh beendet. Matthews bleibt plötzlich stehen, wechselt ins Gehen, versucht immer wieder, humpelnd anzulaufen, und sitzt wenig später am Straßenrand. Ähnliche Bilder hatte man bei den Miami T100 im vergangenen Jahr beobachten können, als Matthews das Rennen aufgrund einer Muskelverletzung auf der Laufstrecke beendete. In Marbella setzte Matthews den Lauf zunächst fort, musste jedoch die bittere Pille schlucken, nicht mehr im Kampf um die vorderen Plätze eingreifen zu können. Wenig später zog die Britin den Stecker und stieg aus.

Peter Jacob / spomedis Führungswechsel: Lucy Charles-Barclay übernimmt am Ende der ersten Runde die Spitzenposition.

Charles-Barclay holt auf und setzt sich ab

Lucy Charles-Barclay kam derweil immer näher an Taylor Knibb heran und hatte sie nach knapp sieben Kilometern eingeholt. Zunächst waren beide Athletinnen gleichauf, doch Charles-Barclay konnte sich absetzen und ihren Vorsprung zügig ausbauen. Eine sensationelle Vorstellung zeigte Tanja Neubert. Sie lief ein ähnliches Tempo wie Charles-Barclay und Knibb und saugte sich auf diese Weise näher an Jessica Learmonth auf Position drei heran. Nach etwa acht Kilometern hatte sie es geschafft, sie überholte die Britin und setzte sich sofort ab. Nun galt es, diese Position zu verwalten, um nicht noch weitere gefährliche Verfolgerinnen wie Marjolaine Pierré und Georgia Taylor-Brown herankommen zu lassen.

Peter Jacob / spomedis Tanja Neubert kommt als Dritte ins Ziel.

Lucy Charles-Barclay lief fortan ohne ein Zeichen von Schwäche dem Sieg entgegen und hatte sich vier Kilometer vor dem Ziel ein komfortables Polster von zwei Minuten erarbeitet. Nach 4:14:54 Stunden war der Sieg perfekt und Lucy Charles-Barclay krönte sich zum zweiten Mal nach 2021 zur Ironman-70.3-Weltmeisterin. Taylor Knibb folgte exakt drei Minuten später auf Platz zwei. Auch für sie dürfte das nach dem Hawaii-Drama und der recht spontanen Marbella-Reise ein mehr als versöhnliches Ergebnis sein.

Nach 4:22:07 Stunden hatte es auch Tanja Neubert geschafft und machte ihre Kampfansage wahr: Podium! Auf den Plätzen vier und fünf landeten Georgia Taylor-Brown und Marjolaine Pierré. Ironman-Weltmeisterin Solveig Løvseth belegte Platz sechs. Zweitbeste Deutsche wurde Bianca Bogen auf Platz 13. Caroline Pohle wurde 22.

Im Hinblick auf die Pro Series hatte Katrina Matthews Glück im Unglück. Sie konnte ihr Ergebnis im Ranking im Gegensatz zu Solveig Løvseth zwar nicht verbessern, doch diese sammelte zu wenige Punkte, um Platz eins zu übernehmen. Somit gehen die 200.000 US-Dollar Prämie für die Gesamtwertung an die Britin, Løvseth darf sich immerhin über 130.000 US-Dollar freuen.

Ironman-70.3-Weltmeisterschaft 2025 | Profi-Frauen

8. November 2025 | Marbella (ESP)
PlatzNameLandGesamt1,9 km Swim90 km Bike21,1 km Run
🥇Lucy Charles-BarclayGBR4:14:5425:052:29:411:17:14
🥈Taylor KnibbUSA4:17:5525:522:28:361:20:21
🥉Tanja NeubertGER4:22:0727:162:33:511:18:16
4Georgia Taylor-BrownGBR4:23:4727:122:36:201:17:30
5Marjolaine PierréFRA4:23:5528:352:32:361:20:05
6Solveig LøvsethNOR4:24:4827:252:35:121:19:24
7Jess LearmonthGBR4:26:2025:532:32:341:25:17
8Lizzie RaynerGBR4:28:4227:192:38:521:19:46
9Hanne De VetBEL4:30:0127:142:36:011:24:11
10Ellie SalthouseAUS4:30:2427:192:39:391:20:29
11Sif Bendix MadsenDNK4:31:2627:122:31.251:30:12
12Sara SvenskSWE4:31:5830:242:37:481:20:21
13Bianca BogenGER4:32:1127:142:40:341:21:38
14Rebecca AnderburyGBR4:33:1132:072:35:521:22:04
15Katrine Græsbøll ChristensenDNK4:33:2929:542:38:561:21:42
16Nicole Van Der KaayNZL4:34:0827:102:42:451:21:38
17Grace ThekAUS4:34:3928:442:40:521:22:14
18Jeanne CollongeFRA4:35:1029:112:42:211:20:13
19Djenyfer ArnoldBRA4:35:2626:592:45:001:20:49
20Milan AgnewAUS4:37:0028:332:43:071:22:28
21Charlene ClavelFRA4:37:2528:442:41:501:23:36
22Megan McDonaldGBR4:38:4628:402:42:331:24:38
23Caroline PohleGER4:38:5927:132:44:031:24:56
24Solenne BillouinFRA4:39:1929:562:42:211:24:30
25Sandra HuonFRA4:40.5632:052:44:271:21:30
26Danielle LewisUSA4:41:2729:572:41:581:26:49
27Lisa BecharasUSA4:42:2329:382:43:391:26:20
28Maja Stage NielsenDNK4:42:2528:252:44:191:26:28
29Regan HollioakeAUS4:43:2628:342:44:151:27:05
30Bridget TheunissenZAF4:46:2529:052:46:591:26:59
31Cecilia PerezMEX4:47:0428:382:52:171:23:04
32Rachel BrownGBR4:47:2231:582:48:581:23:27
33Emilie MorierFRA4:48:2228:502:37:521:38:11
34Francisca GarridoCHL4:48:3230:222:51:531:23:10
35Nina DerronCHE4:49:0130:002:48:571:27:16
36Luisa Iogna PratITA4:50:1427:192:55:061:24:53
37Jess SmithUSA4:52:5129:522:51:371:27:39
38Adele LikinUSA4:53:5731:532:54:141:24:18
39Kristen MarchantCAN5:02:4528:482:52:281:37:47
40Caroline KaplanUSA5:04:5329:383:03:461:28:11
41Carolyn OlsenUSA5:04:5434:223:01:081:25:30
42Freya McKinleyUSA5:06:5928:412:55:251:39:53
43Mariella SawyerZAF5:09:4634:213:01:571:30:33
44Hannah SakalukUSA5:14:1528:363:11:101:37:35
45Macarena Salazar EzquerraCHL5:14:4928:423:04:401:31:49
DNFKat MatthewsGBR27:172:31:10
DNFPaula FindlayCAN27:242:32:34
DNFLaura JansenGER29:12
DNFLydia RussellUSA28:39

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Anna Bruder
Anna Bruder
Anna Bruder wurde bei triathlon zur Redakteurin ausgebildet. Die Frankfurterin zog nach dem Studium der Sportwissenschaft für das Volontariat nach Hamburg und fühlt sich dort sehr wohl. Nach vielen Jahren im Laufsport ist sie seit 2019 im Triathlon angekommen und hat 2023 beim Ironman Frankfurt ihre erste Langdistanz absolviert. Es war definitiv nicht die letzte.

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