Pain Caves:
Susanne (42) verfolgt bescheidene Ziele

Zwei Mal hat Susanne Eisele den Tod vor Augen, dann beginnt sie mit Triathlon. Der Spaß steht im Vordergrund, auch wenn sie sich in ihrem Trainingszimmer manchmal quält. Eine Kletterwand erinnert an eine alte Leidenschaft.

Es klingt nach einem banalen sportlichen Ziel. „Gesund durchs Leben kommen und fit bleiben.“ Wer die Vorgeschichte kennt, weiß die Bedeutung dieses Satzes besser einzuschätzen – und sie hat entfernt mit der Pain Cave von Susanne Eisele zu tun. Den 30 Quadratmeter großen Fitnessraum nämlich hat sie mit ihrem Mann beim Bau vor drei Jahren bewusst im Keller ihres Einfamilienhauses geplant. „Dort halten wir uns ganzjährig drei bis vier Mal pro Woche auf, um Stabi-Übungen und Kraft zu trainieren“, sagt Susanne Eisele.

Lungenembolie überlebt

Das Trainingszimmer soll seinen Teil dazu beitragen, dass beide „gesund durchs Leben kommen und fit bleiben“. Susanne Eisele weiß den Wert dieser insgesamt bescheidenen Wünsche einzuordnen. Die 42-Jährige war früher Leistungssportlerin, betrieb unter anderem Siebenkampf und Badminton. „Mit 23 Jahren hatte ich eine beidseitige Lungenembolie und Glück – mein Arzt hat gesagt, ich habe nur überlebt, weil ich so fit war“, sagt die Baden-Württembergerin: „15 Prozent meiner Lungenkapazität sind durch die Embolien verloren gegangen.“

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Halbmarathon unter zwei Stunden

Das aber hält die Polizistin nicht auf. Sie entdeckt die Langstrecke für sich, auch um sich so fit wie möglich zu halten und „auf alles vorbereitet zu sein“, was noch passieren könnte. „Ich kam sozusagen vom Rollstuhl zum 36-Kilometer-Lauf“, sagt Eisele, deren Halbmarathon-Bestzeit nach eigenen Angaben bei 1:58 Stunde liegt. „Aufgrund der Vorgeschichte war ich auf die Zeit stolz wie Oskar.“

privat

Absturz in den Bergen überlebt

Auch die Berge zogen die passionierte Kletterin früher magisch an. 2009 aber passierte das zweite Schlüsselerlebnis, das sie letztlich genügsam in Bezug auf sportliche Ziele werden ließ. Mit ihrem Mann war sie unterwegs zu einer 4000er-Besteigung. „Dann sind wir 350 Höhenmeter abgestürzt. Wir haben knapp überlebt, durch den glücklichen Umstand, dass mein Mann in eine Gletscherspalte gefallen ist, während ich schon am Abgrund hing“, berichtet Susanne Eisele. Die physischen Verletzungen am Kreuzband und am Schienbeinkopf waren das eine, die psychischen das andere: „Klettern war ab sofort für mich kopftechnisch nicht mehr drin.“

Triathlon über die Sprintdistanz

Eine Alternative musste her: Radfahren und Schwimmen. Es war der Schritt hin zum Triathlon. „Die dritte Disziplin kannte ich ja schon. Von meinem Doc bekam ich aber das Signal, dass ich wegen des Knieschadens kürzer treten sollte“, so Eisele: „ Da ich den Sport erst nach meiner aktiven Leistungssportkarriere angefangen habe, muss ich keinen Bestzeiten hinterherrennen. Es geht darum, das Beste zu geben und Spaß zu haben.“ Aufgrund ihrer Knieverletzung war klar, dass nicht mehr als die Sprintdistanz drin sein würde. Seit vier Jahren startet sie in Hassmersheim beim Holzland-Triathlon. 700 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren und vier Kilometer Laufen in zirka 1:10 Stunde. „Ein super Format, um an seine Grenzen zu gehen, ohne sich quälen zu müssen.“

privat

Abwechslung im Trainingsalltag

Letzteres bleibt derweil in der Pain Cave manchmal nicht aus. Neben den Kraft- und Stabi-Übungen stehen auch Cardio-Einheiten auf dem Laufband und dem Technogym-Stepper an – zumindest im Winter. Dann verschwindet Susanne Eisele für sechs bis zwölf Stunden pro Woche in ihrem Fitnesszimmer. „Im Sommer sind wir mit Bikes und Laufschuhen draußen unterwegs“, sagt die 42-Jährige aus Schwaigern. Die Indoor-Radeinheiten finden auf einem Ergometer statt, mit Blick auf einen Flachbildfernseher mit Soundanlage. „Bei den Ausdauereinheiten schauen wir TV, Prime, oder wir hören Musik und Hörbücher“, erklärt Eisele. Das Equipment ist in Boxen in den Regalen verstaut. Hantelbank mit Gewichten, Gymnastikball, Klimmzugstange und Bosu liefern Abwechslung im Trainingsalltag. Massagerollen dienen zur Regeneration.

Kletterwand erinnert an alte Leidenschaft

Und dann ist da noch die 4×2,5 Meter große Kletterwand, die sich über eine ganze Raumwand erstreckt. „Das ist ein Überbleibsel aus unserer aktiven Kletterzeit. Ich baue die Wand aber für zehn bis 15 Minuten noch immer als Halte- und Griffübungsmöglichkeit in mein Stabi- und Krafttraining ein“, sagt Susanne Eisele. Die Wand eignet sich nebenbei perfekt zum Anbringen von Widerstandsbändern zum Zugseiltraining. Außerdem kräftigt Klettern die Tiefenmuskulatur – für Triathleten ist das nicht unbedingt von Nachteil. Und bei einer maximalen Höhe von 2,5 Metern spielt selbst der Kopf bei Susanne Eisele in diesem Fall noch mit: „Sich an den Griffen im Kreis zu hangeln, macht einfach Spaß.“ Das ist die Hauptsache. Und dient nebenbei der Fitness und Gesundheit.


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