Sonntag, 30. November 2025

Justus Nieschlag: Wie geht es nach Diagnose weiter?

Die Ursache für sein anhaltendes Problem ist gefunden. Doch wie es für den 33-Jährigen nach soliden T100-Auftritten weitergeht, ist noch unklar – die Entscheidung über die Behandlung steht aus.

Bartlomiej Zborowski/T100 Die Karriere von Nieschlag steht auf der Kippe.

Justus Nieschlag hat öffentlich gemacht, warum er in den vergangenen Monaten auf dem Rad seine gewohnte Leistung nicht abrufen konnte. Ursache ist eine diagnostizierte Kinking-Stenose – eine positionsabhängige Verengung der Arteria femoralis communis, die in Aero-Position die Sauerstoffversorgung der Beine einschränkt (Erklärung siehe Kasten unten).

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Schwierige Saison mit Leistungseinbußen

Die ersten Symptome traten bereits im Frühjahr erneut auf, nachdem Nieschlag sich über den Winter von ähnlichen Problemen weitgehend erholt hatte. Spürbar wurde dies vorwiegend in seinen Ergebnissen bei den Rennen, die in dieser Saison bis jetzt nicht ganz so liefen wie erhofft. Solide Resultate, jedoch konnte Nieschlag seine ganze Stärke nie ausspielen, insbesondere auf dem Rad. Beim Saisonauftakt der T100 in Singapur belegte er den 12. Platz, anschließend folgte ein 16. Platz beim „The Championship“ in Šamorín. Jüngst landete er auf dem 14. Platz beim T100-Rennen in London.

Medizinische Abklärung ohne eindeutige Lösung

Seit Beginn der Beschwerden hat der 33-Jährige zahlreiche Untersuchungen und Gespräche geführt – unter anderem am Olympiastützpunkt Saarbrücken, in der Uniklinik Homburg, im Corox Rehazentrum sowie bei Fachleuten in Deutschland, den Niederlanden und Belgien. Das Ergebnis war eindeutig: beidseitige Kinking-Stenosen im Hüftbereich. Uneinigkeit herrscht jedoch über die Behandlung. Verschiedene Ansätze wurden diskutiert, bislang ohne den entscheidenden Durchbruch. Ein weiteres Treffen in Genk (Belgien) Ende Juli bestätigte die Diagnose, brachte aber ebenfalls keine neuen Therapieoptionen. Damit steht Justus Nieschlag weiterhin vor der schwierigen Entscheidung, welchen Weg er in den kommenden Wochen einschlagen wird.

Der gebürtige Niedersachse sagt zu seiner Situation: „Seit mindestens eineinhalb Jahren verspüre ich eine Reduktion meiner Leistungsfähigkeit auf dem Rad, die sich durch Kraftlosigkeit in beiden Beinen äußert. Bisher war die Ursache unklar, doch in diesem Jahr wurden wir fündig. Die Diagnose lautet Kinking-Stenose der Arteria femoralis communis auf beiden Seiten. Ein Abknicken der Hauptarterie in der Hüfte führt zu einer verminderten Durchblutung der Beine. In den vergangenen Wochen und Monaten habe ich eine Vielzahl an Experten sowohl im Inland als auch im Ausland aufgesucht. Nach vielen schlaflosen Nächten bin ich noch zu keiner endgültigen Entscheidung gekommen, wie es weitergehen soll. Bis dies der Fall ist, werde ich die aktuelle Saison im Rahmen meiner körperlichen und mentalen Möglichkeiten so gut es geht fortsetzen.“

Kinking-Stenose

Die Kinking-Stenose beschreibt ein Abknicken der Oberschenkelarterie (Arteria femoralis), das die Durchblutung der Beine in bestimmten Positionen einschränkt. Für Triathleten ist vor allem die Aero-Position auf dem Zeitfahrrad problematisch – dort kann es zu Leistungsverlust, Kraftlosigkeit und einem „plötzlichen Einbruch“ kommen, obwohl die Fitness stimmt

Diagnose:
Sie erfolgt meist über eine Kombination aus Bildgebung (MRT, Ultraschall) und Belastungstests, bei denen die Durchblutung in unterschiedlichen Sitzpositionen gemessen wird.

Therapieoptionen:
Die Behandlung ist komplex und reicht von konservativen Ansätzen (Physiotherapie, Positionsanpassung) bis hin zu operativen Eingriffen, bei denen das betroffene Gefäß begradigt oder verlagert wird. Einheitliche Empfehlungen gibt es bisher nicht, da die Eingriffe individuell sehr unterschiedlich verlaufen können.

Gleiche Symptome, anderes Krankheitsbild

Wer bei Justus Nieschlags Krankheitsbild sofort an Fenella Langridge denkt, liegt nicht falsch – die britische Profiathletin berichtete über nahezu identische Symptome: abrupter Leistungsabfall und Kraftlosigkeit auf dem Rad. Doch bei ihr wurde eine Endofibrosis diagnostiziert. Gemeinsamkeit der beiden Erkrankungen ist, dass die Durchblutung der Beine während der Belastung eingeschränkt wird. Unterschiedlich sind jedoch die Ursachen: Bei der Kinking-Stenose entsteht das Problem durch ein Abknicken des Gefäßes in bestimmten Sitzpositionen, während die Endofibrosis auf eine Verdickung und strukturelle Veränderung der Gefäßwand zurückgeht. Fenella Langridge wurde im Mai erfolgreich operiert und ist zurück im Training.

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Lars Wichert
Lars Wichert
Lars Wichert ist dreimaliger Weltmeister im Rudern und nahm an den Olympischen Spielen 2012 in London und 2016 in Rio de Janiero teil, bevor er zum Triathlon wechselte. 2021 gewann er sein erstes Rennen beim Ironman Hamburg in 8:12:46 Stunden, der schnellsten jemals erzielten Rookie-Zeit bei den Agegroupern.

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