Daniela Ryf holt sich den vierten WM-Titel

Daniela Ryf gewinnt zum viertel Mal in Folge den Ironman Hawaii. Das Rennen der Rekorde verläuft für die Schweizerin jedoch zuerst alles andere als nach Plan.

Von > | 14. Oktober 2018 | Aus: SZENE

Daniela Ryf fliegt ins Ziel: Mit neuem Streckenrekord holt sich die Schweizerin den vierten Ironman-WM-Titel.

Daniela Ryf fliegt ins Ziel: Mit neuem Streckenrekord holt sich die Schweizerin den vierten Ironman-WM-Titel.

Foto >Nils Flieshardt / spomedis

Als Daniela Ryf nach 8:26:16 Stunden die Ziellinie auf dem Alii Drive in Kailua-Kona überquert hat, lag ein harter Arbeitstag hinter ihr, an dem sich die 31-Jährige nach dem Schwimmen erst einmal zurückkämpfen musste. Es war ein Rennen mit viel Spannung, drei neuen Rekorden, die beim Schwimmen, auf dem Rad und im Gesamtergebnis aufgestellt wurden, und mit einer unglaublich starken Anne Haug, die bei ihrem Debüt auf Hawaii Dritte wurde – mit der besten Laufleistung des Tages.  

Der Wettkampftag begann, wie es eigentlich zu erwarten war: Lucy Charles zeigte bereits auf den ersten Metern im Wasser, wo es beim Schwimmen langging, ließ jedoch überraschenderweise Lauren Brandon deutlich hinter sich. Mit einer Zeit von 48:13 Minuten knackte Charles den 19 Jahre alten Rekord von Jodi Jackson (USA/48:43 Minuten), nachdem sie im vergangenen Jahr nur fünf Sekunden am Schwimmrekord vorbeigeschrammt war. Nach Brandon folgte eine Gruppe um Helle Frederiksen (DEN), Sarah True (USA) und Liz Blatchford (AUS) mit einem Rückstand von rund vier Minuten. Anne Haug zeigte bei ihrem Debüt auf Hawaii eine starke Schwimmleistung und kam nach 54:19 Minuten als Zwölfte in die erste Wechselzone. Die dreifache Ironman-Weltmeisterin Daniela Ryf hatte in der ersten Disziplin wenig Glück. Sie hatte gleich zweimal Kontakt mit Quallen und kam mehr als neun Minuten nach Charles aus dem Wasser. Im Vergleich zum Vorjahr war Ryf mehr als vier Minuten langsamer.

Ryf und Charles knacken den Radrekord

Auf dem Rad sollten sich die Verhältnisse jedoch schnell wieder ändern: Nach 50 Kilometern hatte sich Ryf bereits auf Platz drei vorgekämpft und hatte noch 8:42 Minuten Rückstand auf die Führende. Eine halbe Minute vor Ryf war zu diesem Zeitpunkt noch Sarah Crowley. Damit waren die ersten drei Athletinnen des Vorjahres wieder an der Spitze des Rennens. Für Haug lief es auf den ersten Kilometern ebenfalls gut. Der Rookie konnte sich in die Top 10 vorkämpfen und fuhr in einer größeren Gruppe rund zehn Minuten hinter Charles.

In Hawi, am Wendepunkt nach der Hälfte der Radstrecke, gab es für Charles erstmals wieder Blickkontakt mit ihren engsten Verfolgerinnen. Die junge Britin hatte in dem 1.000-Einwohner-Dorf im Nordwesten von Big Island immer noch rund sieben Minuten Vorsprung auf Ryf und Crowley. Die Lücke zwischen der Britin und der Schweizerin wurde mit anwachsender Kilometerzahl jedoch immer kleiner. Nach 110 Kilometern war Ryf nur noch knapp sechs Minuten hinter der Vorjahreszweiten. Sarah Crowley konnte dem Tempo der dreifachen Hawaii-Siegerin nicht mehr folgen und musste abreißen lassen. Anne Haug befand sich zusammen mit Mareen Hufe in einer 13-köpfigen Verfolgergruppe, die mittlerweile mehr als 14 Minuten Rückstand auf Charles verzeichnen musste.

