Alter Schwede:
Triathlonprofi Rasmus Svennigsson finisht Langdistanz in 7:59:32 Stunden

Bei einer selbstorganisierten Langdistanz blieb der schwedische Triathlonprofi und ehemalige Ironman-Hawaii-Agegroup-Weltmeister Rasmus Svenningson knapp unter der Acht-Stunden-Marke und stellte damit eine neue persönliche Bestzeit auf.

Wer in den vergangenen Wochen das Training des schwedischen Triathlonprofis Rasmus Svenningsson verfolgt hat, wurde nicht nur in regelmäßiges Staunen versetzt, sondern konnte ebenfalls erahnen, dass dieser demnächst vermutlich noch etwas (Längeres) vorhat. Im Gegensatz zu vielen anderen Profis, die aktuell ohne konkretes Wettkampfziel in den nächsten Wochen trainieren, sah es bei dem Medizinstudenten aus Stockholm bereits nach einer spezifischen Langdistanz-Vorbereitung aus. Zahlreiche Wochen mit rund 30 Trainingsstunden bei circa 20 bis 25 Kilometern im Wasser, zwölf bis 15 Stunden auf dem Rad und 90 bis 110 Kilometern beim Laufen spulte der Ironman-Agegroup-Weltmeister von 2018 (AK 25-29) ab. 

Beeindruckende Trainingsresultate im Vorfeld

Besonders seine wöchentlichen langen Läufe von 35 bis 42 Kilometern mit einem Durchschnittstempo von deutlich unter vier Minuten pro Kilometer sowie die vier- bis fünfstündigen Radeinheiten, häufig auf der Rolle, mit Durchschnittsleistungen von teils deutlich mehr als 300 Watt, ließen auf einen (Test-)Wettkampf über die 226 Kilometer schließen. Svenningsson, der seit 2019 als Profi startet und seit Ende des vergangenen Jahres von David Tilbury-Davis, dem Coach von Lionel Sanders, trainiert wird, absolvierte beispielsweise am 3. Juni 180 Radkilometer im Training (auf der Teststrecke für den späteren Wettkampf) in 4:17 Stunden mit einer Durchschnittsleistung von 319 Watt und einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 42 Kilometern pro Stunde. Am 25. April lief er in der Vorbereitung als langen Lauf einen Trainingsmarathon in 2:37:16 Stunden (3:44 Minuten pro Kilometer), ohne danach für die kommenden Wochen zurückstecken zu müssen. 

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Durch den schwedischen Sonderweg im Umgang mit der Corona-Pandemie konnte Svenningsson im Gegensatz zu den meisten anderen Profis während der gesamten Zeit sein Schwimmtraining fortsetzen und zudem auf Laufbahnen für seine Einheiten in der dritten Disziplin trainieren. Das hatte nicht nur zur Folge, dass er im Schwimmen, seiner schwächsten Disziplin, keinen Formverlust hinnehmen musste, sondern auch, dass er im Laufen bei einem Testrennen am 29. März auf der Bahn allein die 10.000 Meter in 30:50 Minuten lief und damit eine neue persönliche Bestzeit aufstellte, bevor er in die spezifische Langdistanzvorbereitung startete. 

4:06:16 Stunden mit 314 Watt NP für 180 Kilometer und Marathon in 2:52:11 Stunden

Gestern, am 14. Juni, startete der Schwede in einem selbstorganisierten Rennen, das er allein bestritt, über die Langdistanz. Mit Support und zusätzlicher Streckenvermessung im Boot beim Schwimmen, im Auto beim Radfahren und auf dem Rad beim Laufen, trat Svenningsson am Morgen wortwörtlich bei „seiner“ Sommerlangdistanz an. Sein Team baute ihm beide Wechselzonen und zahlreiche Verpflegungsstationen auf, um damit für möglichst wettkampfnahe Bedingungen zu sorgen. Das Schwimmen absolvierte der Schwede in 54:08 Minuten, wobei das Boot 3.900 Meter für die Strecke maß, Svenningssons Uhr sogar 4.209 Meter.

