„Der Knappenman findet statt.“ Harald Skopi stellt derzeit seinen unerschütterlichen Optimismus zur Schau. Am Wochenende des 29. und 30. August wird das Rennen am Dreiweiberner See in der Gemeinde Lohsa (Sachsen) – so der aktuelle Stand der Dinge – zumindest wie zeitlich geplant über die Bühne gehen. Dafür allerdings mit abgespecktem Rahmenprogramm, wie Veranstaltungsleiter Skopi erklärt. Und mit angepassten Maßnahmen zur Einhaltung der dann geltenden Hygienebestimmungen. Im Rahmen des 32. Knappenman sollen an zwei Tagen Wettkämpfe von der Volks- bis zur Langdistanz stattfinden. „Der Knappenman XXL wird dann nach den vielen Absagen die erste Langdistanz in Deutschland sein, die dieses Jahr stattfinden wird“, betont Skopi.
Flexible Anpassung des Hygienekonzeptes
Die Organisatoren haben sich lange Gedanken darüber gemacht, wie ihr Triathlon-Wochenende aussehen wird. „Wir haben in Anlehnung an die Handlungsempfehlungen der Deutschen Triathlon Union und des Sächsischen Triathlon Verbandes ein Hygienekonzept erstellt, das wir immer wieder aktuell an die dann vorherrschenden Bedingungen anpassen werden“, erklärt Skopi. „Sollten die Behörden kurz vor dem Wettkampf etwas bemängeln und uns die Veranstaltung untersagen wollen, werden wir dahingehend sofort nachbessern. Wir werden unsere Wettkämpfe durchführen.“
„Keine rechtsverbindlichen Auskünfte“
Zwar sind die Knappenman-Organisatoren seit November vergangenen Jahres im Besitz der Veranstaltungsgenehmigung durch die DTU, doch noch kann niemand vorhersagen, wie die Lage sich bis Ende August entwickeln wird. „Jeder Veranstalter, der derzeit bei den Behörden anfragt, bekommt im Grunde nicht viel mehr als ein Achselzucken, keiner kann eine rechtsverbindliche Auskunft geben. Wir sind aber mit dem Gesundheits- und dem Ordnungsamt in Verbindung“, sagt Skopi.
Unterdessen heißt es aus dem Landratsamt Bautzen, dem Kreis, in dem Lohsa liegt, dass ein Hygienekonzept des Veranstalters beim Gesundheitsamt noch nicht vorliegt. Skopi und sein Team haben aber ohnehin noch Zeit. Nach dem 30. Juni gelten im Zuge der Lockerungsmaßnahmen im Freistaat Sachsen möglicherweise wieder neue Bestimmungen, an die die Veranstalter ihre Maßnahmen anpassen werden. „Wir können in Bezug auf August noch nichts sagen“, erklärt Sabine Rötschke, Pressesprecherin des Landratsamts.
Fünf Wettkämpfe an zwei Tagen
Skopi ist überzeugt davon, dass der 32. Knappenman im Lausitzer Seenland stattfinden wird. „Wir bleiben an unseren beiden Wettkampftagen jeweils deutlich unter einer Großveranstaltung, die ja mit 1.000 Teilnehmern definiert wird“, sagt der Organisator. Insgesamt würden zwar 1.300 Starter in die Rennen gehen, die aber sind auf zwei Tage verteilt: Am Samstag geht es für insgesamt 650 Athleten über die Lang- und Mitteldistanz, am Sonntag für die gleiche Anzahl über die Volks-, Sprint-, und olympische Distanz.
Organisatoren bauen auf Vernunft
Das Konzept der Veranstalter fußt auch auf die Einsicht und Vernunft der Triathleten und Besucher, die diesen Wettkampf erleben wollen. „Die Sportler sollten am besten allein kommen, also ohne Partner oder Kinder. Die Zuschauer sollten nicht auf das Eventgelände strömen, sondern sich weitläufig an der Rennstrecke verteilen, die sich zwischen dem Dreiweiberner See und dem Scheibesee befindet“, betont Skopi. „Wir werden das Veranstaltungsgelände auch nicht zum Zuschauermagneten ausbauen, um das zu verhindern.“ Die Ausstellungsfläche bleibt daher vergleichsweise klein. „Wir werden einen Radservice anbieten, weil wir wissen, dass der häufig von Athleten in Anspruch genommen wird. Es wird auch einen Laden geben, der Sportklamotten verkauft. Schließlich kann es immer sein, dass Teilnehmer Startnummernbänder, Trinkflaschen oder ähnliches brauchen, weil sie es vergessen haben oder etwas kaputt gegangen ist. Eisstände oder dergleichen wird es aber nicht geben.“

Längere Check-in-Zeiten, größere Wechselzone
Einschränkungen dürfte es bei der Startnummernausgabe geben. Um die derzeitigen Abstandsregeln einzuhalten, dürfen die Athleten nur einzeln eintreten, um sich an einem der sechs Anmeldetische ihre Unterlagen abzuholen und durch ein Einbahnstraßensystem wieder hinausgeleitet zu werden. Wer einmal beim Triathlon war, weiß, wie lang die Schlangen am Check-in werden können, angesichts der zeitlichen Grenzen. „Wir werden unsere Check-in-Zeiten verlängern, soweit es geht, um das Feld dort schon zu entzerren“, verspricht Harald Skopi. Die Wechselzone werde dreimal so groß sein, wie es in den vergangenen Jahren der Fall war. „Unser Areal dürfte in etwa 70 mal 30 Meter groß sein – und wir werden die gesamte Fläche ausnutzen, um die 1,5 Meter Mindestabstand zu gewährleisten“, sagt Skopi.
