Chris Nikic verpasst Zielschluss – und lernt für Oktober

Getty Images for IRONMAN Chris Nikic im Ziel des Ironman Florida 2020.

„Was für ein Tag. Mit dem Ironman Hawaii ist nicht zu spaßen“, sagte ein erschöpfter Chris Nikic nach seinem Trotzdem-Finish beim Ironman 70.3 Hawaii am Samstag. Der 22-Jährige hatte sich im November in 16:46:09 Stunden in die Herzen der Sportfans weltweit gekämpft, als er als erster Mensch mit Down-Syndrom in Florida einen Ironman mit 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42,195 Kilometern Laufen gefinisht hatte. Seit diesem Tag, der ihm auch den renommierten Laureus Awards für den „Sporting Moment“ des vergangenen Jahres einbrachte, träumt der Amerikaner einen großen Traum: Er möchte nun auch den Ironman auf Hawaii finishen – am 9. Oktober 2021.

Von den Honus nach Hawi – und zurück

Gestern versuchte sich Nikic an der halb so langen Distanz auf Hawaii. Der Ironman 70.3 Hawaii, der auch unter den Spitznamen „Honu“ (hawaiianisch für Meeresschildkröte) firmiert, bildet auf den 90 Radkilometern die nördliche Hälfte der Original-Ironman-Strecke ab. Zuvor wird 1,9 Kilometer in der Poaou Bay vor dem schmucken Hotel Fairmont Orchid geschwommen, anschließend 21 Kilometer auf dem Goldplatz des Ressorts gelaufen.

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„Das Schwimmen war echt hart“, sagt Nikic über die erste Disziplin, die er in 1:00:41 Stunden innerhalb des geforderten Limits absolvierte. Nach einem zehnminütigen ersten Wechsel setzte er sich auf sein Spezialrad, um die Härte der nördlichen Kona-Küste zu spüren zu bekommen: „Der Seitenwind von 60 Kilometern pro Stunde hat mich echt gefordert!“ 4:27:28 Stunden verbrachte Nikic auf dem Weg nach Hawi und zurück, verpasste damit in der Summe den offiziellen Cut-off nach dem Radfahren um sieben Minuten. Doch auch die Veranstalter zeigten Herz und ließen Nikic weiterkämpfen. Der beeilte sich mit einem Sechs-Minuten-Wechsel und nahm den Halbmarathon in Angriff, den er schließlich in 3:26:03 Stunden schaffte.

„Mission accomplished“

9:11:51 Stunden stehen nun für Nikic beim Ironman 70.3 Hawaii zu Buche (Gesamtsieger Justin Riele war 4:12:30 Stunden unterwegs, Frauen-Siegerin Bree Wee 5:06:02 Stunden). Offiziell zählt dieses Ergebnis als DNF („Did not finish“), doch viel mehr als eine Platzierung zählt für den 22-Jährigen hier die Erfahrung: „Ich bin zwar nicht in der vorgeschriebenen Zeit ins Ziel gekommen, aber wir haben gelernt, wie wir uns auf die Weltmeisterschaften im Oktober vorbereiten können“, so Nikic. Daher lautet sein Fazit: „Mission accomplished. Wir haben viel gelernt. Und wir werden schneller und stärker zurückkommen.“

Und zwar am 9. Oktober 2021, wenn die Sportwelt einmal mehr nach Kailua-Kona schauen wird. In Deutschland wird in vielen Wohnzimmern der Livestream laufen, wenn irgendwann nach 2 Uhr am frühen Sonntagmorgen die großen Duelle zwischen Patrick Lange und Jan Frodeno, Sebastian Kienle und Lionel Sanders entschieden werden. Wenn sich eine Stunde später herauskristallisiert, ob Anne Haug ihren Weltmeistertitel verteidigen kann.

Es wird eine kurze Nacht, denn am späten Vormittag in Deutschland laufen die Geräte erneut heiß, wenn Chris Nicik gegen die offizielle Cut-off-Zeit kämpft – um einmal auf dem Alii Drive die magischen Worte aus dem Mund von Streckensprecher Mike Reilly zu hören: „Chris, you are an Ironman!“ Gänsehaut garantiert.

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Frank Wechsel
Frank Wechselhttps://tri-mag.de
Frank Wechsel ist Publisher der Medienmarken SWIM und triathlon. Schon während seines Medizinstudiums gründete er im Oktober 2000 zusammen mit Silke Insel den spomedis-Verlag. Frank Wechsel ist 15-facher Langdistanz-Finisher im Triathlon – 1996 absolvierte er erfolgreich den Ironman auf Hawaii.

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