Der 35-jährige Agegroup-Athlet muss seinen Titel als Ironman-Weltmeister seiner Altersklasse 35–39 und den WM-Titel als bester Agegrouper des Gesamtfeldes wieder abgeben und eine 14 Monate lange Sperre wegen eines Verstoßes gegen das Anti-Doping-Gesetz der World Anti-Doping Agency (WADA) aufgrund einer verbotenen Methode absitzen. Grund für die Sperre ist, dass sich Dels vor dem Ironman Texas 2019, bei dem er sich für die WM auf Hawaii im vergangenen Oktober qualifiziert hatte, nach Empfehlung eines Arztes vor Ort zwei Infusionen hatte verabreichen lassen und zudem keine Ausnahmegenehmigung zur therapeutischen Anwendung (TUE) eingereicht hatte. Mit diesen intravenösen Behandlungen wollte der Bamberger nach einem Magen-Darm-Virus kurz vor dem Wettkampf wieder auf die Beine kommen.
Dass er damit gegen den Anti-Doping-Code der WADA verstoßen hatte, sei ihm zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst gewesen. In einer Infusions-Klinik, einem „McDonalds für Infusionen“, wie sie Dels selbst in einem Video auf seinem Facebook-Account beschreibt, ließ er sich behandeln und konnte danach erst wieder richtig trainieren. Aufgrund seiner Unwissenheit reichte Dels nach seiner Behandlung keinen Antrag auf eine medizinische Ausnahmegenehmigung (TUE) beim Veranstalter des Ironman Texas ein.
Grundsätzlich ist eine medizinische Maßnahme wie die Infusion von Dels möglich, jedoch hätte er sich diese in einem öffentlichen Krankenhaus geben lassen müssen und anschließend eine Ausnahmegenehmigung beim Veranstalter und der Anti-Doping-Agentur einreichen müssen, um nicht gegen die Richtlinien zu verstoßen, wie Ironman später in einem Schreiben an den Agegrouper erklärte.
Rücksprache mit Arzt in Deutschland
„Nach Rücksprache mit meinem betreuenden Sportarzt in Deutschland habe ich sichergestellt, dass die Infusion die für mich medizinisch notwendigen Inhaltsstoffe enthält, aber keine illegalen Substanzen. Dies wurde auch durch die negativen Dopingkontrollen von Ironman nach dem Ironman Texas, vor und nach dem Rennen in Hawaii (Blut und Urin) bestätigt“, sagt Dels zu der Behandlung in Texas.

Anwendung einer verbotenen Methode
Mit den Infusionen verstieß Dels jedoch gegen den Artikel 2.2 des Anti-Doping-Code der WADA, der die Anwendung oder versuchte Anwendung eines verbotenen Stoffes oder einer verbotenen Methode behandelt. In Artikel 2.2.1 heißt es konkret: „Es ist die persönliche Pflicht eines jeden Athleten dafür zu sorgen, dass keine verbotenen Stoffe in seinen Körper gelangen und keine verbotene Methode angewendet wird. Demzufolge ist es nicht erforderlich, dass Vorsatz, Verschulden, Fahrlässigkeit oder wissentliche Anwendung auf Seiten des Athleten nachgewiesen werden, um einen Verstoß gegen Anti-Doping-Bestimmungen wegen der Anwendung eines verbotenen Stoffs oder einer verbotenen Methode zu begründen.“ Dabei gehe es nicht darum, ob durch die Einnahme des verbotenen Stoffs oder die Anwendung – und sogar auch nur der Versuch der Anwendung – der verbotenen Methode eine Leistungssteigerung erreicht worden sei, heißt es weiter in Artikel 2.2.2. Konkret verstoßen hat Dels mit der Infusion gegen den Punkt M2 der WADA-Verbotsliste, die folgende Methode umfasst: „Intravenöse Infusionen und/oder Injektionen von insgesamt mehr als 100 Millilitern innerhalb eines Zeitraums von zwölf Stunden, es sei denn, sie werden rechtmäßig im Zuge von Krankenhausbehandlungen, chirurgischen Eingriffen oder klinischen diagnostischen Untersuchungen verabreicht.“
Südafrikaner bekommt nun Dels‘ Weltmeistertitel
Dass er mit der Infusion einen Fehler begangen und damit gegen die Anti-Doping-Richtlinien verstoßen hat, erfuhr Dels in einer ersten E-Mail von Ironman Mitte November. Ein anonymer Hinweisgeber, der einen Screenshot des Facebook-Videos von Dels, bei dem er über die Infusion in Texas spricht und die Behandlung auch in Teilen zu sehen ist, soll Ironman auf den Verstoß aufmerksam gemacht haben. „Mein Fehler war es, dass ich den WADA-Code nicht gelesen hatte, obwohl ich dies durch einen Klick bei der Anmeldung bestätigt hatte. So wusste ich einfach nicht, dass ich mit der Infusion eine illegale Methode verwende. Hätte ich das Regelwerk gelesen, hätte ich mich zu 100 Prozent daran gehalten“, sagt Dels. Dennoch: Unwissenheit schütze vor Strafe nicht. „Als ambitionierter Triathlet hätte mir das nicht passieren dürfen. Natürlich ärgert mich meine eigene Nachlässigkeit sehr, die nicht gerade weltmeisterlich war. Aus diesem Grund akzeptiere ich die Konsequenzen“, so Dels weiter. Ein Athlet, der von diesen Konsequenzen profitiert, ist der Südafrikaner Donovan Geldenhuys, der nun der inzwischen dritte offizielle Weltmeister der Altersklasse 35–39 ist.