Rollender Start am breiten Strand
Der Start wird dann nicht im Pulk erfolgen, sondern als rollender Start. Derzeit gehen die Überlegungen dahin, dass alle zehn Sekunden zehn Starter nebeneinander in den Dreiweiberner See dürfen. „Wir können die Methoden aber auch noch anpassen, je nachdem, wie es zeitlich passt“, erklärt Skopi. Genug Platz sei vorhanden. Auf den sonst üblichen Landgang auf der Langdistanz wird verzichtet, der Wendepunkt wird sich im Wasser befinden. „Start und Ziel ist der 150 Meter breite Badestrand. Dort dürfte der Abstand eingehalten werden, selbst wenn mehrere Athleten gleichzeitig aus dem Wasser steigen.“ Der Eingang in die Wechselzone kanalisiere das Feld zwar, aber auch dort sei mit 15 Metern Breite ausreichend Abstand gewährleistet.
Für die Staffeln verzichten die Organisatoren in diesem Jahr auf eine große Staffelwechselzone, in der es drunter und drüber gehen kann. „Stattdessen halten wir uns an die Handlungsempfehlung der DTU. Der Wechsel vom Rad zum Laufen findet direkt am Fahrrad statt“, so Skopi.
Versorgung an Bushaltestellen
Als Versorgungspunkte dienen auf der Radstrecke die Buchten von Bushaltestellen. „Wer sich versorgen will, muss dort anhalten. Fahrend auf dem Rad wird nichts angereicht“, erklärt Skopi.
Auf der Laufstrecke wird es auf der Langdistanz statt bisher alle 2,5 Kilometer nur alle fünf Kilometer eine Versorgungsstation geben. „So garantieren wir weniger Kontakt zwischen Helfern und Athleten. Denen wird auf Wunsch Verpflegung durch eine Art Grillzange gereicht, damit kein direkter Körperkontakt stattfindet“, verdeutlicht der Organisationsleiter.
Finisher müssen Medaillen selbst holen
Im Ziel wartet die nächste große Herausforderung, Massenaufläufe zu verhindern. Die Athleten müssen sich ihre Medaillen selbst von einem Ständer nehmen. Jeder Finisher bekommt davor von Helfern die Hände desinfiziert. Anschießend sind die Veranstalter erneut auf die Vernunft und Einsicht der Athleten angewiesen. „Im Zielbereich wird es zwar keine Massagen aber die Möglichkeit der Versorgung geben, aber wir appellieren an die Teilnehmer, sich dort nicht lange aufzuhalten“, betont Skopi, der vermutet: „Wir werden mit Sicherheit im Fokus des Gesundheitsamts stehen. Für uns ist es wichtig, dass wir die Möglichkeiten schaffen, dass die Handlungsempfehlungen der DTU umgesetzt werden können. Was die Athleten daraus machen, liegt nicht komplett in unseren Händen.“
Kinder- und Jugendwettkämpfe fallen aus
Skopi weiß, dass das beste Konzept nur so gut ist, wie das schwächste Glied. Auch andere Veranstalter waren sich schon sicher, dass ihr Triathlon stattfinden würde. So wie die Organisatoren des O-See-Triathlon in Uelzen (Niedersachsen). Dort war ein Hygienekonzept aufgestellt und alles in die Wege geleitet, bis der Landkreis das Rennen um den Oldenstädter See, das am 28. Juni stattfinden sollte, doch noch für nicht durchführbar hielt, da es sich beim Gewässer und die umliegenden Strecken nicht um eine Sportanlage im Sinne der niedersächsischen Verordnung handele. Somit gelten die allgemeinen Verhaltensregeln im öffentlichen Raum. In dieser Hinsicht allerdings atmet Skopi auf. „Der Dreiweiberner See ist direkt als Badesee und Wassersportrevier freigegeben“, betont er und hält doch noch eine negative Nachricht bereit: Die Kinder- und Jugendwettkämpfe finden nicht statt. „Die mussten wir aufgrund der Corona-Pandemie leider absagen.“ Das wäre am Ende doch zu viel des Guten gewesen.