Dienstag, 16. April 2024

„Dass ich hier bin, bedeutet für mich auch, dass ich noch am Leben bin“

Wohl kein Start eines deutschen Profis beim Ironman Hawaii 2019 wird so kontrovers diskutiert wie der von Stefan Schumacher. Auch wir haben im Vorfeld lange darüber gesprochen, ob wir den ehemaligen Radprofi in unsere Liste der Gesprächspartner für unsere Interviews vor dem Rennen mit aufnehmen. Einem Ex-Doper eine Bühne bieten? Oder so tun, als sei er gar nicht dabei? Wir haben uns am Ende dafür entschieden, nicht nur über den ehemaligen Team-Telekom- und Gerolsteiner-Profi zu sprechen, sondern mit ihm – und ihm die Fragen zu stellen, die zu stellen sind. Klar war: Ein solches Interview würde Zeit brauchen. Zwei Tage vor dem Rennen haben wir diese gefunden: Ein wichtiges (und wie wir im Nachhinein meinen: auch richtiges) Gespräch über Radsport und Triathlon, Höhen und Tiefen, Siegesgefühlen und Depressionen, Doping und Kontrollen.

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27 Kommentare

  1. Hallo Triathlon-Redaktion,
    danke, ein gutes und faires Interview! Ich habe jedenfalls meine Meinung zu Schumacher/Doping geändert, weg von der klaren (Vor-)Verurteilung. Ich denke inzwischen, Schumacher ist, so wie er sich gibt und was er sagt, tatsächlich ein Gewinn für die Triathlon-Welt.
    Ich drücke ihm die Daumen, dass er das Schwimmem brauchbar „überlebt“ und mit einer guten Zeit ins Ziel kommt.

  2. „Die Leitungen sind gelegt die Mitochondrien entwickelt…“ Genau! Ist ja schön das er sich im Antidopingkampf engagiert. Nur ist es nicht glaubwürdig, wenn man nur die verordnete Strafe absitzt und keine persönlichen Konsequenzen zieht, wie zum Beispiel keine Wettkämpfe mehr zu bestreiten, weil man die Sportgemeinschaft getäuscht und enttäuscht hat. Das würde von echter Einsicht zeugen. Ich freue mich in dem Fall auf die Interviews mit Vinokurov, Weiss, Hütthaler und anderen einsichtigen Betrügern. Ebenso auf die begeisterte Auflistung der Palmares von Frank das zeugt von schönem Fantum.

    • Tatsächlich ist es nicht selbstverständlich sich eine differenzierte Meinung zu bilden, das sieht man tagtäglich in unserer Gesellschaft. Ne Schublade aufziehen und zumachen ist nun mal leichter. Das Interview gibt einem eine Chance sich ein Bild zu machen und eine Sicht auf einen Menschen im dopingverseuchten Leistungssport zu bekommen. Was man damit macht liegt an jedem und hängt auch von den Fähigkeiten jedes einzelnen ab. Ich finde es sehr interessant und richtig, dass das Interview gemacht wurde und drücke dem Kerl die Daumen!

    • Zu der Zeit, zu der er gedopt hat, hat er doch dadurch nur faire Bedingungen geschaffen. Er ist in ein System reingewachsen das nunmal sehr kaputt war. Naturlich muss er dafür Verantwortung tragen, aber eine lebenslange Sperre? Vielleicht, aber so sicher wie Sie bin ich mir leider nicht.

  3. Ein gutes sachliches Interview, wo auch klar die Thematik Doping diskutiert wurde. Seine Meinung dazu kann und sollte sich jeder selbst bilden. Wichtig ist meines Erchtens aber, dass das Thema nicht totgeschwiegen wird und man allen Seiten die Möglichkeit gibt sich dazu zu äußern. Nur so kann man sich eine umfassende Meinung bilden. Von daher ist es wie in vielen anderen Bereichen im Leben wichtig, in einen konstruktiven und fairen Austausch zu kommen.

    Von daher finde ich die Entscheidung dieses Interview zu führen, genau richtig.

