Zwei Monate nach Börsengang:
Profiathleten wollen Ironman kaufen

Eine Gruppe von Sportlern will der Wanda Sports Group die Ironman-Rechte abkaufen. Die “Professional Triathletes Organisation” (PTO) möchte damit mehr Selbstbestimmung in den Sport bringen – und Erlöse neu verteilen.

Zwei Monate nach dem Börsengang der chinesischen Wanda Sports Group, der die Marke Ironman gehört, rumpelt es gewaltig im Triathlonzirkus: Knapp drei Wochen vor der 43. Austragung des Ironman Hawaii hat die “Professional Triathletes Organisation” (PTO) heute angekündigt, dass sie die Ironman-Rechte aus der Wanda Sports Group herauskaufen möchte.

Athleten schicken Schreiben an Wanda und Ironman

Vor der Eröffnung der US-Finanzmärkte am Montagmorgen hat die PTO eine Erklärung herausgegeben, in der sie verkündete, dass sie ein entsprechendes Schreiben an das Board auf Directors der in Peking ansässigen Wanda Sports Group versandt habe. Eine Kopie des Schreibens wurde an Ironman-CEO Andrew Messick in Florida gerichtet. Das Schreiben, das neben einer Reihe weiterer Dokumente der Redaktion vorliegt, ist unterzeichnet von Sam Renouf, den die PTO als neuen CEO installiert hat, sowie dem PTO-Vorsitzenden Charles D. Adamo und den Athletensprechern Rachel Joyce (41) und Dylan McNeice (34), die beide nicht für den Ironman Hawaii 2019 qualifiziert sind. 

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In dem Schreiben bietet die PTO der Wanda Sports Group an, in “Gespräche über den Erwerb aller Assets einzusteigen, die mit dem weltweiten Geschäft von Triathlon- und Massensportveranstaltungen verknüpft sind”. Dazu habe man sich die Unterstützung der Firma North Point Advisors gesichert, einer unabhängigen Investmentbank, die sich auf die Übernahmen und Zusammenführungen von Firmen spezialisiert hat und auf einen Erfahrungsschatz von 160 Transaktionen mit einem Wert von über 25 Milliarden US-Dollar zurückblickt. 

“Mehr Selbstbestimmung durch die Athleten”

Auch die Besetzung des CEO-Postens durch den ehemaligen Elite-Triathleten Sam Renouf verfolgt das Ziel der Übernahme der Marke Ironman. Sam Renouf war zuletzt CEO der MOTIV Group und gehörte zuvor zum Executive-Leadership-Team bei ACTIVE Network, das lange mit der Marke Ironman kooperiert und unter anderem für die Athletenregistrierung zuständig ist. Renouf begründet die Initiative: “Es geht um die natürliche Entwicklung des Sports hin zu mehr Selbstbestimmung durch die Athleten. Die PTO möchte für die Triathleten den gleichen Weg gehen wie schon die Golfer und Tennisspieler, wo die Profisportler die Verantwortung übernommen haben, um ihren Sport zu fördern und zu erweitern. Es ist die Zeit gekommen, um die Ära zu beenden, in der übermäßige Fremdmittel eingesetzt wurden. Investoren nutzen unsere Community aus, um kurzfristige Gewinne zu erzielen. Die PTO wird mit ihrem Finanzberater und ausgewählten Partnern in der Lage sein, in einer Weise zu agieren, die eine gesunde Kapitalrendite abwirft und gleichzeitig den Sport nach einem soliden, wachsenden und nachhaltigen Modell weiterentwickelt.”

PTO bisher kaum in Erscheinung getreten

Die Professional Triathletes Organisation bezeichnet sich selbst als “gemeinnützige Organisation, die die professionellen Triathleten vertritt und anstrebt, eine Bühne zu bereiten für Leidenschaft, Talent, Entschlossenheit, Niederlagen und Siege der Profis, die sich bemühen, die höchsten Standards des Sports zu verwirklichen und alle diejenigen zu inspirieren, die daran teilnehmen – von erfahrenen Agegroupern bis hin zu Triathlon-Einsteigern.” Bisher ist die PTO kaum in Erscheinung getreten, die Website protriathletes.org verweist auf den Collins Cup, ein Mannschaftsformat auf der Langstrecke, dessen erste geplante Austragung im Rahmen der Challenge Roth 2019 scheiterte und die nun für 2020 angekündigt ist. Einer geschlossenen Diskussionsgruppe der PTO auf Facebook gehören nur 42 Mitglieder an.

Athleten wollen höhere Erlösbeteiligung

In einem an die Profitriathleten gerichteten Schreiben berichtet die PTO davon, dass man einen ersten Kontakt zur WTC-Spitze aufgenommen habe und nun zu erwarten sei, dass von dort ein Keil zwischen die Athleten getrieben würde. Als wichtigstes Argument für die aktuelle Initiative führt die PTO gegenüber den Athleten an, dass andere Sportorganisationen, die den gleichen Weg bereits erfolgreich beschritten haben (wie die großen US-Sportarten Golf, Football, Baseball, Eishockey und Fußball) inzwischen mehr als 50 Prozent der Erlöse an die Athleten ausschütten würden. Bei Ironman seien es nicht einmal drei Prozent, wobei die weltweiten Preisgelder weiter zurückgingen. Grund dafür sei nach PTO-Überzeugung neben den finanziellen Verpflichtungen einer profitorientierten Organisation auch die Einstellung der WTC, dass der Profisport nicht viel zum Wert des Triathlons beitrage.

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