Gastkommentar eines Veranstalters:
“Das täglich notwendige Brot brauche ich. Daran bin ich selber schuld.”

Martin Lenz ist Veranstalter von Herzblut-Events wie dem “7 Türme Triathlon” in Lübeck. Und unmittelbar von der Corona-Krise betroffen. Einblicke in das Seelenleben eines Machers.

Warum? Darüber denke ich in dieser Zeit nach. Ungläubig, doch mit klarer Sicht auf die Dinge. Warum dann nicht auch mal nackig machen, im Wettkampf trage ich ja auch nur einen dünnen Einteiler. Einen Blick hinter die Kulissen gibt es ja auch nicht alle Tage. Und da ich kein Schuldiger bin, brauche ich auch keine Vergebung. Außer von mir selbst. Mit den Worten von Schmendrick (das letzte Einhorn): „Zauber, tu was du willst!“

Seit 2010 bin ich, Martin Lenz, Triathlet. Begeistert von dem Miteinander. Daraus wuchs mein Herzblut für Veranstaltungen. Beim Hofsee Triathlon, vom Tri-Sport Lübeck e.V. veranstaltet, bin ich seitdem als Vereinsmitglied ehrenamtlich als Helfer dabei gewesen. Ab 2012 ging es mit dem 7 Türme Triathlon in der Hansestadt Lübeck weiter. Immer mehr Aufgaben verteilten sich auf das ganze Jahr. So eine tolle Veranstaltung soll gut geplant sein, denn es gibt Erwartungen. Auch die eigenen. In 2016 schlug mein Herzblut so stark, dass ich mich entschied, meine feste Anstellung zu kündigen und eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann zu starten. In der AK 45 ab in die Berufsschule, man lernt nie aus.

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2018 kam ich mit bestandener Prüfung ins Ziel.

Warum tat ich das? Ich sah meinen eigenen und den Bedarf in Vereinen, die im Ehrenamt über das Jahr hinweg nicht die Kapazitäten haben, notwendige Arbeiten und Aufgaben zu erfüllen, um solche tollen Veranstaltungen zu planen und zu organisieren. Alles kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Alles.

Als Kleinunternehmer bin ich stolz darauf, dass ich durch meinen Teil der Unterstützung dazu beigetragen habe, Veranstaltungen wie den Lübecker Frauenlauf, den City Lauf Lübeck, den Rund um Ratekau, die SWIM 100×100 und natürlich die vereinseigenen Veranstaltungen – den WakenitzMan und 7 Türme Triathlon – mit am Leben erhalten zu haben.

Nun steht die Saison 2020 vor der Tür. Doch die Scharniere quietschen und sind verkantet. Veranstaltungen, bei denen ich mit gezahltem Startgeld selbst gemeldet bin, stehen zur Umsetzung offen. Ich bleibe solidarisch und werde trotz meines nötigen Bedarfs (denn meine einzigen und erfolgsabhängigen Einnahmequellen brechen gerade komplett weg) die geleisteten Startgeldzahlungen nicht zurück fordern. Ich weiß ganz genau, warum!

Es hilft überhaupt nicht, wenn von „hemdsärmeligen“, mit Herzblut geplant und super organisierten Veranstaltungen und deren Veranstaltern gezahltes Startgeld zurückgefordert oder ein Freistart für die nächste Saison erwartet wird. Was in diesem Jahr nicht erfolgt, kann nicht auf nächstes Jahr verschoben werden. Kosten für Veranstaltungen entstehen nicht an dem Tag der Veranstaltung, sondern das ganze Jahr über. So stehen, nur um ein Beispiel zu nennen, aktuell bereits auf der Ausgabenseite beim 7 Türme Triathlon über 20.000 Euro. Und das, obwohl alles Mögliche vorerst auf Warteschleife gestellt ist. Das Geld ist für von Dienstleistern erbrachte Leistungen ausgegeben.

Ich werde weiter leben, doch mein Puls wird sich der Situation anpassen müssen.

Herzblut hin oder her, ich bin Mensch und brauche Luft zum Atmen. Atmet alle mit mir doch einmal durch und denkt dabei an das Gefühl, wie es war (egal welche Leistungen dem vorangingen), als man über die Ziellinie lief.

Diese Erinnerung wird, wenn das Recht statt der Gerechtigkeit siegen wird, nicht mehr oft erneuert werden.

Ich habe nicht nur mein Herzblut gespendet, sondern auch meine gezahlten Startgelder. Für meine Spenden bekomme ich eine Quittung.

Für alles andere bekommt man diese auch.

In sportfreundschaftlichem Sinne
Martin Lenz

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