Als displayloser Fitnesstracker soll der Polar Loop Schlaf, Erholung und Aktivität erfassen sowie die HRV und Herzfrequenz genauestens messen. Wir haben das neue Wearable intensiv getestet.
Produktversprechen: Genaue Herzfrequenz- und HRV-Messung bei schlichtem Design und wenig Gewicht
Polar positioniert den neuen Loop als minimalistisches Fitnessarmband ohne Display. Das leichte Band (29 Gramm) misst über optische Herzfrequenzerkennung kontinuierlich den Puls und zeichnet nachts die Herzfrequenzvariabilität (HRV) zur Erholungsanalyse auf. Ebenso werden Schlafdauer und Schlafphasen automatisch erfasst, dazu Schritte, Kalorien und aktive Zeit. Eine Bedienung am Gerät ist kaum nötig: Weder Display noch Tasten oder Vibrationsalarme lenken ab – alle Auswertungen erfolgen in der Polar-Flow-App.
Im Gegensatz zu anderen Trackern wie dem Whoop-Armband bleibt den Nutzern beim Polar Loop ein Abo-Modell erspart. Funktionen und Analyse in der dazugehörigen App sind nach der Anschaffung für 179,90 Euro ohne laufende Kosten nutzbar. Im Lieferumfang enthalten sind der Sensor, zwei Armbänder (Größe S, M oder L) und ein Ladekabel. Beim Kauf stehen drei Farben zur Auswahl: Night Black, Greige Sand und Brown Copper. Wer später ein Armband nachkaufen möchte, kann aus sechs verschiedenen Farben wählen. Alle Informationen und Details sind hier einsehbar.
Im Gegensatz zu klassischen Sport- und Triathlonuhren bietet der Loop kein integriertes GPS für Tempo- und Streckenmessung. Spezielle Modi wie Intervalle oder ein Multisport-Profil für Triathlon gibt es nicht. Trainingseinheiten erkennt das Band zwar automatisch (alternativ ist ein manueller Start über die App möglich), doch Live-Daten beim Laufen oder Radfahren stehen mangels Display nicht direkt zur Verfügung. Für Triathleten eignet sich der Loop deshalb eher als Ergänzung für Schlaf-, Erholungs- und Basisdaten. Er ist bis zu 30 Meter wasserdicht und kann beim Schwimmen getragen werden, ersetzt aber keine vollwertige GPS-Multisportuhr für detailliertes Strecken- und Leistungstracking.
Recovery-Tracking im (Trainings-)Alltag: Schlaf, Herzfrequenz, HRV und „Nightly Recharge“
Im Alltagstest überzeugte zunächst die Handhabung rund um den Schlaf: Direkt nach dem Aufwachen werden die Daten zügig in die App übertragen und stehen ohne spürbare Wartezeit zur Auswertung bereit. Positiv ist zudem, dass Polar neben den Messwerten eine kurze Selbsteinschätzung abfragt – auf einer fünfstufigen Skala lässt sich hinterlegen, wie man subjektiv geschlafen hat. Diese Kombination aus objektiven Daten und subjektivem Eindruck ist für die spätere Einordnung hilfreich, gerade an Tagen, an denen Zahlen und Körpergefühl auseinanderlaufen.
Die Schlafanalyse ist übersichtlich aufbereitet. Die Schlafphasen werden visuell über den Zeitverlauf dargestellt, sodass sich Unterbrechungen und die Verteilung von Leichtschlaf, REM-Phase und Tiefschlaf schnell erkennen lassen. Der Schlafscore (0 bis 100) setzt sich nachvollziehbar aus drei Kategorien zusammen: Schlafmenge (Gesamtdauer), Stabilität (Unterbrechungen und tatsächlich geschlafene Zeit) sowie Regeneration, die Polar über Verhältnis und Dauer von REM-Phase und Tiefschlaf abbildet. Ergänzend erfasst das Band nachts fortlaufend in einem Fünf-Minuten-Takt Herzfrequenz, Schlag-zu-Schlag-Intervall, HRV und Atemfrequenz und zeigt die Verläufe als leicht verständliche Kurven über diese gesamte Dauer. Die Herzfrequenz lässt sich rückblickend auch über den gesamten Tagesverlauf anzeigen. Eine Echtzeit-Anzeige gibt es nicht.
Ebenfalls hilfreich ist der Nightly-Recharge-Status: Die App vergleicht die Werte der jeweiligen Nacht mit dem individuellen Grundniveau und ordnet sie in einen aktuellen Trend ein. Damit liefert der Loop weniger „Trainingsteuerung“ im engeren Sinn, sondern eine alltagstaugliche, kontinuierliche Rückmeldung zur Erholung. Der Herz-Kreislauf-Belastungsstatus berücksichtigt das absolvierte Training und gibt eine Einschätzung über den aktuellen Fitnesszustand, die Trainingsbereitschaft sowie eine Einschätzung für die zukünftige Entwicklung.
