Montag, 24. Juni 2024

Phänomen Kristian Blummenfelt: Norweger gewinnt die PTO Asian Open

Furioses Finale der PTO-Saison: Mit einer starken Laufleistung siegt Kristian Blummenfelt bei den Asian Open in Singapur – nur zwei Tage nach seinem Start beim Olympia-Test in Paris. Hinter dem Norweger kommt der Belgier Pieter Heemeryck als Zweiter beim 100-Kilometer-Format ins Ziel, Jason West aus den USA komplettiert das Podium. Der Deutsche Mika Noodt ist bei seinem Comeback lange vorn dabei, bricht aber beim Laufen ein.

Es war noch heißer als am Tag zuvor bei den Frauen: „Die Bedingungen waren fast unmenschlich“, sagte Pieter Heemeryck im Ziel. Der Belgier, der bei den PTO Asian Open lange führte, freute sich am Ende über seinen zweiten Platz, war aber auch sichtlich gezeichnet von diesem Rennen.

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Nur Kristian Blummenfelt war an diesem Tag besser, gegen die Laufstärke des Norwegers hatte Heemeryck keine Chance. Blummenfelt ist und bleibt ein Phänomen. Erst am Abend vorher erreichte der 29-Jährige Singapur, kam direkt aus Paris, wo er am Freitag noch den Olympia-Test in Paris bestritt. Nach fünf Stunden Schlaf und „ganz viel Koffein“ stand Blummenfelt beim Abschlussrennen der PTO-Tour in Singapur offenbar topfit an der Startlinie. Aber der Reihe nach.

30,8 Grad – das Wasser in der Marina Bay war fast so warm wie in der Badewanne

30,8 Grad warm war das Wasser der Marina Bay in Singapur – fast schon Badewannentemperatur. Entsprechend vorsichtig gingen die zwanzig Athleten auf die zwei Kilometer lange Strecke. Auch die guten Schwimmer wie Josh Amberger konnten und wollten sich bei diesen Bedingungen nicht frühzeitig verausgaben. Kurios: Beim kurzen Australian Exit forderte der Australier die anderen per Handzeichen auf, doch bitte auch einmal die Führungsarbeit zu übernehmen. Ergebnis: 18 der 20 Starter kamen als nahezu komplettes Feld aus dem Wasser, nur unter anderem Sam Long aus den USA erreichte die Wechselzone vier Minuten später. Der Australier Aaron Royle durfte sich an diesem Tag den Titel „First out of Water“ an den Rennanzug heften.

Tolles Comeback: Mika Noodt fährt 80 Radkilometer vorn mit

Erfreulich aus deutscher Sicht: Auf dem Rad fuhr Mika Noodt von Anfang an vorn mit. Der 22-jährige Deutsche, jüngster Profi im Feld, durfte mit einer Wildcard an den Start. Es war das Comeback nach seinem Wadenbeinbruch. Noodt fuhr nahezu die gesamten 80 Kilometer der technisch anspruchsvollen Radstrecke mit vielen Kurven und Steigungen an den Brücken gemeinsam mit Blummenfelt in der Verfolgung von Pieter Heermeryck. Der Belgier zeigte auf dem Rad keine Schwächen und baute kontinuierlich seine Führung aus. Am Ende ging er mit circa zwei Minuten Vorsprung auf Blummenfelt und Noodt auf die 18 Kilometer lange dritte Disziplin, der Abstand zu Topläufer Jason West betrug 4:30 Minuten.

Zwei hoch gehandelte Athleten stiegen dagegen früh beim Radfahren aus: Sam Laidlow gab schon nach der ersten von acht Runden mit leichten Muskelproblemen auf. Der Vorjahresdritte beim Ironman Hawaii wollte im Hinblick auf die WM in Nizza nichts riskieren, wie er später im Interview sagte. Und für Gustav Iden, den anderen norwegischen Topstar, bleibt 2023 ein schwieriges Jahr: Er stürzte in der dritten Radrunde in einer Kurve, blieb aber von schweren Verletzungen verschont.

Überragende Laufleistung: 7,9 Kilometer vor dem Ziel geht Blummenfelt in Führung

Beim abschließenden Lauf quer durchs Zentrum und die Häuserschluchten von Singapur auf der Strecke mit wechselnden Untergründen bekam Mika Noodt Magenprobleme und wurde nach hinten durchgereicht. Während vorn die Aufholjagd von Kristian Blummenfelt und Jason West begann.

