Schlauchlose Rennradreifen:
So wechseln Sie zu Tubeless-Reifen

Das Fahren ohne Schlauch ist einer der aktuellen Trends im Rennradbereich. Wir haben den Umstieg auf Tubeless-Reifen gemacht und zeigen, worauf es bei der Montage ankommt.

Das Prinzip Tubeless

Im Mountainbike-Sektor sind schlauchlose Reifen schon seit längerem etabliert. Schwalbe war der erste Hersteller, der einen Tubeless-Reifen (Schwalbe Pro One) auch für Rennräder auf den Markt brachte. Seit kurzem haben sich unter anderem Zipp, Specialized und Mavic als große Spieler auf dem Feld der Rennradreifen dazu bekannt, dass sie Tubeless für zukunftsfähig halten und ein eigenes Sortiment auf den Markt gebracht. Auffällig: Continental, einer der wichtigsten Ausrüster im deutschsprachigen Raum, hat noch keine Pläne in Richtung schlauchloses Fahren verkündet.

Das Prinzip ist relativ simpel: Der Reifen wird auf die Felge gespannt, beide müssen ausdrücklich als “tubeless ready” gekennzeichnet sein. Das Ventil wird ins Laufrad gesteckt, welches mit speziellem Felgenband luftdicht verschlossen wird. Der Raum zwischen Reifenmantel und Felge wird nach der Montage ganz normal aufgepumpt. Der Clou ist die Dichtmilch, eine Flüssigkeit, die nach der Montage in den Hohlraum gefüllt wird: Sie verschließt kleine Öffnungen und hält den Reifen dicht.

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Die Vorteile von Tubeless

Die Dichtflüssigkeit soll den Pannenschutz gegenüber herkömmlichen Reifen-Schlauch-Kombinationen erhöhen. Denn wenn ein Loch in den Mantel kommt, verschließt die Dichtmilch dieses sofort. Dies konnten wir in einem Selbstversuch bestätigen. Des Weiteren spart man durch den nicht vorhandenen Schlauch etwas Gewicht am Rad ein. Dadurch, dass keine Reibung zwischen Schlauch und Mantel entsteht, soll sich zudem der Rollwiderstand verringern. Die Hersteller argumentieren weiterhin, dass sich Tubeless-Reifen bei weniger Luftdruck fahren lassen. Dies erhöht Komfort und Grip des Reifen.

Mavic Yksion UST
Hersteller Bei Tubeless-Reifen wie dem neuen Yksion Pro UST von Mavic benötigen Sie keinen Schlauch.

Wir wollten uns von den Vor- und Nachteilen selbst überzeugen und haben Schwalbe, Specialized, Mavic und Zipp gebeten, uns einen alltagstauglichen Tubeless-Reifensatz zu schicken. Schwalbe schickte uns den Pro One (23 mm), Specialized den S-Works Turbo (28 mm); beide zogen wir auf einen Laufradsatz von DT Swiss auf. Mavic und Zipp schickten uns zum Yksion Pro UST (23 mm) beziehungsweisen dem Tangente RT (28 mm) jeweils hauseigene Laufradsätze.

Aufbau und Montage

Abgesehen vom Mavic-Modell, das vormontiert aber ohne Dichtflüssigkeit kam, haben wir alle Reifen selbst aufgezogen. Sie können die Umrüstung natürlich auch der Werkstatt Ihres Vertrauens überlassen. Wir empfanden die Reifenmontage als relativ einfach, wer selbst einen Schlauch wechseln kann, sollte auch die Tubeless-Konvertierung hinbekommen. Dafür benötigt man allerdings eine leistungsfähige Pumpe und etwas Zubehör.

Wenn Sie auf Tubeless-Reifen umsteigen möchten, benötigen Sie:

  • einen Satz Reifen
  • kompatible Laufräder
  • Tubeless-Ventile

Wenn Sie die Montage selbst vornehmen möchten, benötigen Sie zusätzlich: 

  • Tubeless-Felgenband
  • Dichtflüssigkeit
  • ggf. Montagefluid
  • leistungsfähige Standpumpe, Kompressor oder Tire-Booster von Schwalbe
  • ggf. Reifenheber
  • ggf. Putztuch
  • ggf. Radständer o.Ä., um das Laufrad zu halten
Tubeless-Dichtmilch
Julius Herrmann / spomedis Die Dichtmilch kann entweder über das Tubeless-Ventil oder vor der Montage in den Mantel gefüllt werden.