    • Hhhhm, würde mich mal interessieren ob die Leute die hier den Stefan Schumacher so verteufeln ihm zugejubelt hätten wenn er 10. im Zeitfahren bei der DM geworden wäre. Wieviele der „Leidtragenden“ seiner Karriere nicht gedopt haben wäre auch ein interessantes Thema. Umgekehrt kann man auch fragen wie oft er der Leidtragende war. Nur so ein paar Gedanken an die „heiligen Triathleten“ hier. Bei den Christen gibt es einige interessante Geschichte dazu: wer ohne schuld ist werfe den ersten Stein oder dem Hern ist ein reuiger Sünder lieber als etc. . Wenn’s gut läuft lassen einige junge Sportler die Hände vom Doping und damit hat Stefan mehr für den Sport getan, als eine blütenweisse Radfahrikone, die nie erwischt wurde….. P.S. Nein ich kenne Stefan nicht und bin auch nicht wirklich christlich…

  4. Solche Sportler gehören Lebenslang von allen Wettkämpfen aller Sportarten, sogar der örtlichen Dorfrunde, gesperrt. Die Zeitsperren für ein paar Jahre bringen rein gar nichts, was hinlänglich bewiesen ist! Ihr habt euch zu recht über Michael Weiss als Fahnenträger beklagt und bieten dem Stinker Schumacher hier eine Bühne – NOGO!!!

  5. „Dass ich hier bin, bedeutet für mich auch, dass ich noch am Leben bin“ und dafür reist man um die halbe Welt?
    Eine zweite Chance scheint jeder des Doping überführten Athleten als selbstverständlich zu betrachten und mit ein paar Schulbesuchen oder Vorträgen will man sich für einen Sport ohne Doping einsetzten, respektive sich wohl das Gewissen reinwaschen!?!
    Ich freue mich bereits auf das nächste Interview mit Michael Weiss, damit er die Gefühle/Emotionen beschreiben kann, welche er beim tragen der Österreichischen Fahne an der Nationenparade erlebt hat – zu solchen Idolen sollte doch der Triathlonnachwuchs mit voller Bewunderung hochschauen…

  6. S. Schumacher hat in diesem Sport nichts zu suchen! Wenn er schon im verseuchten Radsport keine 2. Chance bekommen hat, dann in diesem Sport schon gar nicht!
    Wenn er Größe hätte und es für sich braucht, hätte er ja als Agegrouper starten und alle Ehrungen/Slots, die er im Zweifel erreicht, ablehnen können. Damit hätte ich leben können, aber so bekommt er von mir weder Respekt noch Erfolgswünsche!

  7. Danke für das gute Interview.
    Eins Vorweg: ich unterstütze in keiner Weise Doping oder andere Dinge, die illegal Wettbewerbsvorteile bringen.
    Ich persönlich finde es furchtbar, dass „nachgewiesene“ Doping“Sünder“ von vielen Menschen so derart beschimpft und herabgewürdigt werden. Diese Sportler haben ebenso hart trainiert wie alle anderen Leistungssportler, keiner von ihnen liegt in der Hängematte, wirft sich etwas ein und ist dann auf gleichem Niveau wie alle anderen Leistungssportler.
    Nicht die Sportler sind an den Pranger zu stellen, sondern das System dahinter. Die Sportler hatten und haben teilweise keine andere Wahl, wenn sie von ihrem „Beruf“ leben wollen, wenn sie bestehen wollen. Sponsoren, Fans, Medien erwarten permanent neue Rekorde und bringen die Sportler ebenso unter Druck. Da geht es nicht mehr um einen Wettkampf bei dem sich Leute miteinander messen und das Podium ausfechten, da zählt manchmal nur noch, ob der Sieger auch einen neuen Streckenrekord aufstellt.
    Ich bin kein Verfechter des Dopens, der Sport muss fair und sauber sein! Auch ich möchte, dass es gerechte Wettkämpfe gibt.
    Ich ärgere mich allein darüber wie man mit diesen Menschen umgeht und dass manche Menschen sich aufspielen, als würde die Welt untergehen weil eben diese Sportler sich weiterhin in dem bewegen wollen, wofür sie ihr Leben lang hart gearbeitet haben. Sport war und ist deren Leben!
    Mich würde interessieren, inwiefern sich tatsächlich ein Doping vor 10 Jahren noch heute positiv auswirkt. Gibt es dazu wissenschaftliche Studien, die das nachweisen?

    Alles Gute für alle Wettkämpfer, Respekt und Achtung für jeden, der sich dieser Herausforderung stellt und einen hoffentlich fairen Wettkampf!

    • Doping ist der größtmögliche Betrug im Sport. Er hat sich 4,5 Jahre Siegprämien, Sponsorengelder/zuwendungen, ein Gehalt erschummelt, welches wohlmöglich einem anderen, sauberen Athleten zugestanden hätte.
      Ja, er muss davon leben, Sport ist sein Leben! Aber der saubere Athlet, der nicht betrügen will, und deswegen eben nicht den Platz im Profi-Team bekommt, die Tour gewinnt und eben nicht seine Familie ernähren kann, bekommt diese Chance nicht! DAS ist der Betrug!
      Natürlich ist das System schuld, 2 Jahre Sperre für 5 Jahre systematischen Betrug stehen in keinem Verhältnis! Und die tatsache, dass heute schon Wald-und-Wiesen-Sportler zur Spritze greifen zeigt, wie wenig abschreckend diese Sperren sind! Das Sporlter-Volk stimmt hier halt mit den Füßen ab, wenn sie diese Menschen anprangern und beleidigen, das System lässt sie ja im Stich. DOPER STINKEN! ALLE! IMMER!

