Im ersten olympischen Triathlon trennten sie nur zwei Sekunden – Michellie Jones zog damals den Kürzeren. Ein Vierteljahrhundert später hat die Australierin das Duell gegen Brigitte McMahon bei der Ironman-70.3-WM in Marbella für sich entschieden und schließt einen symbolischen Kreis.

25 Jahre nach den Olympischen Spielen in Sydney, es war die Premiere für den Triathlon, hat Michellie Jones erneut Geschichte geschrieben – diesmal in der Altersklasse. Die Ironman-Weltmeisterin von 2006 gewann bei der Ironman 70.3-Weltmeisterschaft 2025 in Marbella den Titel in der W55–59 und verwies dabei ausgerechnet die Schweizerin Brigitte McMahon auf Rang drei – jene Athletin, die ihr im Jahr 2000 das Olympiagold im eigenen Land um lächerliche zwei Sekunden wegschnappte.
Titelverteidigung in Marbella
Jones lebt mittlerweile nicht mehr in Australien, sondern abwechselnd in Kalifornien und Deutschland, in der Nähe von Bremen. Dort verbringt sie die meiste Zeit und lässt ihr Pferd ausbilden. In Marbella absolvierte sie die Strecke in 5:25:36 Stunden (Schwimmen 35:32 Minuten, Rad 3:07:46 Stunden, Lauf 1:37:59 Stunden) und verteidigte damit ihren Altersklassen-WM-Titel aus dem Vorjahr (Taupō, Neuseeland). Insgesamt waren mehr als 6.300 Athletinnen und Athleten aus 114 Ländern in Marbella am Start.

Das Aufeinandertreffen der beiden früheren Rivalinnen hatte eine besondere Note. 2000 trennten Jones und McMahon im ersten olympischen Triathlon der Geschichte hauchdünne zwei Sekunden – ein Rennen, das bis heute als sportliches Highlight gilt. Fünf Jahre nach ihrem Olympiasieg wurde McMahon positiv auf EPO getestet. Sie gab das Vergehen zu und trat aus dem Profisport zurück. Im Rahmen des Olympiasiegs hatte es keinen positiven Test gegeben, entsprechend blieb er bestehen. Brigitte McMahon trat später wieder als Agegrouperin in Erscheinung, zuletzt wurde sie Agegroup-Weltmeisterin auf Hawaii.
Überraschung am Start?
Für Michellie Jones, die ihre Karriere über Jahrzehnte durch Konstanz prägte, ist der Sieg in Marbella möglicherweise mehr als ein Altersklassenerfolg. Es ist ein leises, aber klares Statement einer Athletin, die dem Sport ihren Stempel aufgedrückt hat – und nun eine späte Genugtuung erfährt. Ob Jones und McMahon im Vorfeld von ihren Teilnahmen in Marbella wussten, ist nicht bekannt. Die Überraschung dürfte spätestens bei der Startaufstellung groß gewesen sein und das Ziel des Wettkampftags definiert haben.
Jones kann auf äußerst vielseitige Erfolge zurückblicken. Die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen sticht ebenso heraus wie der Sieg bei der Ironman-WM 2006. Zudem wurde sie zweimal Kurzdistanz-Weltmeisterin (1992 und 1993) und einmal Xterra-Weltmeisterin (1996). Eine Goldmedaille gab es für Jones bei den Paralympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro – als Guide der Paratriahletin Katie Kelly. Sie ist Mitglied der Ironman Hall of Fame, der ITU- und der Triathlon Australia Hall of Fame und arbeitet heute als Coach – unter anderem als Head Coach des Triathlonteams der University of California, San Diego.









