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Felix Walchshöfer im Interview:
“Ein sicheres Rennen der Agegrouper bei der Challenge Roth hat für uns oberste Priorität”

Warum für Challenge-Roth-Chef Felix Walchshöfer ein sicheres und auch schönes Rennen der Altersklassenathleten oberste Priorität hat, er dafür auch auf einige Topstars aus dem Profilager verzichtet und wie hart ihn und sein Team eine erneute Komplettabsage des Rennens treffen würde, erklärt er uns im Interview.

Felix Walchshöfer, von Ironman-Chef Andrew Messick kam gestern die Aussage, dass man bei vielen Rennen so spät wie möglich eine Entscheidung treffen wolle. Aus Roth kommt nun die frühe Verschiebung des Rennens in den Spätsommer. Seit wann brodelt diese Entscheidung bei euch schon? 

Diese Entscheidung hat sich bereits seit mehreren Wochen abgezeichnet, vor allem auch, weil sich immer mehr Athleten an uns gewendet haben. Das waren sowohl deutsche Teilnehmer, die vor ihrer ersten Langdistanz stehen und eigentlich jetzt auf ihr Schwimmtraining angewiesen wären und gefragt haben, ob wir nicht die Schwimmstrecke verkürzen könnten. Von vielen anderen Athleten haben wir die Bitte bekommen, möglichst früh eine Entscheidung zu treffen, damit sie eine Planungssicherheit haben und eventuell Buchungen für Hotels und Unterkünfte und die Urlaubsplanung weiter vorantreiben können. Wir haben aus dem letzten Jahr gelernt, dass frühe und klare Ansagen einfach das Beste sind. 

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Was waren die dringendsten Anliegen auf internationaler Ebene?

Wir haben zum Beispiel 100 Athleten aus Israel auf der Startliste stehen, die uns vergangene Woche kontaktiert haben und gefragt haben, ob sie nicht im April zum Trainieren nach Roth kommen könnten. Dadurch, dass sie bereits geimpft sind, denken sie bereits ein paar Schritte weiter. Ich musste ihnen jedoch sagen, dass ich nicht einmal sicher bin, ob hier im April überhaupt wieder erste Hotels öffnen dürfen. Im Gegensatz dazu ist die Lage in Australien noch sehr verhalten, was das Thema Impfung betrifft. Sicher ist für die Australier jedoch, dass sie im Juli vermutlich keine Ausreiseerlaubnis bekommen hätten – und allein aus Australien haben wir 300 Athleten auf der Startliste stehen. Wir haben versucht, für jeden Fall, egal ob aus welchem Land, die einfachste und bestmögliche Lösung zu finden. 

Inwiefern hat das letzte Treffen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in der vergangenen Woche auch eine Rolle beim Entscheidungsprozess gespielt?

Als wir gemerkt haben, dass es erst einmal zu keinen Lockerungen kommt und auch bis April Reisen innerhalb Deutschlands verboten oder nur sehr begrenzt möglich sein werden, ging der Glaube verloren, dass im Juli wieder einigermaßen normale Zustände herrschen werden. Eine weitere Sache, die unsere Entscheidung beeinflusst hat, war die Tatsache, dass unser zuständiges Landratsamt momentan absolut keine Kapazitäten hatte, unser mehrere Hundert Seiten umfassendes Hygienekonzept zu bearbeiten. Die sind jetzt mit anderen Dingen beschäftigt und dafür haben wir natürlich auch vollstes Verständnis.

Nils Flieshardt / spomedis Ausnahmestimmung am Solarer Berg: Inwiefern Profis als auch Agegrouper diese unvergesslichen Meter erleben können, bleibt abzuwarten.

Wie genau hat sich der Termin am 5. September als geeigneter Alternativtermin herauskristallisiert? 

Das hat ebenfalls mehrere Gründe. Es sind auf den ersten Blick einfach noch einmal zwei Monate, die uns jede Menge Zeit geben und in der auch dann hoffentlich auch viele Leute geimpft werden und sich dadurch die Lage automatisch deutlich entspannt. Aus dem vergangenen Jahr haben wir außerdem gelernt, dass sich die Pandemielage im Sommer deutlich verbessert hat. Dann haben wir hoffentlich wieder sehr niedrige Zahlen. Zu spät im September wäre schlecht gewesen, da sich die Lage eventuell wieder verschlechtern könnte. Bei einem Termin am letzten Septemberwochenende hätten wir außerdem eventuell mit Wetterschwankungen und ersten Kälteeinbrüchen sowie der Dunkelheit zu kämpfen gehabt hätten. Zudem sind im September noch die Weltmeisterschaft der ITU in Almere und am dritten Septemberwochenende sind die Bundestagswahlen. Die Optionen waren als sehr begrenzt. 

