Nach seinem ernüchternden Auftritt beim Ironman Texas stellt Lionel Sanders seinen Trainingsansatz infrage. Der Kanadier spricht offen über fehlende Belastbarkeit, falsche Selbststeuerung und die Konsequenzen, die er nun für den weiteren Verlauf seiner Karriere zieht.
Nach seinem enttäuschenden Ergebnis beim Ironman Texas zieht Lionel Sanders Konsequenzen. Der Kanadier hat nach eigenen Angaben wieder Kontakt zu seinem früheren Coach Mikal Iden aufgenommen und wird künftig erneut mit ihm zusammenarbeiten. Beim Ironman Texas hatte Sanders das Ziel auf Platz 45 erreicht.
In einem ausführlichen Video spricht Sanders, unter anderem zweifacher Ironman-Vizeweltmeister und Sieger von fünf Ironman-Rennen, wie gewohnt offen über die Gründe für diesen Schritt. Der 38-Jährige beschreibt den Auftritt in Texas als Ergebnis einer Entwicklung, die aus seiner Sicht vor allem mit fehlender Vorbereitung, mangelnder Belastungsverträglichkeit und einer zu starken Selbststeuerung zusammenhing. „Nach dem Ironman Texas musste ich mir genau anschauen, was ich da eigentlich mache“, schreibt Sanders sinngemäß in seinem begleitenden Statement.
„Viel versucht, allein zu lösen“
Im Zentrum seiner Analyse steht dabei sein gesamter Trainingsansatz der vergangenen Monate. Sanders räumt ein, dass er versucht habe, viele Dinge allein zu lösen. Gerade das sei aus heutiger Sicht ein Problem gewesen. Er spricht von fehlender „Durability“, also der Fähigkeit, eine hohe Leistung über die volle Ironman-Distanz stabil aufrechtzuerhalten. Die Schwellenleistung allein reiche nicht, wenn die aerobe Grundlage und die Belastbarkeit über viele Stunden nicht vorhanden seien.
Sanders stellt dabei auch frühere Annahmen infrage. In dem Video reflektiert er unter anderem, dass er den Wert von Trainingsumfang unterschätzt habe. Lange Einheiten hätten sich für ihn zeitweise wie Zeitverschwendung angefühlt. Gleichzeitig habe er nach Texas erkennen müssen, dass kontrolliertes Volumen und eine passende Gesamtbelastung entscheidend seien, um auf dem Rad nicht nur Leistung zu erzeugen, sondern anschließend auch noch laufen zu können.
Rückkehr in funktionierendes System
Die Rückkehr zu Mikal Iden, Bruder von Gustav Iden und unter anderem Trainer von Ironman-Weltmeisterin Solveig Løvseth, beschreibt Sanders als bewussten Schritt zurück zu einem System, das für ihn bereits funktioniert habe. Beide hatten in einer früheren Phase zusammengearbeitet, in der Sanders zu seinen stärksten Leistungen auf der Langdistanz fand. Für die Zusammenarbeit mit Iden formuliert Sanders deshalb einen klaren Anspruch: Er wolle offener, disziplinierter und prozessorientierter arbeiten. Dazu gehöre auch, sich im Athlet-Coach-Verhältnis ehrlich mitzuteilen, Zweifel auszusprechen und nicht aus falschem Stolz weiterzumachen.
Sportlich bleibt Sanders vorsichtig. Den Gewinn eines großen Titels bezeichnet er selbst als sehr weit entferntes Ziel. Gleichzeitig sieht er seine Karriere noch nicht als abgeschlossen. Sein Anspruch sei nicht, einen Ironman nur zu „überleben“, sondern wieder ein Rennen von Beginn bis Ende aktiv bestreiten zu können.