Messqualität und Datenanalyse in der Praxis
In der Praxis zeigte sich zunächst eine Stärke, die für ein „Wear-and-forget“-Konzept zentral ist: Die automatische Aktivitätserkennung arbeitete im Test zuverlässig. Start und Ende der jeweiligen Einheit wurden passend erkannt, ebenso die Zuordnung der Sportart. Deutlich kritischer fällt dagegen die Herzfrequenzmessung während sportlicher Belastung aus. Die optische Pulsmessung am Handgelenk mittels Generation 3,5 der „Optical-Heart-Rate-Erfassung“ (Grünlicht) erwies sich als sehr wechselhaft. Optische Herzfrequenzmessung ist seit Jahren eine bekannte Schwachstelle – nicht nur bei Trackern, sondern auch bei vielen Sportuhren. Typischerweise funktioniert sie bei ruhigen, gleichmäßigen Belastungen und niedriger Herzfrequenz besser als bei Intervallen oder hohen Intensitäten. Zudem ist die Messqualität stark individuell: Position am Handgelenk, Bandspannung, Anatomie, Haut- und Gewebeeigenschaften sowie Behaarung können das Ergebnis deutlich beeinflussen. Die folgenden Beobachtungen sind daher als konkrete Testerfahrung zu verstehen und können zwischen Nutzern erheblich variieren.
Diese Wechselhaftigkeit prägte unseren Eindruck: In Ruhe lieferte der Loop stimmige Werte, die im Parallelvergleich mit einem Herzfrequenzgurt plausibel und nahe beieinander lagen. Während der Trainingseinheiten – egal ob Laufen, Radfahren oder Crosstrainer – war die Aufzeichnung jedoch häufig nicht valide. Teils waren die Werte noch nachvollziehbar und ähnlich zu den parallel aufgezeichneten Referenzdaten. Wesentlich öfter kam es aber trotz gleichbleibender Intensität zu starken Sprüngen und auffällig hohen Anzeigen, in Einzelfällen sogar oberhalb der maximalen Herzfrequenz des Testers.
Besonders deutlich wurde das in einer Extremprüfung unter realen Wettkampfbedingungen: einem Marathon mit parallel getragener Sportuhr und Herzfrequenzgurt. Der „echte“ durchschnittliche Herzfrequenzwert lag dabei laut Uhr- und Gurtmessung bei 167 Schlägen pro Minute. Die vom Loop aufgezeichneten Werte waren über die rund zweieinhalb Stunden hingegen ein nahezu permanentes Auf und Ab und lagen über weite Strecken meist jenseits von 200 Schlägen in der Minute und sogar weit darüber. Der beigefügte erste Graph in der folgenden Slideshow illustriert diese Abweichungen und die fehlende Stabilität der Kurve sehr anschaulich.
Insgesamt ist der Loop damit für eine Trainingsaufzeichnung, die wesentlich über Dauer und Herzfrequenz gesteuert beziehungsweise bewertet wird, im Test keine verlässliche Hilfe gewesen. Das hat unmittelbare Folgen für die Datenanalyse in der App: Wenn Belastungs- und Intensitätswerte während der Einheit maßgeblich aus der Herzfrequenz abgeleitet werden, sind entsprechende Kennzahlen bei unplausiblen HF-Verläufen nur eingeschränkt nutzbar. Wichtig ist jedoch die Differenzierung: Die Erholungsmetriken bleiben davon weitgehend unberührt und die Messung in Ruhe erwies sich im Test als schlüssig. Einen detaillierten Vergleich der exakten Herzfrequenz- und HRV-Werte gegenüber einem Whoop-Band sowie einer Garmin-Forerunner-Sportuhr führen wir zukünftig in einem separaten Testartikel fort.
Tragekomfort und Akku
Im Alltag spielt der Polar Loop seine größte Stärke aus: Er trägt sich angenehm und unauffällig – genau so, wie man es von einem 24/7-Recovery-Tracker erwartet. Die Bandlänge und vor allem die Bandspannung lassen sich einfach einstellen, die „richtige“ Enge ist schnell gefunden und bei Bedarf unkompliziert nachzujustieren. Im Test ließ sich der Loop rund um die Uhr, inklusive Schlaf, problemlos tragen – ohne Druckstellen, Jucken oder Hautirritationen. Auch Duschen war unproblematisch. Mit nur 29 Gramm ist das Band sehr leicht und bleibt im Alltag sowie nachts praktisch „unsichtbar“, was die kontinuierliche Datenerfassung erheblich erleichtert.