Eine komplette Absage für dieses Jahr war also absolut keine Option?

Wir beleuchten natürlich immer alle Optionen, aber wir hätten eine Absage in diesem Fall nicht für richtig gehalten. Einerseits aufgrund der Impfungen und andererseits aufgrund der Learnings aus dem vergangenen Sommer, in dem auch einige Rennen genehmigt wurden. 

Zwei Jahre Komplettausfall wären eine ziemliche Hardcore-Nummer.

Felix Walchshöfer, Geschäftsführer Challenge Roth

Bei welchem Prozentsatz eines normales Planungszyklus sind die Vorbereitungen nun gestoppt worden? 

Wir haben jetzt erst einmal alles auf Eis gesetzt und hatten jede Menge Arbeit mit der Vorbereitung der bevorstehenden Ab- und Ummeldungen und dem Erstellen der FAQs. In den kommenden Wochen sprechen wir dann mit dem Landratsamt über unser Hygienekonzept und erst danach können wir eigentlich erst richtig planen. Dann ist sicher, wie wir unsere Helfer schützen können, wie wir mit der Pastaparty umgehen oder ob man auf sonst vielleicht normale Angebote auch verzichten muss. 

Im Interview im vergangenen Jahr hast du von einem All-In-Game gesprochen. Wie schwer würde euch eine erneute Komplettabsage in diesem Jahr treffen?

Zwei Jahre Komplettausfall wären eine ziemliche Hardcore-Nummer. Sollte es dazu wirklich kommen, dann müssen wir uns wirklich etwas einfallen lassen und Gespräche mit den Banken in Sachen Kredite aufnehmen. Wir reden dabei nicht nur von dem Ausfall der fehlenden Athletenstartgelder, sondern auch von fehlenden Sponsoreneinnahmen und dem Wegbruch der wichtigen Einnahmen von der Messe und aus dem Merchandise. Wir sind jetzt seit einem Jahr bei 50 Prozent Kurzarbeit und haben auf Führungsebene unsere Gehälter fast als Erstes auf fast null heruntergeschraubt. Wir tun, was wir können, aber es gibt Fixkosten, die einfach immer weiterlaufen. 

Bleiben wir erst einmal beim positiven Fall, dass das Rennen im September stattfinden kann. Welche Optionen machen diesen Plan realistischer? Ein Geisterrennen ohne Zuschauer oder eine Aufteilung des Starterfelds auf zwei Tage? 

Dazu kann ich zurzeit einfach noch keine Aussage treffen, weil wir erst einmal mit dem Landratsamt alles genauestens besprechen müssen. Generell kann ich aber sagen, dass wir das spezielle Roth-Feeling haben wollen und dass wir auch andere Möglichkeiten finden, wenn wir auf bestimmte Stimmungsnester verzichten müssten. Wir werden uns auf jeden Fall etwas einfallen lassen. Was den Zielbereich angeht, ist unsere Vorstellung, dass wir nicht komplett auf Zuschauer verzichten wollen. Durch Abstandsregeln, eine gewisse Bestuhlung oder auch größere Tribünen können Zuschauer auch sicher mit Maske dabei sein. Einen Zieleinlauf ohne einen einzigen Zuschauer wird es sicher nicht geben.

Veranstalter Gänsehautstimmung zu Abendstunden: So voll besetzt wie in den vergangenen Jahren wird das Stadion am Zielbogen sicherlich nicht besetzt sein.

Realistisch ist hingegen, dass das Profistarterfeld im September aufgrund der zeitlichen Nähe zur Ironman-WM auf Hawaii nicht mehr ganz so namhaft ist wie noch das zuvor angekündigte …

Ganz klare Ansage von uns: Altersklassenathleten first! Wir fühlen uns in allererster Linie den Altersklassenathleten verpflichtet, die uns vor zwei Jahren ihr Geld überwiesen haben und auch an erster Stelle stehen. Wenn Hawaii stattfinden sollte, ist uns durchaus bewusst, dass in Roth in diesem Jahr vielleicht nicht die erste Garde an den Start gehen wird. Aber mir ist wichtig, dass wir ein sicheres Rennen für die Altersklassenathleten durchführen können, mit dem sie nach dem Wettkampf dann auch voll zufrieden sind. Außerdem wissen wir ja auch nicht einmal, ob Hawaii überhaupt stattfindet. Es gibt nun einen neuen Präsidenten in den USA, der wesentlich vorsichtiger ist und hawaiianische Inseln, die ebenfalls extrem vorsichtig beim Thema Covid-19 sind. Was ich aus den letzten Jahren gelernt habe: Konzentriere dich auf dich selbst und versuche, das Beste daraus zu machen. Alles weitere ergibt sich dann. 

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