Brownlees Neoprenanzug von Huub im Test

Das Spitzenmodell "Brownlee Agilis" von Huub wird von den Brownlee-Brüdern geschwommen und ist in Zusammenarbeit mit ihnen entwickelt worden. Wir haben den Neoprenanzug getestet.

Von > | 31. Juli 2018 | Aus: EQUIPMENT

Der Neoprenanzug der Brownlee-Brüder Jonathan und Alistair.

Der Neoprenanzug der Brownlee-Brüder Jonathan und Alistair.

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Neo-Spezialist Huub habe zwei Jahre lang das neue Spitzenmodell – "Brownlee Agilis Triathlon Wetsuit" genannt – zusammen mit den beiden Triathlon-Olympioniken Alistair und Jonathan Brownlee entwickelt. In Deutschland ist der Neoprenhersteller aus England noch relativ unbekannt. Zwei Aspekte standen bei der Zusammenarbeit im Fokus: Einerseits einen Neoprenanzug zu designen, der maximale Bewegungsfreiheit für einen sauberen Kraulzug bietet, und gleichzeitig maximalen Auftrieb für Hüfte und Beine generiert. Für gute Schwimmer ist dieser Kompromiss der Königsweg – für viele Agegrouper mit schlechter Wasserlage mag der Auftrieb eher das entscheidende Kaufkriterium sein. Die wichtige Frage, mit der wir uns beim Testschwimmen in den See gingen, war daher: Ist dieser Neoprenanzug nur was für Weltklasse-Athleten wie die Brownlee-Brüder oder auch für den herkömmlichen Triathleten geeignet?

Verarbeitung und erster Eindruck

Beim Neo zählt besonders der erste Eindruck, kommen wir daher zur Verarbeitung. Wie sind die kritischen Stellen verklebt? Unser Testmodell ist sehr sauber und professionell verarbeitet. Das Neoprenmaterial, das von Huub selbst entwickelt wird, macht einen sehr robusten und widerstandsfähigen Eindruck. Die Abschlüsse sind makellos gearbeitet und der Reißverschluss läuft sauber dem Rücken entlang. Die Robustheit des Materials sollte man beim Neo-Kauf nicht vernachlässigen: Nichts ist ärgerlicher als Risse im Neopren bei einem der teureren Anschaffungsgegenstände im Triathlon. Das patentierte, sogenannte "+43"-Material soll laut Hersteller 43 Prozent mehr Auftrieb als herkömmliches Neopren bieten. Dazu gleich mehr. Was wir aber sicher sagen können: Das Huub-Material macht einen hochwertigen und widerstandsfähigen Eindruck durch die entsprechende Materialzusammensetzung.

Praxistest

Das Brownlee-Modell besteht zu 80 Prozent aus Neopren, weiterer Hauptbestandteil sind zu 15 Prozent Polymide. Dadurch könnte der Neo dem einen oder anderen etwas "hart" oder "zäh" vorkommen und weniger weich als etwaige Vergleichsmodelle. Beim Anziehen sollte man daher etwas Zeit und Energie mitbringen, da sich das Material nicht stark stretchen lässt. Unser Tester (1,85 m, 66 kg) entschied sich für die Größe SMT, die sich laut Hersteller für Athleten mit 173–183 cm und 73–81 kg eignet. Da unser Testschwimmer deutlich unter dem angegebenen Gewicht lag und der Neo dennoch sehr eng anlag, würde man die Huub-Einteilung schon als sportlich bezeichnen. Daher raten wir – wenn die Länge passt – beim Gewicht lieber eine Nummer größer zu greifen. Passform und Bein- sowie Armabschluss waren beim Testschwimmer hervorragend.

Der Reißverschluss ließ sich nicht allein schließen, hierfür wurde Hilfe von Außen benötigt. Der Reißverschluss ist dennoch ein Highlight des Anzugs: Den "Breakaway Zipper" werden Triathleten im Wettkampf zu schätzen wissen. Man klappt die Rückenpartie auf und kann so den Reißverschluss in einer Bewegung aufreißen, ohne dass man umständlich die Reißverschluss-Leine greifen und dann den Verschluss von oben nach unten öffnen muss. Vom Halsbereich – eine kritische Stelle – sind wir total überzeugt: Der Klettverschluss hält sicher und das eingearbeitete Gummi scheuert nicht im im Nacken. Außerdem dichtete der Bereich sehr gut ab und verhinderte eintretendes Wasser.

Das härter gearbeitete Material spürt man während der ersten Kraulzüge im Wasser. Der Neo ist flexibel, aber nicht so flexibel wie man gedacht hätte laut der Herstellerbeschreibung. Dieses Gefühl verschwindet allerdings nach ein paar hundert Metern im Wasser, wenn der Huub erst einmal ein- und weich geschwommen wurde. Dann spielt der Anzug seine Qualitäten aus: Streckung unter Wasser und Durchdrücken gelingen wie von selbst. Des Tests halber wurden auch einige Meter Rücken absolviert – auch hier keine Bewegungseinschränkung. Das Schwimmgefühl ist nahezu vergleichbar mit dem im Becken. Der Auftrieb ist mäßig, aber völlig ausreichend für Schwimmer, die für die 3,8 Kilometer bis zu 1:10 Stunden benötigen. Denn das "+43"-Material bringt  besonders Gesäß und Beine adäquat nach oben. In der Körpermitte hat Huub ein dünneres Material eingesetzt, was der Bewegungsfreiheit zu Gute kommt. Es gibt sicherlich Modelle mit mehr Auftrieb auf dem Markt – auch von Huub selbst. Aber ein Neoprenanzug ist immer ein Kompromiss – und muss zum Schwimmer passen. Nicht umgekehrt.

Fazit

Robuster, qualitativ sehr hochwertiger Neoprenanzug mit moderaten Auftriebseigenschaften. Flexibilität im Arm- und Schulterbereich verdient Bestnoten. Auch gut: Huub bietet das Modell in insgesamt zehn verschiedenen Größen an. Mindestens zwölf Monate Garantie gibt der Hersteller auf seine Neoprenanzüge. Der Preis des getesteten Spitzenmodells liegt bei 599 britischen Pfund, was laut derzeitigem Wechselkurs 672 Euro entspricht.