Ebenso überzeugend ist die Akkuleistung. Je nach Anzahl erfasster Aktivitäten hielt eine volle Ladung im Test bis zu anderthalb Wochen. Bei hoher Trainingsfrequenz – insbesondere wenn viele Einheiten automatisch erkannt und mitgetrackt werden (dieses Tracking lässt sich bei Bedarf auch deaktivieren) – verkürzt sich die Laufzeit auf etwa eine Woche, bleibt damit aber weiterhin praxistauglich. Der Akkustand ist jederzeit in der App einsehbar. Sehr angenehm ist zudem das Ladeverhalten: Der Loop ist in deutlich unter einer Stunde wieder voll aufgeladen. Das ist insbesondere deshalb praktisch, weil man ein Erholungs-Wearable idealerweise nicht über Nacht laden möchte, wenn genau dann die wichtigste Messphase stattfindet.
Fazit
Die begleitende Software in der App ist insgesamt einfach und intuitiv zu bedienen. Die Darstellung wirkt umfassend und bietet einen schnellen Überblick, bleibt in Teilen jedoch eher „oberflächlich“ und liefert weniger Tiefe für detaillierte Analysen als einige Wettbewerber. Kritisch bleibt die Herzfrequenzmessung während einer Aktivität: Sie war im Test wechselhaft und insgesamt unzuverlässig. Für viele Triathleten ist das allerdings nur bedingt relevant – gerade weil ambitionierte Athleten ihre Trainingseinheiten ohnehin mit Sportuhr (und häufig Brust- bzw. Armgurt) aufzeichnen und der Aktivitätsmodus der Loop zudem bewusst deaktiviert werden kann, um Doppelaufzeichnungen und zusätzlichen Aufwand zu vermeiden. In Ruhe hingegen erwies sich die Messung als plausibel, zugleich gilt wie bei anderen optischen Handgelenksensoren: Die Messungen und Ergebnisse der Herzfrequenz können je nach Person variieren.
Positiv dabei: Die gemessene Intensität (nach Herzfrequenz) in den Einheiten hat keinen Einfluss auf eine übergeordnete Belastungs- oder Erholungsmetrik. Dementsprechend fallen auch Einheiten mit großen Messfehlern oder die gänzliche Deaktivierung der Aufzeichnung von Einheiten nicht ins Gewicht. Einen „Gesamtbelastungszustand“, der aus Trainingsbelastung und Erholungsqualität errechnet wird, gibt es nicht. Dieser wäre ansonsten auch sehr fehleranfällig und würde einer Voraussetzung von höchster Messgenauigkeit und Vollständigkeit aller Einheiten unterliegen. Aus den jeweils isolierten Erholungsmetriken lassen sich die einzelnen Werte deshalb sehr einfach ablesen und interpretieren, ohne dass derartige Abwägungen nötig sind.
Im direkten Vergleich zur Sportuhr ist die Einordnung klar: Viele ambitionierte Athleten besitzen inzwischen Uhren, die funktional bereits mindestens einen Großteil oder sogar alles abdecken, was der Loop bietet. Der Mehrwert eines zusätzlichen Trackers entsteht vor allem aus zwei Gründen: Wenn man nicht mit Uhr schlafen möchte oder die Sportuhr nicht dauerhaft im Alltag tragen will. Hier punkten Tracker durch ihren schlichten, alltagstauglichen Charakter und liefern parallel die für die Erholung relevanten Kennzahlen (Schlaf, Ruhepuls, HRV) ohne Bedienaufwand. Wer seine hochwertige Sportuhr ohnehin konsequent 24/7 nutzt, gewinnt durch den Loop dagegen kaum Zusatznutzen. Wer jedoch eine komfortable, unaufdringliche Option für Erholungsmetriken sucht, erhält mit dem Loop ein leichtes, angenehm zu tragendes Band mit starkem Akku, schlichtem Look und ohne Abo-Zwang für die Datendarstellung.
Zusammengefasst ergibt sich ein solides Preis-Leistungs-Verhältnis, insbesondere aufgrund der ausbleibenden Folgekosten. Ein Fitnesstracker für alle, die in die Zielgruppe fallen und eine dauerhafte Messung von Herzfrequenz und HRV ohne permanenten Einsatz der Sportuhr möchten. Die Darstellung von Schlafdauer und Schlafphasen wirkte im Test insgesamt plausibel und nachvollziehbar, mit gelegentlichen Abweichungen bei der erkannten Einschlafzeit im Vergleich zu anderen Geräten.
Eine detaillierte Gegenüberstellung der Messdaten folgt in einem separaten Testartikel.
| Kategorie | Bewertung |
|---|---|
| Tragekomfort | 5 von 5 Sternen |
| Akkuleistung | 4 von 5 Sternen |
| Messgenauigkeit in Ruhe | 4 von 5 Sternen |
| Messgenauigkeit in Bewegung | 2 von 5 Sternen |
| Analyse-Software/App | 4 von 5 Sternen |
| Darstellung/Vielseitigkeit der Erholungsmetriken | 4 von 5 Sternen |
| Gesamtbewertung | 4 von 5 Sternen |