Keine grobe Fahrlässigkeit
Da Dels nicht vorsätzlich gehandelt habe, sich im Austausch und bei der Aufklärung des Falls auch äußerst kooperativ gezeigt habe, konnte laut Ironman eine Halbierung der Strafe von vier auf zwei Jahre vorgenommen werden. Gemäß Artikel 10.5 des Codes, der Minderung der Sperre aufgrund fehlenden groben Verschuldens oder fehlender grober Fahrlässigkeit, sei es außerdem möglich, das Strafmaß noch weiter zu reduzieren. Die Strafe muss jedoch mindestens die Hälfte des zuvor vorgesehenen Strafmaßes betragen, in Dels Falls also mindestens zwölf und maximal 24 Monate. Da sich der Grad der Verschuldung am unteren Ende des Spektrums bewege, fiel die Entscheidung seitens Ironman auf eine Sperre über 14 Monate. Die Sperre kann Dels nach Verhandlungen mit Ironman an einem Stück abbüßen. Beginn der Sperre ist der 20. April 2019, der Tag, an dem Dels seine zweite Infusion erhielt. Somit hat der 35-Jährige seine Strafe am 20. Juni dieses Jahres verbüßt und kann im Sommer wieder an Wettkämpfen teilnehmen. „Dels hat die volle Verantwortung für die unbeabsichtigte Begehung eines Verstoßes gegen die Anti-Doping-Bestimmungen übernommen. Sein Fall zeigt deutlich, wie wichtig es für alle Athleten ist, sich aufzuklären und jede Substanz und jede Behandlungsmethode zu überprüfen, bevor sie sie anwenden, auch wenn sie sie schon einmal angewendet haben“, sagte Kate Mittelstadt, die Doping-Beauftrage von Ironman. Dels hatte für das Jahr 2020 eine Profilizenz beantragt und will bei der Challenge Roth und beim Ironman Wales an den Start gehen.
Vom Traum zum Albtraum
Was für den 35-Jährigen Lehrer aus Bamberg drei Wochen nach der Ironman-Weltmeisterschaft noch wie ein über Nacht wahr gewordener Traum erschien, hat sich nun ins komplette Gegenteil verkehrt. Dels war Anfang November nachträglich zum Agegroup-Weltmeister ernannt worden, nachdem sich herausgestellt hatte, dass der schnellste Agegrouper des gesamten Feldes, der Portugiese Sérgio Marques, gar nicht als Altersklassenathlet hätte starten dürfen, da er in der gleichen Saison bereits als Profi bei zwei Wettkämpfen an den Start gegangen war – am 14. September bei der Challenge Almere sowie am 29. September 2019 beim Ironman 70.3 Cascais. Trotz der extremen Umstände gibt sich Dels in seinem Statement abschließend positiv: „Was mir aber keiner nehmen kann und von Anfang an das wichtigste für mich war, ist das Ziel meines „Projekt Podium 2019“, ein perfektes Rennen bei der Weltmeisterschaft auf Hawaii abzuliefern. Die schönen Erlebnisse auf dem Weg dorthin bleiben für immer.“