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Lange Zweiter, Frodeno steigt aus
Magnus Ditlev fährt Radrekord und gewinnt Challenge Roth

Alle erwarteten ein Duell Frodeno/Lange, doch Magnus Ditlev heißt der verdiente Sieger der Challenge Roth 2022.

Magnus Ditlev hat die Challenge Roth gewonnen.

Magnus Ditlev hat als zweiter Däne die Challenge Roth gewonnen und dem von vielen Fans erwarteten Zweikampf der Hawaiisieger Jan Frodeno und Patrick Lange seinen Stempel aufgedrückt. Der 24-Jährige feierte am Sonntag beim Klassiker im Frankenland den bisher größten Erfolg seiner Karriere. Für die 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen benötigte Ditlev 7:35:48 Stunden. Damit verpasste er Frodenos Streckenrekord von 2016 nur um neun Sekunden. Zweiter wurde Patrick Lange (7:44:52 Stunden), der sich auf der Laufstrecke noch weit nach vorn arbeitete, Ditlev aber nie gefährlich wurde. Als Dritter kam Reinaldo Colucci aus Brasilien in 7:52:36 Stunden ins Ziel. Topfavorit Frodeno gab das Rennen in Führung liegend kurz nach dem Wechsel in die Laufschuhe wegen einer Verletzung auf. Für Ditlev waren die 226 Kilometer erst die zweite Langdistanz nach seinem zweiten Platz beim Ironman Texas im April. Als erster Däne triumphierte Rasmus Henning 2010 bei der Challenge Roth.

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Zunächst sah alles so aus, als könne Jan Frodeno seinen phänomenalen Roth-Sieg von 2016 wiederholen, als er in 7:35:39 Stunden eine Weltbestzeit aufstellte. Als das Rennen um 6:30 Uhr mit einem donnernden Kanonenschuss gestartet wurde, setzte sich der 40-Jährige sofort an die Spitze. Sekunde um Sekunde brachte der amtierende Ironman-Weltmeister schon auf dem Hinweg im 23 Grad warmen Main-Donau-Kanal zwischen sich und seine ärgsten Rivalen. Der einzige, der ihm mit Müh und Not folgen konnte, war der Freiburger Maurice Clavel. Auch auf dem Rückweg und dann Richtung Schwimmausstieg wurde der Vorsprung noch etwas größer. Nach 48:54 Minuten hatte Frodeno wieder festen Boden unter den Füßen. Clavel folgte drei Sekunden später. 1:30 Minuten dahinter stieg eine größere Gruppe mit Ditlev und Lange aus dem Wasser, ein weiterer Mitfavorit, der US-Amerikaner Sam Long, bekam beim Schwimmen von Frodeno sieben Minuten aufgebrummt.

spomedis Patrick Lange wird im Ziel von Rennorganisator Felix Walchshöfer empfangen.

Ditlev drückt und holt Frodeno ein

Beim Wechsel nutzte Frodeno seinen Vorsprung, um sich anders als die meisten Profis Socken anzuziehen. Dann machte er sich gemeinsam mit Clavel auf die 180 Kilometer lange Radstrecke, die nach drei Jahren Coronapause endlich wieder mit den bekannten Stimmungsnestern am Solarer Berg oder in Eckersmühlen bestückt war. Lange Zeit allein an der Spitze halten konnte sich das Duo jedoch nicht, denn hinten drückte Ditlev mächtig aufs Pedal. Der Däne brauchte nur rund 15 Kilometer, um die Lücke zu schließen und mit den stets hinter ihm fahrenden Schweden Robert Kallin und Reinaldo Colucci aus Brasilien aufzuschließen. Patrick Lange konnte oder wollte das Tempo von Ditlev gar nicht erst mitgehen. Der Hawaiisieger von 2017 und 2018 fuhr ein ganzes Stück weit hinterher und verlor bis zur 90-Kilometer-Marke rund fünf Minuten.

Auf der zweiten Radschleife waren es Kallin, Ditlev und Frodeno, die sich mit Erfolg um die Pace bemühten. Nach und nach konnten erst Colucci und dann Clavel nicht mehr folgen. Schließlich fiel auf den letzten 20 Kilometern auch Kallin zurück, was aber niemanden wunderte, denn Frodeno und Ditlev waren auf Kurs Radrekord. Nach unglaublichen 4:01:56 Stunden erreichte Ditlev T2, womit er mehr als drei Minuten unter dem bisher besten Radsplit von Cameron Wurf (4:05:37 Stunden) blieb. Auch Frodeno war in 4:03:07 Stunden noch schneller als Wurf 2018 (mehr über die Rekorde bei der Challenge Roth 2022). Noch in Schlagdistanz rollte Kallin in die zweite Wechselzone. Clavel und Colucci waren als Vierter und Fünfter bereits mehr als zehn Minuten zurück und vor allem Clavel sah nicht so aus, als wenn er noch viel im Tank hätte. Lange und Long waren noch etwas weiter zurück.

