Montag, 24. Juni 2024

Agegrouper Mai 2024: Stefan Pfister – Zug um Zug zum Ziel

Große Leidenschaft, akribische Planung: Stefan Pfister füllt seine knapp bemessene Freizeit minutiös mit Triathlon. Und weil der 44-Jährige als Verkaufsleiter der Schweizer Zentralbahn deren Panoramazüge in Asien bewirbt, verbindet er seine Reisen dorthin mit Wettkämpfen. In Taiwan qualifizierte er sich für „The Championship“ in Šamorín am 19. Mai.

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Vor knapp acht Jahren fing ­Stefan Pfister mit dem Triathlon an, ­davor war der ehemalige Leichtathletik-­Fünfkämpfer bereits ein paar Jahre im ­Duathlon aktiv. Zum Triathleten aus Leidenschaft machten ihn die großen Emotionen im Wettkampf. Pfister entwickelte sich zum Langdistanzler, ­finishte viermal: in Kopenhagen, in der Emilia-Romagna und zweimal bei der Challenge Roth. Bei dem Gedanken an den deutschen Klassiker ist der Schweizer sichtlich berührt: „Als ich den Solarer Berg hochgefahren bin, kamen mir die Tränen. Die Stimmung, die Musik, die Emotionen – da ist man Teil von etwas, das weitaus größer ist als man selbst.“

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Mit der Geburt seiner Söhne Noah und Luca, die jetzt knapp drei und knapp ein Jahr alt sind, musste Stefan Pfister den Aufwand aber herunterfahren: „Seitdem ist die Reihenfolge klar festgelegt. Erst kommt die Familie, dann der Beruf und in der wenigen verbleibenden Zeit kann ich trainieren.“ Als die Kinder noch nicht auf der Welt waren, investierte er zehn bis 14 Stunden wöchentlich in den Sport, jetzt sind es noch sechs bis acht Stunden. „Die muss ich so gut und effizient wie möglich nutzen“, sagt er und ergänzt: „Langdistanzen sind zurzeit nicht drin.“

Dann eben Mitteldistanz. Sein Trainingszimmer zu Hause in Fürigen oberhalb des Vierwaldstättersees in der Zentralschweiz, unweit von Luzern entfernt, musste Stefan Pfister räumen. Daraus ist ein Kinderzimmer geworden. Nun ist er mit seiner Pain Cave in die Garage umgezogen. „Die habe ich mir zu einer richtigen Triathlonbude umgebaut“, sagt er nicht ohne Stolz. Circa 75 Prozent seines Trainings verbringt er dort auf dem Laufband oder dem Smarttrainer (siehe Foto links). An drei Tagen in der Woche ist er dort morgens zwischen fünf und sechs Uhr auf der Rolle, zudem nutzt er oft die Mittagspause für Einheiten. „Anders geht es nicht. Ich muss clever trainieren. Das erfordert Disziplin und einen starken Willen.“ So schön die Umgebung ist, in der er mit seiner Frau Melanie und den beiden Söhnen wohnt, direkt am Bergmassiv ­Pilatus, so schwierig ist es dort zu trainieren. „Ich kann nicht einfach loslaufen oder losfahren. Wenn ich aus der Haustür komme, geht es gleich brutal bergauf und bergab.“  

Die traumhaften Landschaften seiner Schweizer Heimat beschäftigen Stefan Pfister auch täglich in seinem Job. Der Tourismusfachmann ist Verkaufsleiter bei der Zentralbahn und bewirbt Panoramazüge wie den ­Luzern-Interlaken Express im asiatischen Raum. Demnächst steht seine 50. Asienreise an. Ob in China, Süd­korea, Japan, Vietnam oder Taiwan – in einer Woche vor Ort besucht er dann jeweils 20 Reiseveranstalter, um ihnen Zug­reisen durch die malerische Schweiz schmackhaft zu machen. Und ab und zu gelingt es ihm dabei, den Job mit dem Sport zu kombinieren. Er strecke dann den Aufenthalt um ein paar Tage Urlaub, um an einem Wettkampf teilnehmen zu können. So wie im Vorjahr, als er bei der Challenge Taiwan startete – mit einem vor Ort geliehenen Rad, für das er sich mit Verlängerungsstücken, Schaumstoff und Kabel­bindern einen abenteuerlichen ­Lenkeraufsatz ­bastelte. Der Aufwand hat sich gelohnt, Stefan Pfister landete auf dem dritten Platz in seiner Altersklasse und qualifizierte sich damit für die Mittel­distanz „The Championship“ im slowakischen ­Šamorín jetzt am 19. Mai. 

