Donnerstag, 9. Februar 2023
€ 0,00

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

EquipmentLehren aus dem Windtunnel

Lehren aus dem Windtunnel

Es ist frisch hier, nur 16 Grad zeigt die Temperaturanzeige an diesem Morgen an. Im Windkanal zählt jedes Grad. Jean-Paul Ballard von Swiss Side schlägt vor, uns zwei Testfahrer in Folie einzupacken. Jetzt bloß keine Schwäche erlauben und unnötige Zeit mit Verpacken verschwenden: “Das schaffen wir auch so!” Die Luft wird auf 45 km/h beschleunigt und stellt sich dem Fahrer entgegen. Gänsehaut gehört im Windkanal dazu. Der Blick ist auf den Monitor zwei Meter vor uns gerichtet, dahinter öffnet sich der schwarze Schlund des Tunnels. Auf dem Monitor sieht man die mit einem Stift skizzierten Umrisse der Baseline von Kopf- und Schulterposition. Je besser man die Umrisse trifft, desto genauer werden die Ergebnisse. Das Hinterrad ist in eine rollenähnliche Konstruktion eingespannt. Das Vorderrad wird automatisch beschleunigt.

Wir befinden uns im Windtunnel der Gesellschaft für Strömungsmesstechnik mbH (GST) in Immenstaad, wo sich schon Triathlongrößen wie Patrick Lange und Jan Frodeno in ihre Weltmeister-Position brachten. Direkt im Anschluss an die Eurobike sind wir der Einladung von Swiss Side gefolgt und zum Airbus-Gelände gefahren – natürlich mit allerhand aerodynamischer Fragen im Gepäck, die immer wieder zu heißen Diskussion in der Redaktion führen. Sind moderne Triathlonmaschinen mit oder ohne Trinksystem schneller? Wie schlecht ist die Trinkflasche zwischen den Extensions wirklich? Wie sieht die optimale Kopfposition aus? Hier kommt Teil 1 unserer Tests: Was bringt die aggressive Abfahrtsposition?

Windtunnel
Kevin Mackinnon / spomedis Der Prüfstand: Das Zeitfahrrad wird in eine sogenannte “Waage” eingespannt, die die vom Fahrer erbrachte Tretleistung empfindlich misst.

Was bringt das Ablegen bei Abfahrten?

- Anzeige -

Bei Abfahrten, wo die Geschwindigkeit weit über 50 km/h steigt, unterbrechen manche Athleten – bei den Profis gut zu beobachten – das Treten, greifen an den Basebar, machen sich klein und legen ihr Gesäß aufs Oberrohr ab (siehe Foto unten). Was bringt diese Position? Die klare Antwort: aerodynamisch extrem viel. Bei einem Testfahrer brachte diese Position ein Ersparnis von 66,2 Watt im Vergleich zur Baseline (Aeroposition mit Blick nach vorn). Bei einem zweiten Fahrer, der einen schon geringeren CdA-Wert als Fahrer 1 aufwies, entstand immerhin ein Ersparnis von 29,8 Watt. Nicht nur aerodynamisch ist diese Position besser, auch kann man die Beine mal hängen lassen und lockern.

Dennoch können wir diese Position nicht uneingeschränkt empfehlen. So zu fahren, ist unglaublich gefährlich. Eine Unebenheit auf der Strecke und schon stößt man sich den Kopf oder gar andere schmerzempfindliche Körperteile, die sich in unmittelbarer Umgebung des Oberrohrs befinden. Ein fester Griff ist Pflicht. Außerdem erfordert das Halten dieser Position neben Mut auch eine gute Muskelspannung und ein hohes Maß an Konzentration. Fazit: Auch wenn man durch das Drauflegen wertvolle Watt spart, sollte im Zweifel eher diese Position vermieden werden von ungeübten und unsicheren Radfahrern.

Windtunnel
Kevin Mackinnon / spomedis Diese Abfahrtsposition reduziert den Windwiderstand erheblich.

Teil 2 (Kopfhaltung) und Teil 3 (Sind Räder mit oder ohne Trinksystem schneller?) folgen.

- Anzeige -

Kommentiere den Artikel

Bitte gib hier deinen Kommentar ein (und bitte sei dabei fair anderen gegenüber)!
Bitte gib deinen Namen ein

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Aktuell sehr beliebt

Das Starterfeld der Männer: Topstars bei der Challenge Roth

Das Warten hat ein Ende: Das Männer-Starterfeld der Challenge Roth 2023 ist veröffentlicht und wir stellen die Topfavoriten vor. Das Frauen-Feld folgt am Donnerstag.

Die fünf größten Lauf-Irrtümer

Alle Disziplinen im Triathlon haben ihre Mythen und neunmalklugen Sprüche. Sie sind zwar weit verbreitet, entsprechen allerdings meistens nicht der Wahrheit. Wir stellen fünf klassische Laufirrtümer vor und erklären, wieso man diesen „Weisheiten“ keinen Glauben schenken sollte.

Road to Römer: Neuer Monat, neue Werte

Es wird ernst: Nicht nur das Training zieht so langsam an, die Umfänge werden länger und die Intensitäten steigen. Für Anna geht es zur ersten Triathlon-Leistungsdiagnostik, bei der nicht alle Ergebnisse so ausfallen, wie gewünscht.

Der Ticker vom Wochenende: Debütantensieg in Australien und alternative Formate

Am Wochenende gab es Triathlon in klassischer und abgewandelter Form. Hier kommen einige Ergebnisse im Überblick.

Carbon & Laktat: Kienle auf dem Weg nach Norwegen! Iden auf dem Weg zum GOAT?

Vom Start Kienles beim Norseman über die eigenen Ziele in der kommenden Saison bis zu Gustav Iden, der die GOAT-Frage noch nicht richtig beantworten möchte, Nils Flieshardt und Lars Wichert freuen sich gemeinsam auf die anstehende Saison.

Inklusion und Schuhvorgaben: Ironman modifiziert Athletenklassen und aktualisiert Wettkampfregeln

Beim weltweit größten Triathlonveranstalter gehen künftig fünf Wertungsklassen an den Start. Die Vorgaben für Laufschuhe sind ebenfalls konkretisiert worden. Dabei orientiert sich Ironman am Weltverband World Triathlon.

ePaper | Kiosk findenAbo

58,355FansGefällt mir
52,533FollowerFolgen
24,100AbonnentenAbonnieren

Aktuelle Beiträge

Ironman Legacy Program: Bedingungen für 2024 erschwert

2
Die treuesten und engagiertesten Agegrouper können sich seit 2012 mit dem Legacy Program den Traum vom Start bei einer Ironman-WM auf Hawaii erfüllen. Für 2024 hat Ironman nun die Anforderungen für Bewerber erschwert. Der Grund ist der jährliche Wechsel von Frauen- und Männer-WM auf Big Island.