Frodeno leidet, Ditlev siegt, Lange kämpft

Dann das Frodeno-Drama in zwei Akten: Zunächst findet der Champion seinen blauen Wechselbeutel nicht, weil ein Helfer diesen offenbar schon vorher ins Wechselzelt getragen hat. Kostbare Sekunden vergehen und Ditlev zieht im Zelt vorbei. Dann ist der Beutel plötzlich da und Frodeno legt einen Blitzwechsel hin. Jetzt profitiert er von den bereits angezogenen Socken aus T1 und läuft doch noch als Führender auf die Strecke. Ein kleiner psychologischer Stich gegen seinen Konkurrenten, der kurz darauf aber schon keine Rolle mehr spielt. An einem Tor wartet Frodenos Team und der Olympiasieger von 2008 steigt an dieser Stelle aus. Die Verletzung an der Achillessehne, die ihn schon die WM-Teilnahme in St. George gekostet hat, ist doch schlimmer als gedacht. Mehr dazu hier.

Nun war der Weg für Ditlev frei. Einzig Lange hätte seinen Sieg an einem starken Tag wohl noch gefährden können. Vorausgesetzt, der Däne würde schwächeln. Doch diesen Gefallen tat ihm der 24-Jährige heute nicht. Ditlev läuft abgeklärt wie ein alter Hase und zeigt keine Schwäche. In 2:40:22 Stunden gelingt ihm bei Temperaturen um 30 Grad ein ganz starker Marathon. Hätte er die Uhr im Blick gehabt, wäre wohl sogar Frodenos Streckenrekord drin gewesen. Im Moment des Triumphes ist ihm das gleich und so genießt Ditlev den umjubelten Zieleinlauf ins vollgepackte Rother Stadion. Lange läuft selbst einen 2:35er-Marathon und verbessert damit den Lauf-Rekord von Felix Hentschel aus dem letzten Jahr. Er überholt auf den 42,195 Kilometern Clavel, Kallin und Colucci und wird Zweiter. Dahinter laufen Colucci, Bradley Weiss und Kallin ins Ziel. Sam Long wird Sechster vor dem zweitbesten deutschen Profi Maurica Clavel.

Challenge Roth 2022 | Profi-Männer

3. Juli 2022 in Roth (Deutschland)
PlatzNameLandGesamt3,8 km Swim180 km Bike42,2 km Run
1Magnus DitlevDEN7:35:4850:444:01:562:40:22
2Patrick LangeGER7:44:5250:244:16:122:35:10
3Reinaldo ColucciBRA7:52:3650:344:16:092:43:14
4Bradley WeissRSA7:53:5650:264:15:432:44:18
5Robert KallinSWE7:59:3550:364:03:363:02:22
6Sam LongUSA8:07:0755:284:11:232:57:38
7Ondrej KuboSVK8:16:2855:094:27:002:50:13
8Maurice ClavelGER8:16:5848:574:13:563:10:46
9Jean-Claude BesseSUI8:20:1455:204:27:462:53:57
10Juan Bautista Nadal ClarESP8:21:2359:244:23:262:55:09
14Elias SchippergesGER8:28:5950:584:30:053:04:45
16Chris DelsGER8:35:5559:284:32:053:00:53
17Christian AltstadtGER8:37:3059:394:30:083:04:09
22Nick StaggenborgGER8:46:3050:384:30:393:22:06
24Patrick DirksmeierGER8:53:4950:414:30:533:29:01
27Christian BraderGER9:02:0459:414:53:583:03:49
28David RotherGER9:15:041:07:044:47:583:16:07
DNFJan FrodenoGER-48:544:03:07-

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2 Kommentare
  1. Olaf Kasten

    Lothar Leder hat in seinem Samstag-Talk schon gesagt das es sehr wahrscheinlich beim Rad fahren eine Vorentscheidung gibt weil die ganze Motorrader viel Windschatten geben und das alleine nicht gut zu machen ist. Ist das wahr? Das wäre ja super unfair und gar nicht gut für die Organisation finde ich. Und Strecke auch wieder viel zu kurz?? Ich bin enttäuscht davon.

    1. Sebastian

      Also viel Windschatten gab es glaube ich nicht. Die Motorräder haben von der Seite gefilmt wie üblich. Vor die Fahrer sind sie glaube ich nur am Solarar Berg, um Platz zu machen. Ditlev und Frodeno waren auf dem Rad einfach in einer eigenen Liga. Die Spitzengruppe hat es in der zweiten Runde auch ganz schön zerbröselt. Selbst der Schwede ist rausgefallen, obwohl der die Abstandsregeln schon zuweilen ignoriert hat. Lange hatte vor allem Pech mit der Renndynamik. Ohne die Zusammenarbeit von Ditlev und Frodeno wäre der Abstand sicher nicht ganz so groß ausgefallen.

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