Bis es knallt

Wir haben zunächst die Zipp-Reifen aufgezogen, deren Video-Anleitung erwies sich dabei als äußerst hilfreich. Die Reifen konnte man ohne Reifenheber auf die Felge ziehen (Laufrichtung beachten). Bevor wir den Reifen komplett aufgezogen haben, ließen wir die Dichtmilch (30 ml) hinein. Dies hat den Vorteil, dass man die Flüssigkeit nicht mit einem Trichter ins Ventil füllen muss. Generell gilt, man sollte mit Dichtmilch nur über einem Untergrund hantieren, den man leicht reinigen kann, und stets einen Lappen bereithalten, um überschüssige Flüssigkeit aufzuwischen.

Tubeless-Reifen müssen unter hohem Druck in die Felge einrasten und sie dadurch verschließen. Dafür benötigt man eine starke Pumpe. Wir haben den Tire-Booster von Schwalbe verwendet, der genau für diesen Arbeitsschritt gemacht ist. Es handelt sich um eine Druckluft-Flasche, die mit einer Radpumpe „aufgeladen“ werden kann. Dann entlädt man die Luft (7 bis 8 bar) schnell in den Reifen, der unter einem hörbaren Geräusch einrastet. Diesen Schritt mussten wir beim ersten Mal wiederholen, da im Tire-Booster zu wenig Druck war. Beim zweiten Mal knackte es hörbar und der Reifen saß sicher in der Felge. Anschließend kann der Reifen auf den empfohlenen Druck aufgepumpt werden. Die Dichtmilch sollte durch händische Bewegung oder mit einer kurzen Fahrt im Reifen gleichmäßig verteilt werden.

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Die Montage der Reifen von Schwalbe und Specialized gestaltete sich ähnlich. Die Reifen Schwalbe Pro One waren etwas schwieriger auf das Laufrad von DT Swiss zu ziehen. Schwalbe empfiehlt, Reifenheber nur sehr sparsam zu verwenden und bietet zusätzlich eine Flüssigkeit (Montagefluid) an, mit der die Reifen leichter in die Fassung der Felge rutschen. Die Flüssigkeit verflüchtigt sich nach kurzer Zeit wieder und hinterlässt keine Rückstände.

Das Fazit zur Tubeless-Montage

Zu Beginn haben wir uns noch sehr an die Anweisungen der Hersteller gehalten. Wenn man erst einmal weiß, was zu tun ist, geht die Montage relativ schnell von der Hand, für die Umrüstung eines Laufradsatzes benötigen Sie mit etwas Vorwissen eine halbe Stunde. Wer allerdings keine Lust auf das Risiko auslaufender Dichtmilch oder die Anschaffung eines Druckluftkompressors hat, sollte die Arbeit in einer Werkstatt erledigen lassen.

Übrigens: Da wir für unseren Test auch Tubeless-Reifen demontieren mussten, empfehlen wir die Dusche oder Badewanne als geeigneten Ort, an dem herumspritzende Flüssigkeit nur minimalen Schaden anrichten kann.

Schwalbe Tire Booster
Hersteller Der Tire Booster von Schwalbe sorgt für den nötigen Luftdruck bei der Tubeless-Montage.

Dichtmilch im Härtetest

Bei unserer ersten Testfahrt (Zipp-Reifen) fiel sofort der erhöhte Komfort auf, dank des Drucks von ca. 6 bar auf 28-mm-Reifen machten sich kleine Steinchen, Bordsteinkanten und unebener Untergrund wenig bemerkbar. Gefühlt war der Rollwiderstand dadurch nicht geringer, dies lässt sich jedoch subjektiv nicht erfassen. Als wir nach den ersten hundert Kilometern noch keine Reifenpanne hatten, wurden wir neugierig und haben nachgeholfen: Gut gefiel uns, wie lange es gedauert hat, die Zipp-Reifen mit einem Küchenmesser und Handkraft zu durchstechen.

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Mit der Luft entweicht zischend auch ein bisschen Flüssigkeit, doch schon nach kurzer Zeit ist es wieder still und das Loch ist verschlossen. Ein erster Test, der Hoffnung für viele pannenfreie Kilometer im Dauertest macht.

Wie sind die Fahreigenschaften von Tubeless-Reifen im Dauertest? Lohnt sich der Umstieg zu schlauchlos? Den Praxis-Check lesen Sie im zweiten Teil unserer Übersicht zum Thema Tubeless.

Weiterführende Links Zur Übersichtsseite von Schwalbe Montage-Anleitung von Zipp

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