Mittwoch, 28. September 2022
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TrainingPain CavesBei Sebastian (37) herrscht das „echte Leben“

Bei Sebastian (37) herrscht das „echte Leben“

Laufbänder, Schwimmbecken mit Gegenstromanlagen, Liegen mit Recovery Boots, Krafttürme, Flachbildfernseher, Heimkino-Anlagen – die Pain Caves einiger Triathleten lassen keine Wünsche offen. Bei so viel Ablenkung mag der eine oder andere den Fokus auf das Wesentliche verlieren. Bei Sebastian Wollenweber ist das ausgeschlossen. Seine Trainingskammer ist genau das: eine Kammer. Auf dem Dachboden im fünften Stock eines Hamburger Mehrfamilienhauses. Die Ausstattung: spartanisch. „Nach den ganzen Hochglanz-Pain-Caves dachte ich, ich zeige euch mal das echte Leben“, sagt Wollenweber mit einem Augenzwinkern.

Minimale technische Ausstattung

„Das echte Leben“ bedeutet bei dem 37-Jährigen eine Tacx-Flux-Rolle, in die er sein Canyon SLX AL gespannt hat. Zwischen Kinder-Laufrad, Kugelbahn und Kleiderkisten schwitzt der Projektleiter bei Tchibo zwei bis fünf Stunden pro Woche. Die technische Ausstattung ist auf ein Minimum reduziert. „Tacx oder Zwift läuft auf dem Handy, ebenso Musik“, sagt Wollenweber. Ein Lautsprecher steigert die Abspielqualität der Songs, eine Lampe sorgt bei Dunkelheit für das nötigste Licht. Für ein wenig frische Luft sind zwei kleine USB-Ventilatoren vor der Rolle aufgebaut. „Die können natürlich nicht viel, im Sommer stelle ich sie auch direkt auf die Aerobars“, erklärt Wollenweber.

Highlight Ironman Hamburg

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Zum Triathlon gekommen ist der Hamburger 2014. In der Kindheit und Jugend hatte er sich in Leichtathletik, Handball, Volleyball und Tennis versucht. „Ich war nirgends richtig gut“, erinnert sich Wollenweber. Er wechselte zum Laufen und legte so den Grundstein für den Triathlon. 2009 absolvierte er seinen ersten Marathon (3:42 Stunden) in Hamburg. Anschließend lief er mehrere Halbmarathons, ehe ihn damalige Arbeitskollegen zum Dreikampf brachten. Sein erster Wettkampf: der ITU Triathlon in Hamburg 2014. Ein Jahr später folgte in Wiesbaden die erste Mitteldistanz, seit 2016 startet der Projektleiter für das Liga-Team des FC St. Pauli. Sein bisheriges Highlight war der Ironman Hamburg 2019. Neben Startnummern erinnert eine Ironman-Comic-Figur an die besonderen Momente. Dass er die zwölf Stunden Marke um eine Minute verpasst hat – auch das ist eben das echte Leben. „Aber es kratzt mich nicht“, betont der 37-Jährige.

privat

Fokus auf die kurzen Strecken

Der Ausflug zur Langdistanz ist derweil vorerst vorüber. „Der Fokus soll wieder auf den Ligawettkämpfen auf der Sprint- und Olympischen Distanz liegen“, sagt Wollenweber und fügt schmunzelnd an: „Ziel ist es, möglichst schnell zu werden. So habe ich hoffentlich bis Mitte 40 genug Grundgeschwindigkeit, um in der AK65 nochmal eine Langdistanz zu absolvieren und die Kona-Quali zu erreichen.“

privat

Nachbarn von Indoor-Training irritiert

Die Grundschnelligkeit auf dem Rad holt er sich in seiner spartanischen Trainingskammer. Gern hört er dort den aktuellen Triathlon Talk zum Aufwärmen, ehe er einen Gang hochschaltet und mit Musik in seine eigene kleine Trainingswelt abtaucht. Allerdings kann ihn auch dann das „echte Leben“ einholen. So wie vor einiger Zeit, als plötzlich eine Nachbarin vorbeischaute. „Die hat sich extra Verstärkung geholt.“ Laute Musik, Kettengeräusche, schweres Atmen; „die Geräuschkulisse und das, was sie da sah, waren ihr nicht geheuer“, sagt Wollenweber. Die „Verstärkung“ aber konnte schnell aufklären, warum da jemand schwitzend auf einem Rollentrainer saß – sie ist nämlich selbst Triathletin.


Jetzt mitmachen: Zeigt uns eure Pain Caves!

Smarttrainer, Laufband, Hantelstangen: Triathlontraining findet längst nicht mehr nur outdoor statt. Wir möchten zeigen, wir es in den privaten Trainingsräumen im Lande aussieht.

Hier könnt ihr eure Bilder hochladen – die schönstes Pain Caves veröffentlichen wir in einer Bildergalerie.

Bengt Lüdke
Bengt Lüdke
Bengt-Jendrik Lüdke ist Redakteur bei triathlon. Der Sportwissenschaftler volontierte nach seinem Studium bei einem der größten Verlage in Norddeutschland und arbeitete dort vor seinem Wechsel zu spomedis elf Jahre im Sportressort. In seiner Freizeit trifft man ihn in Laufschuhen an der Alster, auf dem Rad an der Elbe – oder sogar manchmal im Schwimmbecken.
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