Dienstag, 25. Juni 2024

Nach einer Woche „Challenge 120“: Jonas Deichmann spürt den Anpassungsprozess

Die ersten Tage waren hart. Mittlerweile aber passt sich der Körper an die Belastung von täglich einer Langdistanz an. Das bedeutet jedoch nicht, dass alles reibungslos läuft. Ein paar Probleme bleiben. Jonas Deichmann zieht Bilanz nach der ersten Woche seines Projekts.

Marc Bernreuther Nach den harten Anfangstagen gewöhnt sich Jonas Deichmann allmählich an die Belastungen. Da bleibt auch mal Zeit für ein Lächeln.

Es mutet ein wenig nach einem Dilemma an. Jonas Deichmann lässt sich in seinen ersten Tagen beim Projekt „Challenge 120“ Zeit auf der Strecke, um die Belastung auf seinen Körper zu reduzieren. Der nämlich befindet sich nach dem Startschuss komplett im Anpassungsprozess an die täglich 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen. „Tag eins und zwei gingen noch locker. Tag drei und vier bin ich deutlich langsamer geworden. Es war echt hart. Ich habe ein leicht geschwollenes Knie, eine kleine Entzündung. Der Nacken bereitet richtig Probleme in der Zeitfahrposition“, berichtet Deichmann. War er zum Auftakt noch nach 12:51 Stunden ins Ziel gekommen, erreichte er den Stadionbereich in Roth am vierten Tag nach 14:28 Stunden. Mehr Zeit auf der Strecke bedeutet zugleich: weniger Zeit zur Erholung und weniger Schlaf, den der Extremsportler dringend benötigt.

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Routine bringt Erleichterung

Immerhin: „Seit Tag fünf werden die Zeiten wieder etwas schneller“, betont Deichmann nach der ersten „Projekt-Woche“ und ergänzt: „Ich bin voll auf Kurs, wenn ich mich mit meinen Vorgängern bei solch einem Projekt vergleiche. Ich weiß ja, wie es denen in den ersten Tagen ging. Da ist bei mir alles im grünen Bereich und es geht mir relativ gut.“ Das hatte am ersten Abend kurzzeitig noch anders ausgesehen, als sich der 37-Jährige nach dem Abfallen der ganzen Spannung zum Auftakt in die Waagerechte begeben musste. „Da ist mir von dem ganzen Trubel ein wenig schlecht geworden“, gibt Deichmann zu. „Ich hatte da auch zwei Kilogramm Körpergewicht verloren. Aber das hat sich eingependelt. Ich bin jetzt bei 76 Kilogramm und kann das Gewicht halten.“ Wichtig: Nach den ersten Erfahrungen mit dem Projekt in den Anfangstagen hat sich seither eine gewisse Routine entwickelt. Das komme ihm selbst, aber auch seinem Team zugute, das zu Beginn ebenfalls am Limit agiert habe. „Es wird alles besser und wir werden in der Wechselzone effizienter“, so Deichmann.

Schwimmen bringt die nötige Frische

Wer hätte das gedacht, aber Schwimmen ordnet der Abenteurer derzeit als einfachste Disziplin ein. Sie hilft ihm gewissermaßen dabei, in den Tag zu starten. „Ich wache morgens etwas gerädert auf. Sobald ich in den Rothsee hüpfe, bin ich aber wieder frisch und munter. Ich komme eigentlich frischer aus dem See heraus, als ich reingesprungen bin.“ Die Zeiten im Wasser haben sich bei circa 1:15 Stunden eingependelt. „Das ist absolut im grünen Bereich, ohne schnell zu schwimmen. Es ist eher gemütlich“, so Deichmann.

Marc Bernreuther Gemütlich: Beim Schwimmen schöpft Jonas Deichmann Energie für den restlichen Tag.

Gegenwind zieht Energie

Auf dem Rad bereite ihm der Nacken „Riesenprobleme“. Der Extremsportler: „Vor allem auf dem Abschnitt Thalmässing nach Greding hatte ich bisher jeden Tag Gegenwind, sodass ich die Zeitfahrposition nicht die ganze Zeit halten konnte.“ Die Gegebenheiten haben ihren Tribut gefordert. „Ich bin einige Anstiege zu Beginn im ersten Gang hochgekurbelt, daraus sind in den letzten zwei, drei Tagen wieder der zweite oder dritte Gang geworden. Die Kraft kommt also zurück“, betont Deichmann. „Trotzdem werde ich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 35 Kilometern pro Stunde auf der Radstrecke nicht schaffen. Dafür müsste ich mit Power über die Anstiege rüberfahren. Die Strecke hat aber viele Höhenmeter und der Wind war vergangene Woche brutal.“

Abwechslung auf der Laufstrecke

Beim Laufen drückt Deichmann derzeit ebenfalls noch nicht auf das Gaspedal. Auch wenn es mit jedem Tag besser läuft, versucht er, nicht zu überpacen. Derzeit kalkuliert er 4:45 Stunden für den Marathon ein, als nächstes visiert er die Marke von 4:30 Stunden an, in der kommenden Woche will er am Ende nach circa vier Stunden auf der Laufstrecke das Zielbanner hochhalten. „Es ist eine schöne Laufstrecke, am Kanal entlang und dann die Schleife nach Büchenbach. Da ist Abwechslung drin.“

Marc Bernreuther Menschentraube: Beim Laufen bekommt der Extremsportler umfangreiche Beleitung.

„Roth ist der richtige Landkreis“

Genau die ist ein wichtiger Faktor, um die mentale Herausforderung des Projekts nicht unnötig noch größer werden zu lassen, als sie bei 120 Langdistanzen an 120 Tagen ohnehin bereits ist. Ein großer Motivationsfaktor ist dabei die (An-)Teilnahme anderer Athleten. „Die Stimmung ist der Wahnsinn. Es macht so richtig Spaß. Am Wochenende sind 30 Leute auf dem Fahrrad mit dabei. Unter der Woche begleiten mich ebenfalls viele Leute auf der Rad- und Laufstrecke. Vor allem auf der Extraschleife nach Büchenbach ist immer richtig Stimmung“, sagt Jonas Deichmann und bilanziert: „Roth ist einfach der richtige Landkreis für dieses Projekt.“

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Bengt Lüdke
Bengt Lüdke
Bengt-Jendrik Lüdke ist Redakteur bei triathlon. Der Sportwissenschaftler volontierte nach seinem Studium bei einem der größten Verlage in Norddeutschland und arbeitete dort vor seinem Wechsel zu spomedis elf Jahre im Sportressort. In seiner Freizeit trifft man ihn in Laufschuhen an der Alster, auf dem Rad an der Elbe – oder sogar manchmal im Schwimmbecken.

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