Freitag, 3. Februar 2023
SzeneJonas Deichmann schwärmt von Mexiko

Jonas Deichmann schwärmt von Mexiko

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Markus Weinberg Jonas Deichmann ist bisher begeistert von seinem Lauf durch Mexiko.

Die Umgewöhnung ist abgeschlossen. Nachdem Jonas Deichmann bei seinem Triathlon rund um die Welt an den ersten Lauftagen noch über „brutale Schmerzen im Bein, Muskelkater und Gelenkschmerzen“ geklagt hatte, ist die Situation mittlerweile entspannter. „Ich konnte die vergangenen Tage komplett schmerzfrei laufen. Dass es anfangs Probleme gab, war normal, wenn man sieben Monate nicht gelaufen ist und dann jeden Tag einen Marathon absolviert.“ 43 bis 45 Kilometer legte er zuletzt täglich zurück. „Ich habe jetzt das Tempo erhöht und schaffe sieben Minuten pro Killometer. Das mag nicht schnell sein, ist aber das normale Tempo, wenn man 120 Marathons läuft.“

Die Tage laufen nach gleichem Muster ab

Die Tage sind genau strukturiert. Der 34-Jährige passt sich dabei den klimatischen Bedingungen Mexikos an. Baja California ist ein heißer Landstrich. „Ich starte früh, wenn die Temperaturen noch erträglicher sind. Dann lege ich eine längere Mittagspause ein und laufe am Nachmittag noch einmal ein Stück, sodass ich auf circa neun Stunden vom Start bis zum Ende komme.“ Einen Teil des Weges lief in den ersten Tagen öfter Leonardo, ein Mexikaner aus Tijuana mit. Zum Start wollte er Deichmann nur fünf Kilometer raus aus der Stadt begleiten, blieb dann aber 15 Kilometer an seiner Seite und lud den Abenteurer zum Essen ein. 

Ein treuer Begleiter für Jonas Deichmann

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„Am nächsten Tag war Leonardo wieder da und ist erneut 15 Kilometer mitgelaufen, am vierten Tag ist er mit dem Auto hinterhergekommen, zum Startpunkt in Ensenada. Dann ist er die ganzen 42 Kilometer mitgelaufen, es war sein erster Marathon, das war super. Er hat sich auch für die nächste Woche wieder für ein paar Tage angekündigt. Ich freue mich darauf. Es ist schön, ein bisschen Begleitung zu haben.“

Mexikaner versorgen Jonas Deichmann

Die Verkehrssituation in Mexiko ist bislang eine Wohltat für Deichmann, verglichen mit den gefährlichen Bedingungen in Russland, die er auf dem Rad erlebte. „Bis nach Ensenada bin ich auf dem Seitenstreifen der Autobahn gelaufen, immer an der Küste entlang. Es ist sicher, weil es nicht viel Verkehr und einen Seitenstreifen gibt“, berichtet der Abenteurer, den in Ensenada Radfahrer und Triathleten empfingen. „Die folgen mir über Social Media und es gab ein super Essen. Ich bin richtig verliebt in mexikanisches Essen: Tacos, Burritos und Enchiladas überall. Ich vertrage scharfes Essen auch ganz gut.“

Begegnung mit einer Klapperschlange

Nach Interviews mit Radiosendern ging es von Ensenada in ein Weinanbaugebiet, es wurde etwas hügeliger und wärmer. Aber die Einheimischen kümmern sich um mich. Die Distanzen werden etwas länger, aber Autos halten an und geben mir Wasser. Es ist alles super bisher“, so Deichmann, der nicht immer auf die Gastfreundschaft der Mexikaner angewiesen ist. „Ich habe bisher drei Tage gezeltet, auch in der Wüste. Am Tag, nachdem ich Ensenada verlassen habe, habe ich zwischen Büschen übernachtet. Als ich meinen Schlafplatz gesucht habe und mein Zelt schon aufbauen wollte, ist dort eine Klapperschlange rumgeschlichen. Ich bin dann 20 Meter weitergezogen und habe mein Zelt abseits aufgeschlagen. Es ist traumhaft, unter dem Sternenhimmel in der Wüste zu zelten. Biwakieren ist aber nicht möglich, weil neben Klapperschlangen auch Skorpione und gefährliche Spinnen hier herumlaufen. Deshalb schlafe ich im Innenzelt, da bin ich geschützt.“

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privat In der Wildnis lauern tierische Gefahren wie Klapperschlangen, Skorpione und Spinnen.

Anfeuerung der Einheimischen

Über das Weinanbaugebiet ging es ins Landesinnere – und erneut wird Deichmann überwältigt von der Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Mexikaner. „Es gibt nur eine Straße, die durch Baja California führt. Ich bin ins Tal von San Quintin gekommen, wo die gesamte Landwirtschaft der Baja California angebaut wird. Es war schwierig, weil es auf der Straße keinen Seitenstreifen mehr gab und die Straße sich verengt hat und relativ viel Verkehr aufgekommen ist. Die Autofahrer hier sind aber super rücksichtsvoll, das habe ich so noch nie erlebt. Autos und Lkw halten hinter mir an, ohne zu hupen. Sie warten, bis es frei ist, und grüßen mich danach oder feuern mich an. Es ist unglaublich nett.“

Trailer verhindert Offroad-Läufe

Auf der Website eines lokalen Radiosenders lief ein Lifetracking und die User konnten genau mitverfolgen, wo sich Deichmann gerade befindet. „Die Leute haben Fotos gepostet, wo ich gerade langlaufe. Alle zwei Minuten hat jemand angehalten, um ein Selfie zu machen oder mir Wasser zu bringen. Ich habe mehr bekommen als ich essen konnte. Das hat zwar meinen Rhythmus zerstört, war aber super nett.“

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privat Immer wieder bekommt Jonas Deichmann Gesellschaft. Auf diesem Bild hat ihn ein Radclub in Empfang genommen.

Seitdem Jonas Deichmann sein Fahrrad aus Wladiwostok zurück nach Europa geschickt hat, ist ab Tijuana ein Trailer sein ständiger Begleiter. Der wiegt 20 Kilogram. „Im flachen läuft es sich super damit, bergauf und -ab merkt man das Gewicht allerdings – und offroad laufen ist schwierig.“ Gestern kam der Abenteurer in die letzte kleine Ortschaft vor der Wüste. „Das wird spektakulär und wärmer, so um die 40 Grad. Aber ich fühle mich gut und habe körperlich keine Beschwerden mehr.“

Jonas Deichmann berichtet auf tri-mag.de regelmäßig von seinem Triathlon rund um die Welt. Weitere Informationen zu seinen bisherigen Abenteuern sowie ein Livetracker zu seinem Triathlon rund um die Welt finden sich auf seiner Website jonasdeichmann.com.

Bengt Lüdke
Bengt Lüdke
Bengt-Jendrik Lüdke ist Redakteur bei triathlon. Der Sportwissenschaftler volontierte nach seinem Studium bei einem der größten Verlage in Norddeutschland und arbeitete dort vor seinem Wechsel zu spomedis elf Jahre im Sportressort. In seiner Freizeit trifft man ihn in Laufschuhen an der Alster, auf dem Rad an der Elbe – oder sogar manchmal im Schwimmbecken.
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