Renngenehmigungen in Deutschland: DTU-Entscheidung wichtig, aber für Veranstalter nicht rechtlich bindend

Der Ironman Ireland schlug jüngst buchstäblich hohe Wellen. Nach zwei Todesfällen gab der irische Triathlonverband an, seine Genehmigung für das Rennen aufgrund der Bedingungen rechtzeitig vor dem Schwimmstart zurückgezogen zu haben. Das warf die Frage auf: Wie entscheidend ist das Go des nationalen Verbands in Deutschland, um einen Triathlon stattfinden zu lassen? Wir haben mit Matthias Zöll, Generalsekretär der Deutschen Triathlon Union, die Ausgangslage analysiert.

Peter Jacob / spomedis

Nach zwei Todesfällen beim Ironman Ireland entbrannte eine Diskussion. Hat Triathlon Ireland die Genehmigung für das Rennen aufgrund der Bedingungen vor dem Start zurückgezogen? Oder erst Stunden später? Und welche Auswirkungen hat eine solche Verbandsentscheidung überhaupt auf die Durchführung eines Wettkampfs? Für Rennen in Deutschland gibt es eine klare Regelung, was der Entzug der Genehmigung durch den Verband bedeutet.

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Grundsätzlich zeigt es der Veranstaltungskalender auf der Website der Deutschen Triathlon Union (DTU) an: Wettkämpfe, die in dieser Liste aufgeführt sind, haben die offizielle sportrechtliche Genehmigung des nationalen Verbands eingeholt – im Jahr 2023 sind dies allein 456 Wettbewerbe, vom Schwimmwettkampf über Duathlon bis hin zu unterschiedlichen Triathlonformaten. Allerdings: Dabei stellt die sportrechtliche neben der behördlichen Genehmigung durch die zuständigen Ämter nur einen Teil der Genehmigungen dar, um einen Triathlon in Deutschland zu veranstalten. „Bei kleineren Wettkämpfen mit einer überschaubaren Teilnehmerzahl bieten unsere Regularien mitunter eher eine Richtschnur für die Organisatoren im Planungsprozess. Bei größeren Veranstaltungen sind unsere Technischen Delegierten aber integral in die Veranstaltungsplanung einbezogen“, sagt Matthias Zöll, Generalsekretär des nationalen Verbands. „In jedem Fall ist eine offizielle Genehmigung durch die Verbände aber ein Prädikat, an dem sich die Athleten im Sinne der Gewährleistung einer gewissen Veranstaltungsqualität orientieren können.“

Einheitlicher Standard durch DTU-Genehmigung

Für diesen Mehrwert müssen sich die Veranstalter aber an den Kosten des Verbandsystems beteiligen. Um in das Lizenzierungssystem der DTU aufgenommen zu werden, wird beispielsweise für eine Langdistanz pro Athlet etwa ein Beitrag von fünf Euro fällig, bei einer olympischen Distanz betragen die Kosten pro Teilnehmer ein bis zwei Euro, je nach Landesverband. Meist sind diese Gebühren bereits im Startgeld eingepreist und werden so vom Ausrichter an die Athleten weitergeleitet. Es lohne sich allerdings, so Zöll: „Jeder Teilnehmer hat dadurch die Gewissheit, dass er bei den Wettkämpfen Sicherheit beziehungsweise Fairness erwarten und er oder sie sich auf ein in diesen Rennen einheitliches Regelwerk berufen kann. Es gibt also einen einheitlichen Standard bei den durch die Landesverbände genehmigten Veranstaltungen.“

Sportliche Expertise ist wichtiger Baustein

Wie bereits erwähnt gilt für Organisatoren in Deutschland, dass sie zumindest zwei wesentliche Voraussetzungen schaffen müssen, um einen Triathlon veranstalten zu können. Die Grundlage: Sie müssen eine behördliche Genehmigung zur Durchführung des Events beziehungsweise die Nutzung des öffentlichen Raumes beantragen und erhalten. Dabei geht es unter anderem um Sicherheitsaspekte und eine geeignete und abgestimmte Streckenplanung. Die andere Voraussetzung: Die Organisatoren benötigen eine sportrechtliche Genehmigung. „Die Expertise, die im Zuge der sportlichen Genehmigung in die Planung einfließt, ist ein wichtiger Baustein in Deutschland“, betont Matthias Zöll. Die Genehmigung erteilt die DTU beziehungsweise der entsprechende Landesverband. Während des Events wird dann durch die Verbände das Wettkampfgericht unter der Leitung eines Einsatzleiters mit seinen Wettkampfrichtern gestellt.

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Bengt Lüdke
Bengt Lüdke
Bengt-Jendrik Lüdke ist Redakteur bei triathlon. Der Sportwissenschaftler volontierte nach seinem Studium bei einem der größten Verlage in Norddeutschland und arbeitete dort vor seinem Wechsel zu spomedis elf Jahre im Sportressort. In seiner Freizeit trifft man ihn in Laufschuhen an der Alster, auf dem Rad an der Elbe – oder sogar manchmal im Schwimmbecken.

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