Die Wettkämpfe in Asien sucht Pfister ebenfalls mit Akribie heraus: „Ich muss mir die Zeit und die Kräfte einteilen. Mehr als zwei Rennen pro Jahr sind aktuell nicht drin. Deshalb plane ich strategisch, welche Wettkämpfe für mich infrage kommen. Ich studiere die Ergebnislisten, um zu wissen, wo ich in meiner Altersklasse vorn mitlaufen und mich für größere Events qualifizieren könnte.“ Das Niveau der Rennen in Europa sei zwar höher, so Pfister. „Aber die Euphorie und die Stimmung sind bei Wettkämpfen in Asien genauso groß. Und alles ist ein wenig familiärer.“

Der Familienvater mit der positiven Ausstrahlung plant bereits für Mai 2025 einen Start beim Ironman 70.3 Vietnam. Aber das ganz große Ziel für ihn ist und bleibt die Ironman-WM auf Hawaii: „2026 oder ­spätestens 2028 möchte ich mir diesen Traum erfüllen. Das ist für mich ein richtiges Projekt. Vielleicht fliegen wir dann mit der ganzen Familie dorthin.“

Stefan Pfister war bereits zweimal im Urlaub auf Hawaii. „Das dritte Mal muss es aus sportlichen Gründen sein. Das wäre das Dessert meiner Triathlon­aktivitäten.“ Jetzt gibt es aber zunächst eine Zwischenmahlzeit bei der Mittel­distanz „The Championship“ von ­Challenge in der Slowakei. Und diesen Wettkampf möchte der Verkaufsleiter der Schweizer Zentralbahn zügig angehen: „Ich habe ein nagelneues Rad und neue Laufschuhe. Damit strebe ich eine persönliche Bestzeit an: 4:45 Stunden habe ich mir als Ziel gesetzt.“ 

Aber bei allem Ehrgeiz bricht sich im nächsten Moment bei Stefan Pfister wieder die Begeisterung und Leidenschaft für den Triathlon Bahn: „Dieser Sport hat mir schon so viele unglaublich emotionale Momente beschert, das ist unbezahlbar. Deshalb freue ich mich schon jetzt auf das nächste ­Rennen.“


Stefan Pfister

Geburtsdatum > 18. April 1980

Geburtsort > Interlaken (Schweiz)

Beruf > Tourismusfachmann / Verkaufsleiter International Zentralbahn AG

Triathlet seit > 2016 (seit 2013 Duathlon)

Lieblingsdisziplin > Radfahren und Laufen

Erster Triathlon > Ironman 70.3 Rapperswil 2016

Bisher letzter Wettkampf > Challenge Taiwan 2023

Lieblingswettkämpfe > Challenge Roth, Zytturm Triathlon in Zug, ­Ironman Kopenhagen

Größter Erfolg > 3. Platz M40–44 Challenge Taiwan 2023 (Qualifikation für „The Championship“ Šamorín 2024) 

Bestzeiten >  2:13 Stunden (olympische Distanz, Uster Triathlon 2019), 4:58 Stunden (Mitteldistanz, Ironman 70.3 Vichy 2018) 9:56 Stunden (Langdistanz, Ironman Kopenhagen 2021)

Aktuelles Wettkampfrad > Cube C:68X

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Christian Wriedt
Christian Wriedt
Schreiben und Bearbeiten von Texten, Verbesserung der internen Abläufe und Erstellung von Abgabeplänen – das ist der tägliche Dreikampf von Christian Wriedt in der triathlon-Redaktion. Der studierte Sportwissenschaftler ist vor allem aufgrund seiner langjährigen journalistischen Erfahrung verpflichtet worden. Dem Triathlon begegnet der gebürtige Hamburger und leidenschaftliche Fußballer mit großer Neugier und noch größerem Respekt.

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