Neoprenanzug AI2 von Tri11 im Test

Eine Saison lang sind wir den Neoprenanzug AI2 von Tri11 geschwommen – im Meer, Fluss und Schwimmbad. Eindrücke aus dem Langzeittest.

Von > | 23. November 2017 | Aus: EQUIPMENT

Der Neoprenanzug AI2 von Tri11 im Test.

Der Neoprenanzug AI2 von Tri11 im Test.

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Zwei Eigenschaften machen einen guten Neoprenanzug aus: Flexibilität und Auftrieb. Zwar glauben viele Triathleten immer noch, dass bei schwächeren Schwimmern der Auftrieb wichtiger ist als die Flexibilität – doch das ist ein Gedankenfehler, der im Wasser wertvolle Sekunden und Minuten kosten kann. Der Grund liegt auf der Hand: Wer eine wenig gut ausgebildete Schwimmtechnik hat, wird umso ineffizienter, je mehr der Neoprenanzug an den neuralgischen Punkten (Schulter- und Achselbereich) die Bewegungsfreiheit einschränkt. Bei der Frage, wie gut ein Neoprenanzug ist, geht es also immer darum, einen perfekten Kompromiss aus Flexibilität und Auftrieb – abgestimmt auf den jeweiligen Schwimmer – zu finden.

Das Modell AI2 vom Direktvertrieb Tri11 aus Hamburg soll diesen perfekten Kompromiss bieten. Hierfür greift der Hersteller auf hochwertige Materialien zurück: Yamamoto 39 und 40. Je höher die Ziffer, desto höher ist die Güte des verwendeten Neoprens des japanischen Herstellers Yamamoto. Das bedeutet aber auch: Je höher die Ziffern, desto teurer wird der Anzug. Für den AI2 müssen Triathleten 599 Euro bezahlen. Dafür bekommen Käufer aber auch viel Neopren: Der Brustbereich ist 4,5 Millimeter dick und auch im Rücken- und den Oberschenkelbereich bietet der Anzug satte 4 Millimeter Neopren. Soviel Neopren am Körper sorgt natürlich für ordentlich Auftrieb – das Gefühl, auf dem Wasser zu liegen, werde viele Triathleten kennen. Beim AI2 ist dieses Gefühl besonders stark ausgeprägt.

Weniger gefallen hat beim ersten Testschwimmen im Schwimmbad – zunächst! – der gummierte Nackenschutz, da sich hier Scheuerstellen bildeten. Doch die Ursache lag nicht beim Material. Nach Rücksprache mit dem Hersteller war das Übel schnell gefunden: Der Klettverschluss wurde nicht ordnungsgemäß verschlossen. Danach trat das Problem nie wieder auf – und auch andere Scheuerstellen blieben aus.

Bis zu 10 Sekunden pro 100 Meter schneller

Ein Blick auf die Schwimmzeiten kann sicherlich trügen – zu viele Tagesfaktoren beeinflussen das Ergebnis, aber zur Einordnung wurde ein Programm (3 x 1.000 m) binnen zwei Wochen dreimal geschwommen. Zunächst ohne, dann zweimal mit Neoprenanzug. Und tatsächlich verringerte sich das Schwimmtempo pro 100 Meter beim ersten Mal um zehn Sekunden (1:34 min pro 100 m), beim zweiten Mal um acht Sekunden (1:36 min pro 100 m). Diese signifikante Verbesserung (die sich bei Wettkämpfen über Mittel- und Langdistanz bestätigte) verblüffte. Die SCS-Nanobeschichtung wird zum geringeren Wasserwiderstand beigetragen haben. Dass ein beschichteter Anzug schneller ist, ist kein Geheimnis.

Im Schulterbereich kommt der AI2 mit 1,6 mm Neoprendicke aus. Dadurch soll der Anzug ausreichend flexibel bleiben. Dieser Eindruck konnte während des gesamten Tests bestätigt werden. Allerdings hätte man sich etwas mehr Flexiblität im Rückenbereich gewünscht. Während der Überwasserphase und beim Eintauchen und Armstreckung unter Wasser hatte man manchmal das Gefühl, dass der Neoprenanzug gegen die Bewegung des Schwimmers arbeitet. Der Grund liegt vermutlich darin, dass der Rücken mit 4 mm Neopren relativ dick ist und der Anzug an dieser Stelle an Flexibilität einbüßt. Für Athleten mit ausgeprägter Streckphase unter Wasser und hohem Ellbogen über Wasser ist das flexiblere Modell "R4D" vielleicht die bessere Wahl.

Ein für Triathleten wichtiges Thema ist neben der Passform auch der Reißverschluss. Nichts ist ärgerlicher, als im Wettkampf beim Ausziehen (oder Anziehen) Probleme zu haben. Der Reißverschluss des AI2 lief beim Schließen von unten nach oben flüssig und schloss stets sauber ab. Auch das Öffnen funktionierte tadellos und war einem schnellen Wechsel kein Hindernis.

Fazit

Das Wichtigste bleibt natürlich die individuelle Passform. Daher sollten Sie jeden Anzug auch immer anprobieren und im Wasser testen. Im gesamten Testzeitraum erwies sich der AI2 im Freiwasser, ob Meer oder Fluss, als zuverlässiger Begleiter. Beim Auftrieb spielt der Anzug in der Spitzenklasse und bietet dennoch im Schulterbereich genügend Flexibilität. Triathleten, die noch mehr Flexiblität wünschen, werden sicherlich beim Modell R4D von Tri11 auch fündig. Besonders gut hat uns die Anmutung der sehr hochwertig verarbeiteten Materialen gefallen und der geringe Verschleiß im Testzeitraum. Kurzum: Der AI2 von Tri11 ist eine klare Empfehlung für Triathleten, die maximalen Auftrieb und ausreichend Flexbilität wünschen – Kompromiss geglückt.