Willkommen im „Ruhestand“: Sebastian Kienle absolviert Hyrox-Wettkampf

Ein Leben ohne Raceday? Für Sebastian Kienle auch nach dem Karriereende keine Option. Am vergangenen Wochenende hat er wieder einmal Wettkampfluft geschnuppert, allerdings nicht bei einem Triathlon.

Veranstalter Auf seine Paradedisziplin, das Radfahren, musste Sebastian Kienle beim Hyrox-Event verzichten.

Öfter mal was Neues. Das dachte sich wohl Sebastian Kienle nach dem Ende seiner Karriere als Triathlonprofi. Am vergangenen Wochenende hat sich der 39-Jährige in Manchester am Wettkampfformat „Hyrox“ versucht. Dieses kann durchaus als Mehrkampf bezeichnet werden, allerdings sind Ausdauer und Kraft gleichermaßen gefordert. Bereits bei der Anreise in den Nordwesten Englands gab es für den Ironman-Weltmeister von 2014 eine Premiere: Er konnte lediglich mit Handgepäck ins Flugzeug steigen. „Der Traum eines Triathleten“ kommentierte er in seiner Instagram-Story.

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Hyrox bezeichnet sich selbst als „Fitness Race for everybody“. Die Events finden indoor statt, üblicherweise in großen Messehallen. Die Teilnehmenden müssen 8 x 1 Kilometer laufen, zwischen diesen Abschnitten wird je eine Kraft- bzw. Kraftausdauerübung absolviert. Die Reihenfolge der Übungen ist ebenso festgelegt wie das Gewicht, das zum Teil von den teilnehmenden bewegt oder getragen werden muss. Neben der offenen Einzelwertung sowie der Profi-Kategorie kann Hyrox auch im Zweierteam oder als Staffel mit vier Personen bestritten werden.

Profis ohne Lizenz

Kienle absolvierte das Event in der Profi-Wertung. Anders als im Triathlon erfordert diese bei Hyrox allerdings keine Lizenz oder Ähnliches, sondern richtet sich an alle erfahrenen und ambitionierten Athletinnen und Athleten. Bei den Kraftübungen müssen schwerere Gewichte bewegt werden als in der offenen Wertung. Sebastian Kienle benötigte für die insgesamt acht Laufkilometer und acht Workouts 1:09:13 Stunden. Den schnellsten Kilometer beim Laufen, den ersten, absolvierte er in 3:20 Minuten, im letzten Durchgang war er mit 4:13 Minuten am langsamsten. Damit belegte er Platz 27 in der Kategorie „Pro“. Zum Vergleich: Der Brite Graham Halliday, Tagessieger der Profis, war nach 58:42 Minuten im Ziel.

Sebastian Kienle ist nicht der erste Triathlet, der in der Saisonpause oder nach dem Karriereende den Kraft-Ausdauer-Mix für sich entdeckt hat. Im November des vergangenen Jahres nahm etwa Franz Löschke mit einer Viererstaffel beim Event in Hamburg teil. Nils Frommhold wollte ebenfalls seinen sportlichen Horizont erweitern, wurde jedoch kurzfristig von einem Infekt ausgebremst.

Was ist Hyrox?

Hyrox gibt es seit dem Jahr 2017, es ist also eine noch sehr junge Sportart. Erfunden wurde das Format in Hamburg von Moritz Fürste, dreifacher Olympia-Medaillengewinner im Hockey, und Christian Tötzke. Mittlerweile finden die Events weltweit statt und zählten in der Saison 2022/2023 mehr als 90.000 Athletinnen und Athleten. Der Wettkampf beginnt mit einem Kilometer laufen und endet mit einer Kraftübung. Folgende Übungen müssen zwischen den Laufrunden (jeweils ein Kilometer) absolviert werden: 1.000 Meter Skiergometer, 50 Meter Sled Push, 50 Meter Sled Pull, 80 Meter Burpee Broad Jumps, 1.000 Meter Ruderergometer, 200 Meter Farmers Carry mit Kettlebells, 100 Meter Sandbag Lunges und 75 (Frauen) bzw. 100 (Männer) Wall Balls. Bei den Übungen mit Gewicht unterscheidet sich dieses je nach Wertungskategorie. Beim Sled Push müssen Frauen etwa 102 Kilogramm, Männer 152 Kilogramm (jeweils inklusive Schlitten) über eine Distanz von 4 x 12,5 Metern vor sich herschieben. Beim Farmers Carry werden zwei Kettlebells (Gewicht jeweils zwischen 16 und 32 Kilogramm) über eine Strecke von 200 Metern getragen. Grundsätzlich kann jeder an einem Hyrox-Event teilnehmen, es gibt kein Zeitlimit. Entsprechend liegt die Finisher-Quote laut Veranstaltern bei fast 100 Prozent. Gestartet wird über den ganzen Tag verteilt in Wellen, die nicht nach Leistungsniveau unterteilt sind. Somit können theoretisch die Langsamsten und die Schnellsten gleichzeitig das Ziel erreichen.

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Anna Bruder
Anna Bruder
Anna Bruder wurde bei triathlon zur Redakteurin ausgebildet. Die Frankfurterin zog nach dem Studium der Sportwissenschaft für das Volontariat nach Hamburg und fühlt sich dort sehr wohl. Nach vielen Jahren im Laufsport ist sie seit 2019 im Triathlon angekommen und hat 2023 beim Ironman Frankfurt ihre erste Langdistanz absolviert. Es war definitiv nicht die letzte.

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