Keine Chance gegen den Schweizer Express

Im weiteren Verlauf der zweiten Disziplin rollte der Ryf-Express unaufhaltsam weiter über den Queen K. Die 31-jährige Schweizerin machte Meter für Meter gut und verringerte den Vorsprung auf Charles weiter. Nach rund zwei Dritteln der Radstrecke fehlten Ryf nicht einmal mehr fünf Minuten. Bis zum Ende der Radstrecke schmolz der Vorsprung komplett: In der berühmt-berüchtigten Hot Corner, an der die Athleten einige Male während des Wettkampfs vorbeikommen, bog Ryf als Erste rechts ab Richtung Wechselzone. Wie schnell es auf dem Rad abging, zeigen die Splits der beiden Führenden: Daniela Ryf (4:26:07 Stunden) und Lucy Charles (4:38:11 Stunden) unterboten beide den bisher bestehenden Rekord der Agegrouperin Karin Thürig (4:44:20 Stunden) aus dem Jahr 2011. Dahinter musste Sarah Crowley ihrem Tempo auf dem Rad Tribut zollen und wurde noch vor dem zweiten Wechsel von Corinne Abraham eingeholt. Haug und Hufe hielten sich beim Wechsel auf die Laufstrecke weiterhin in den Top 10.

Auf den ersten Kilometern des Marathons zeigte Ryf dann, dass sie das Rennen und ihren Sieg nicht mehr aus der Hand geben wollte. Mit jedem gelaufenen Kilometer baute sie den Vorsprung auf Charles aus. Nach einem Drittel des Marathons betrug ihr Vorsprung bereits rund fünf Minuten. Dahinter kämpfte sich Crowley wieder zurück aufs Podium, hatte aber bereits die beiden Hawaii-Rookies Sarah True und Anne Haug im Nacken. Einige Minuten später wurde Crowley dann von True eingeholt. Auch Haug zog wenige Kilometer weiter an der Australierin vorbei. Ryf lief dann ein einsames Rennen an der Spitze, bei dem sie ihren Vorsprung immer weiter ausbaute und im Ziel nach 8:26:16 Stunden ihren bisherigen Rekord um ganze 20 Minuten unterbot. Lucy Charles kam zehn Minuten nach Ryf am Zielbogen an und unterbot ebenfalls den Streckenrekord von Ryf aus dem Jahr 2016. Den sensationellen dritten Platz sichert sich Anne Haug, die mit einer Laufzeit von 2:55:22 den schnellsten Split des Frauenfeldes ablieferte. Haug zog auf den letzten Kilometern des Marathons noch an Sarah True vorbei, die nach 8:43:42 Stunden ins Ziel kam. Mareen Hufe wurde 13. und somit zweitbeste Deutsche. 

Name

Nation

Gesamt

3.8 km Schwimmen

180 km Rad

42.2 km Laufen

1

Daniela Ryf

SUI

8:26:16

57:26

4:26:07

2:57:05

2

Lucy Charles

GBR

8:36:32

48:13

4:38:11

3:05:50

3

Anne Haug

GER

8:41:57

54:19

4:49:19

2:55:22

4

Sarah True

USA

8:43:42

52:04

4:49:19

2:57:38

5

Mirinda Carfrae

AUS

8:50:44

58:16

4:46:05

3:01:41

6

Sarah Crowley

AUS

8:52:29

54:17

4:43:09

3:10:30

7

Kaisa Sali

FIN

8:54:26

58:21

4:44:32

3:06:06

8

Angela Naeth

CAN

8:57:34

58:27

4:42:26

3:11:13

9

Corinne Abraham

GBR

8:57:54

58:42

4:38:16

3:16:27

10

Linsey Corbin

USA

8:58:57

58:22

4:48:30

3:07:15

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