Jason West, der bei den PTO US Open zwei Wochen zuvor mit Platz zwei und einer sensationellen Laufzeit von 56:23 Minuten – knapp fünf Minuten schneller als Jan Frodeno – auf sich aufmerksam machte, lief von Rang sieben aufs Podium. Unter den Singapur-Bedingungen war der Rückstand von viereinhalb Minuten auf die Spitze aber zu groß. Diesmal betrug der Laufsplit des US-Amerikaners 1:01:03 Stunden.

Für den Sieger geht es gleich weiter zur Ironman-70.3-WM

Schneller war nur Kristian Blummenfelt, der 1:00:30 Stunden für die Strecke brauchte. Das spannende Duell gegen Pieter Heemeryck entschied der Ausnahmeläufer 7,9 Kilometer vor dem Ziel, als er in unnachahmlicher Weise vorbeizog, nicht mehr aufzuhalten war und sich die 100.000-Dollar-Prämie für den Sieg sicherte.

Blummenfelt, immer noch amtierender Ironman-70.3-Weltmeister und Olympiasieger sowie Drittplatzierter der Ironman-WM auf Hawaii im Vorjahr, gelang vor den PTO Asian Open im Jahr 2023 tatsächlich noch kein Sieg. Und der Triumph in Singapur war sein erster PTO-Sieg. Im Ziel sagte der Norweger: „Ja, es war nicht einfach, so kurz vorher erst hierherzukommen. Aber ich wollte dieses Rennen nicht verpassen. Und endlich habe ich ein PTO-Rennen gewonnen.“ Sprach es und packte anschließend seine Sachen, um nächste Woche seinen Titel bei der Ironman-70.3-Weltmeisterschaft im finnischen Lahti verteidigen zu wollen …

Florian Angert beendet das Rennen auf Platz 14

Noch erwähnenswert: Der Franzose Denis Chevrot und Sam Long hielten sich lange in den hinteren Regionen des Teilnehmerfelds auf, kämpften sich mit guten Laufleistungen noch auf Platz vier und fünf vor. Für die beiden deutschen Starter reichte es nicht für die Top Ten: Florian Angert beendete das Rennen auf Platz 14, Mika Noodt wurde Zwölfter.

PTO Asian Open | Männer

20. August 2023 | Singapur
PlatzNameLandGesamt2 km Swim80 km Bike18 km Run
1Kristian BlummenfeltNOR3:20:4825:561:52:491:00:30
2Pieter HeemeryckBEL3:22:4726:101:50:041:04:19
3Jason WestUSA3:24:0325:591:55:181:01:03
4Denis ChevrotFRA 3:29:0026:051:57:191:03:43
5Sam LongUSA3:29:1129:371:51:551:05:48
6Daniel BækkegårdDEN3:29:3825:461:53:021:08:14
7Kacper StepniakPOL3:31:1325:571:53:031:10:19
8Aaron RoyleAUS3:31:3425:411:54:131:09:38
9Sam AppletonAUS3:31:4225:431:56:231:07:30
10David McNameeGBR3:33:0926:041:56:301:08:34
12Mika NoodtGER3:39:1625:521:52:391:18:51
14Florian AngertGER3:41:3925:521:55:131:18:33

  

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10 Kommentare

  1. Guten Morgen,
    eine Frage in die Runde. Ist es scheinbar so „einfach“? Gibt es als Profi keine Regenerationszeit, Anpassung etc.? Am Freitag in Paris an einem Olympia-Testevent teilzunehmen, dort als 9. ins Ziel zu kommen.. Am gleichen Tag die Reisestrapazen nach Fernost inkl. mehrstündiger Zeitverschiebung aufzunehmen und anschließend keine Eingewöhnung zu brauchen um ein eher für Sportler „unfreundlichem“ Klima… Um dort, zwei Tage später, die Konkurrenz auf einem etwas längeren Format ziemlich auseinanderzunehmen.. Scheinbar für einen Norweger nicht.

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Christian Wriedt
Christian Wriedt
Schreiben und Bearbeiten von Texten, Verbesserung der internen Abläufe und Erstellung von Abgabeplänen – das ist der tägliche Dreikampf von Christian Wriedt in der triathlon-Redaktion. Der studierte Sportwissenschaftler ist vor allem aufgrund seiner langjährigen journalistischen Erfahrung verpflichtet worden. Dem Triathlon begegnet der gebürtige Hamburger und leidenschaftliche Fußballer mit großer Neugier und noch größerem Respekt.

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