  8. Hmmm,
    Ich bin der Meinung, dass niemand der so eine Vita im Sport hat eine Platform auf dem Niveau bekommen sollte. Er wird ähnlich wie Michi Weiss nie mehr als Profi ernst genommen werden. Das Interview war interessant aber bei den entscheidenden Themen ist er immer ausgewichen. Ich habe nie das Gefühl , dass er die Verantwortung alleine trägt… es war das System, Telekom, Gerolsteiner und die Uni Freiburg…
    Wir haben alle die Verantwortung ob wir etwas nehmen, draften oder betrügen.
    Der Verlierer ist der saubere Athlet.
    Wer einmal lügt dem glaubt man nicht…

    Es war trotzdem Richtig von Frank und seinem Team das Interview zu führen, eben wegen der Ambivalenz.

    Go Sebi go

  9. „Wer frei von Schuld ist werfe den ersten Stein!“ Ich kann diese ganze Doping-Debatte nicht nachvollziehen. Jeder ambitionierte Sportler investiert in jedes noch so kleine Detail um die bestmögliche Performance abzuliefern. Ob bei der Bike-Technik, bei Schuhen, Wetsuit oder der Kleidung, bei der Trainingstechnik, der Umfangstrategie, bei der Standortwahl, beim Mentaltraining oder bei der Ernährung. Überall werden Innovationen gesucht, beforscht und gehypt. Niemand schreit auf wenn ein Bike 10 Watt aerodynamischer ist als das des Gegners. Aber gerade in Punkto Ernährung ist die Grenze von legalem zu illegalem Doping so fließend – das es rein philosophisch (also auf Haltung oder Wahrheitsliebe aufbauend) die ganze Doping Debatte überhaupt nicht mehr nachvollziehbar ist. Wie soll sich ein junger Mensch der maximale Ambitionen verfolgt hier sinnvoll orientieren oder gar tadellos verhalten? Jeder Profisportler supplementiert und achtet akribisch auf Nahrungsmittel und Mengen. Ich bin dafür, dass das Thema Dopingkotrolle aufgegeben bzw. stark dereguliert wird und eine Entkriminalisierung dieser Menschen stattfindet die bereit waren alles inkl. Ihrer Gesundheit dem Sport und der Leistung zu opfern. Jeder Mensch soll die Freiheit haben so weit zu gehen wie er bereit ist. Wieso künstliche Grenzen ziehen und damit immer wieder den Raum für illegale Vorteile aufrecht erhalten oder Anreiz zum „Vorteil“ zu schaffen? Wenn jeder für sich selbst verantwortlich wäre müsste diese kraftraubende und zwitrachtschürende Debatte die dem Sport nichts als schadet endlich nicht mehr geführt werden.

  10. Rainer
    Eine Schande, das er hier eine Bühne bekommt.Frank, du siehst beim Interview nicht sehr gut und selbstsicher aus. Keine konkrete bzw. direkte Frage an Herrn Schumacher bezüglich seiner Konsequenz als Dopingsünder. Er hat nichts aber , aber auch gar nichts mehr an Wettkämpfen zu suchen.

  11. Hat Frederick sein Abo schon gekündigt:-) 🙂
    Wahnsinn wie alle immer ein Moral machen und doper stinken!!! Macht euch lieber Gedanken was im Age Group Feld bei den Quali Athleten los ist! Wer glaubt, dass hier alle sauber sind, lebt in der Traumwelt. Bei den Zeiten würde ich mir eher Gedanken machen!!! Deshalb ziehen viele keine Pro Lizenz und werden deshalb auch nicht kontrolliert! Schumacher stellt sich wenigstens bei den Pros auf und wird somit auch kontrolliert!!!
    Schlimmer wäre es, wenn er als Amateur gestartet wäre. Und alle die hier auf Moral machen, die Hälfte von euch fährt bestimmt im Windschatten um Kraft zu sparen, also seid ihr nicht besser.

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Frank Wechsel
Frank Wechsel
Frank Wechsel ist Herausgeber der Zeitschriften SWIM und triathlon. Schon während seines Medizinstudiums gründete er im Oktober 2000 zusammen mit Silke Insel den spomedis-Verlag. Frank Wechsel ist zehnfacher Langdistanz-Finisher im Triathlon – 1996 absolvierte er erfolgreich den Ironman auf Hawaii.

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