Donnerstag, 19. Februar 2026

Kommentar zum Verfahren mit Dopingsündern: Ein falsches Signal

Ein Triathlet und Betreuer aus der Schweiz verstößt gegen das Anti-Doping-Statut, wird gesperrt und hält sich nicht an diese Auflagen. Das Ergebnis: Er nimmt wieder an Wettkämpfen teil. Ein katastrophales Zeichen an alle ehrlichen Sportler, findet unser Redakteur Bengt-Jendrik Lüdke.

Devonyu | Dreamstime.com

Man fasst sich unweigerlich an den Kopf, den man zugleich fassungslos schüttelt. Ein Triathlet und Betreuer bringt Dopingsubstanzen an den Mann (oder die Frau) und bedient sich selbst an seinem umfangreichen Apothekenschrank. Er wird daraufhin vom zuständigen Sportgericht gesperrt. So einfach, so klar, so gut – auch wenn man über die Dauer der Sperre von vier Jahren geteilter Meinung sein kann. Die Person ignoriert anschließend aber die Sperre und die sich daraus ergebenden Auflagen, nimmt in dieser Zeit an Wettkämpfen teil und betreut weiterhin andere Athleten. Die Konsequenz: lediglich eine Verwarnung. Die Person darf nach Ablauf ihrer Sperre einfach wieder an Wettkämpfen teilnehmen. So, als wäre nichts gewesen.

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Dopingsünder hat sich selbst überführt

Mit dieser Entscheidung wird ein falsches Signal an und in die Sportwelt ausgesendet, nämlich der Eindruck: Uns ist alles egal, macht, was ihr wollt. Dem Athleten wird zugutegehalten, dass er geständig war und sportlich keine großen Ambitionen hegte. Diese Urteilsbegründung setzt dem Ganzen sogar noch die Krone auf – und lässt den Kontext komplett außer Acht. Denn dem Athleten blieb ja gar nichts anderes übrig, weil er sich in einem Anflug von Überheblichkeit und Geltungsdrang öffentlichkeitswirksam schon selbst überführt hatte.

Er ist ein Wiederholungstäter

Anstatt davon zu sprechen, dass er geständig war, hätte die Bewertung anders lauten müssen. Der Athlet hat sich einen schweren Fehler erlaubt und sich anschließend uneinsichtig gezeigt. Als Wiederholungstäter. Die Sperre hätte mindestens verlängert werden müssen. Zumal nicht klar ist, ob er bei den entsprechenden Wettkämpfen sauber an den Start gegangen ist und ob er als Betreuer weiterhin versucht hat, andere Athletinnen und Athleten als Kunden und Konsumenten zu gewinnen.

Eine schallende Ohrfeige für die Ermittler

Doping gehört zu den schlimmsten und unfairsten Dingen, die den Sport begleiten. Immer wieder treten vereinzelt Athleten aus dieser Schattenwelt ins Rampenlicht und sonnen sich in ihrem mit unlauteren Mitteln erreichten Erfolg. Im Regen stehen letztlich die ehrlichen und sauberen Sportler, die sich zu Recht betrogen fühlen. Und was mögen die Ermittler denken, die täglich für einen sauberen Sport kämpfen, von den Entscheidungsträgern mit diesem Urteil aber eine schallende Ohrfeige erhalten haben?

Betrüger ist Betrüger

Es wäre die Möglichkeit gewesen, mit einem klaren Statement für eine deutliche Ansage und Abschreckung zu sorgen: Wer nicht nach den Regeln spielt, fliegt raus. Und wer sich über die Judikative hinwegsetzt, erhält keine Chance auf eine Rückkehr. Da macht es auch keinen Unterschied, ob es sich um einen Agegrouper oder Profi handelt. Betrüger ist Betrüger.

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Bengt Lüdke
Bengt Lüdke
Bengt-Jendrik Lüdke ist Redakteur bei triathlon. Der Sportwissenschaftler volontierte nach seinem Studium bei einem der größten Verlage in Norddeutschland und arbeitete dort vor seinem Wechsel zu spomedis elf Jahre im Sportressort. In seiner Freizeit trifft man ihn in Laufschuhen an der Alster, auf dem Rad an der Elbe – oder sogar manchmal im Schwimmbecken.

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