Julia Skala liebt extreme Rennen. Im vergangenen Jahr gewann sie den Norseman mit Streckenrekord. Gleichzeitig ist die Profitriathletin an einer Depression erkrankt. Wie passt das zusammen? Eine Geschichte über Leistung, Verletzlichkeit, falsche Vorstellungen von Stärke – und den langen Weg bis zur Startlinie.
Ergebnislisten sind knallhart. Dort stehen ein Name, eine Startnummer, eine Platzierung, Zwischenzeiten. Und manchmal nur drei Buchstaben: DNF. Did not finish. Beim Ironman Lanzarote stand es hinter dem Namen von Julia Skala. Wenige Wochen zuvor, beim Ironman Südafrika, hatte sie Rang neun belegt, aber ihre Splits wurden deutlich langsamer. Von außen betrachtet wirkt so eine Bilanz eindeutig: Es lief nicht. Für Julia Skala sagt die Bilanz fast nichts aus.
Unsichtbare Last
Als sie wenige Tage nach Lanzarote über das Rennen spricht, klingt sie gefasst, aber berührt. „Mein Herz ist ein bisschen gebrochen“, sagt sie. Grundsätzlich gehe es ihr gut. Aber dieses Rennen, „das hätte ich so jetzt nicht noch mal gebraucht“. Julias Saison 2026 begann nicht mit diesen beiden Ironman-Rennen. Sie begann in einem Winter, in dem lange offen war, ob es überhaupt eine Saison geben würde. Julia Skala ist an einer Depression erkrankt. Die 31-Jährige trainierte, aber oft unter Bedingungen, die von außen kaum sichtbar sind: Herzrasen in Einheiten. Schlechter Schlaf. Tage, an denen schon der Weg bis zum Training Kraft kostete. Und immer wieder die Frage, ob das gut gehen kann. Julia sagt, sie habe sich durch diesen Winter „echt so gut durchgeboxt“. Deshalb tut es jetzt so weh.
Die Entscheidung für Antidepressiva war für sie kein leichter Schritt. Psychisch, sagt Julia, habe es ihr geholfen. Dass die Medikamente Nebenwirkungen haben können, wusste sie. Auch, dass sie den Magen-Darm-Trakt betreffen können. Anfangs hatte sie etwas Übelkeit gespürt, aber nichts Alarmierendes. Dazu kam: Sie begann erst relativ kurzfristig vor dem Ironman Südafrika mit der Einnahme und absolvierte danach keine Einheiten mehr, die mit der Belastung einer Langdistanz vergleichbar gewesen wären. „Wenn ich nur ansatzweise gewusst hätte, wie sich das bemerkbar machen würde, hätte ich darauf verzichtet“, sagt sie.
„Lass es einfach“
Depression im Leistungssport
Weltweit leben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO schätzungsweise 5,7 Prozent der Erwachsenen mit einer Depression, Frauen werden häufiger diagnostiziert als Männer. Auch im Leistungssport sind psychische Symptome und Erkrankungen verbreitet. Leistungssport kann dabei Schutz- und Risikofaktor zugleich sein. Bewegung kann antidepressiv wirken, gleichzeitig können Verletzungen, Leistungsabfall, Schmerz, mangelnde Unterstützung, Wettkampfmisserfolge oder unangepasster Perfektionismus psychische Belastungen verstärken. Entscheidend ist ein Umfeld, in dem mentale Gesundheit so selbstverständlich mitgedacht wird wie Training, Regeneration und Verletzungsprävention.
Im Akutfall ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222 erreichbar. Informationen zum Thema Depression erhalten Betroffene und Angehörige bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe unter 0800-3344533.