Von der Fitnessstudiobetreiberin zur Renndirektorin und in die Hall of Fame des Triathlons: Valerie Silk machte Ironman groß. Und sorgte dafür, dass die Langdistanz ins fränkische Roth kam. Nun ist die Pionierin aus den USA im Alter von 74 Jahren verstorben.

Ihr Nachname Silk heißt übersetzt Seide – und passt damit eigentlich gar nicht so richtig zu den harten Eisenmännern. Und doch hat Valerie Silk entscheidend zum Aufstieg des Triathlonsports und der Marke Ironman sowie zum Mythos Hawaii beigetragen.
Im Alter von 29 Jahren übernimmt Silk die Rennleitung des Ironman Hawaii
Im Jahr 1980 übernahmen Valerie Silk und ihr damaliger Ehemann Hank Grundman von den Ironman-Mitbegründern John und Judy Collins die Rechte und die Organisation der in den Kinderschuhen steckenden Triathlonveranstaltung auf Hawaii. Silk und Grundman waren Fitnessstudiobetreiber in Honolulu und hatten mit Ausdauersport nichts zu tun. Aber die damals 29-Jährige erkannte das Potenzial, das in diesem Event steckte.
Sie überließ ihrem Mann die Arbeit im Fitnessstudio, übernahm die Rennleitung für den Ironman Hawaii und traf eine folgenschwere Entscheidung: Silk verlegte die Heimat des Rennens 1981 von Honolulu auf Oahu nach Kailua-Kona auf Big Island. Damit begann der unaufhaltsame Aufstieg des Triathlons, der insbesondere durch das 1982 im TV übertragene und legendäre „Krabbel-Finish“ auf allen Vieren von Julie Moss befeuert wurde. Erstmals überstieg die Teilnehmerzahl die 1.000er-Marke. Ein Jahr vorher ließ Valerie Silk die Marke Ironman eintragen und schützen, samt M-Dot-Logo, das sie 1982 für angeblich 75 US-Dollar entwerfen ließ.
„Mutter des Triathlons“ setzt Meilenstein für die Gleichberechtigung im Sport
Silk stieg zur „Mutter des Triathlons“ auf, unter ihrer Führung wurde ab 1986 bei der Ironman-WM ein Preisgeld von 100.000 US-Dollar ausgeschüttet. Dass dabei weibliche und männliche Profis die identische Summe erhielten, darf als Meilenstein der Gleichberechtigung im Sport bezeichnet werden.
Und auch für den deutschen Triathlonsport hat die Pionierin eine große Bedeutung gehabt: Als sich Valerie Silk 1987 auf Einladung der Organisatoren ein Rennen in Roth anschaute, war sie begeistert – und vergab an das Veranstalterteam im Frankenland die erste Ironman-Lizenz für Europa. Im Jahr 1988 fand in Roth erstmals eine Langdistanz auf deutschem Boden statt, der Ironman Europe. Wie es mit diesem Event weiterging, der heutigen Challenge Roth, ist bekannt.
Valerie Silk kassiert drei Millionen US-Dollar für die Marke Ironman
1989 verkaufte Silk dann schließlich das Unternehmen Ironman für rund drei Millionen US-Dollar an die World Triathlon Corporation, aus der später die Ironman Group wurde, bis heute Eigentümerin der Marke, die weltweit Rennen und Lizenznehmer betreut.
Valerie Silk, die 1999 in die Hall of Fame von Ironman und 2010 in die Hall of Fame des US-Triathlonverbands aufgenommen wurde, verstarb am vergangenen Sonntag (7.9.) im Alter von 74 Jahren.
„Die Vision des Ironman, wie wir ihn heute kennen“
Ironman schrieb auf seinem Instagram-Account: „Wir sind zufiefst betrübt über den Tod von Valerie Silk, einer wahren Pionierin des Ironman und des Triathlonsports. Ihre Vision und Leidenschaft legten den Grundstein für den Ironman, wie wir ihn heute kennen, und inspirierten Generationen von Sportlern auf der ganzen Welt. Ihr Vermächtnis wird bei jedem Zieleinlauf weiterleben.“