Nach dem Wechsel in 5:41 Minuten stieg er aufs Rad und startete in seine Paradedisziplin. Er absolviere das Radfahren mit 180,24 Kilometern und 817 Höhenmetern in 4:06:20 Stunden – einem Schnitt von 43,9 Kilometern pro Stunde. Dabei erzielte er eine Durchschnittsleistung von 310 Watt und eine gewichtete Leistung von 314 Watt (NP). Sowohl die Zeit des Radsplits als auch die reine Leistung sind Werte, die zur Weltspitze auf der Langdistanz gehören.

Nach dem Wechsel in 1:05 Minuten startete Svenningsson in die erste von sechs Runden des Marathons. Nachdem er den Halbmarathon in rund 1:20 Stunden absolviert hatte, bekam er es neben den warmen Temperaturen nach 28 Kilometern zusätzlich mit Magenproblemen zu tun und absolvierte die Kilometer 29 bis 33 “nur” mit einem Tempo zwischen 4:30 bis teilweise 5:46 Minuten pro Kilometer. Im Anschluss fing er sich wieder, erhöhte das Tempo und absolvierte den letzten Kilometer im knappen Kampf um die magische Acht-Stunden-Marke sogar noch in 3:39 Minuten. Die 42,2 Kilometer absolvierte er schlussendlich in 2:52:11 Stunden, wobei die selbstgestoppte Zeit seiner Uhr in der Strava-Aktivität bei 2:48:56 Stunden liegt – vermutlich aufgrund einer automatischen Korrektur beim Hochladen.

Ein Ausrufezeichen für die Zukunft

Am Ende des Einzelrennens erreichte Rasmus Svenningsson seine eigene Ziellinie nach einer starken physischen und mentalen Leistung in 7:59:32 Stunden und verbesserte damit seine eigene Langdistanz-Bestzeit von 8:25 Stunden aus dem vergangenen Oktober um mehr als 25 Minuten, wenn auch nur inoffiziell. “Es war ein extrem harter Tag, gerade mit den Magenproblemen im letzten Drittel des Marathons. Aber das Ergebnis belohnt definitiv die ganzen Strapazen im Rennen und auch im Vorfeld über die Monate im Training. Ich habe seit Januar sehr gut trainiert und mein Coach David und ich waren aufgrund der Trainingsergebnisse sehr gespannt, wofür die Form auf der Langdistanz gut ist. Um das herauszufinden, war die einzige Lösung, eine Langdistanz zu machen. Jetzt weiß ich, wo ich stehe und konnte dadurch enorm viel Selbstvertrauen mitnehmen. Die Erholung nutze ich, um mich körperlich und mental von dem harten Trainingsblock und Wettkampf zu erholen, um rechtzeitig wieder einzusteigen, sobald die ‘echten’ Rennen wieder losgehen”, analysiert Svenningsson selbst sein Ergebnis auf Nachfrage von tri-mag.de.

Auch wenn man aus der Ferne nicht beurteilen kann, welchen Faktor beispielsweise das Begleitfahrzeug beim Radfahren gehabt hat, gibt die reine Leistung von Svenningsson Aufschluss darüber, dass seine erzielten Zeiten in den Bereichen liegen, die dafür üblich sind Der Umstand, dass er das ganze Vorhaben komplett ohne Konkurrenten oder anderen Athleten als Begleitung auf der Strecke durchgeführt hat, lässt nicht nur auf weitere Parallelen zu Lionel Sanders abseits des Trainers schließen, sondern außerdem darauf, dass das noch relativ unbekannte Gesicht in der Profiszene unter „echten“ Wettkampfbedingungen vielleicht noch ein paar Prozente zusätzlich herausholen kann. Was das Ergebnis und die Form von Svenningsson im Vergleich wert sind, wird man wohl erst herausfinden, sobald Rennen wieder unter gewohnten Bedingungen stattfinden. Fest steht: Die Triathlonszene darf gespannt sein und wird sich sicherlich darauf freuen. 

Rasmus Svenningssons Wettkampf- und Trainingsergebnisse auf Strava

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