Mittwoch, 8. Februar 2023
€ 0,00

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

SzeneSebastian Kienle: "Siege bei den Online-Rennen und Strava-KOMs können gern die anderen...

Sebastian Kienle: “Siege bei den Online-Rennen und Strava-KOMs können gern die anderen holen”

Sebastian Kienle, wie erlebst du die aktuelle Situation und wie denkst du darüber, dass der Wettkampfsommer wohl komplett ausfallen wird?

In diesen Tagen ist alles relativ. Meiner Familie geht es gut und wir konnten und können zum Beispiel im Gegensatz zu den Menschen in Spanien und Italien im Freien Sport machen. Das weiß ich unheimlich zu schätzen. Am meisten macht mir, wie allen anderen auch, die Unsicherheit zu schaffen. Logischerweise gibt es für die Menschheit gerade größere Probleme als Wettkampfsport. Aber gleichzeitig zeigt sich, wie wichtig es ist, fit zu sein und sich zu bewegen, nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Gesellschaft.

- Anzeige -

Wie versuchst du die Motivation in dieser schwierigen Phase trotzdem aufrecht zu erhalten?

Ich versuche es erst gar nicht, die Motivation zwanghaft aufrecht zu erhalten. Jetzt mal keine Lust zu haben, ist kein Problem. Wenn es dieses Jahr noch Rennen geben wird, dann eher ab Oktober. Da ist es eher weniger sinnvoll, im Juni in Topform zu sein. Die Siege bei den Online-Rennen und Stava-KOMs können gern die anderen holen. 

Wie sieht dein Trainingsalltag zurzeit aus? 

Im Moment trainiere ich rund 20 bis 25 Stunden in der Woche. Wir haben eine gute Mischung aus Dingen gefunden, die mir Spaß machen, wie zum Beispiel Ausfahrten auf dem Crossrad und Einheiten, die mich hoffentlich darauf vorbereiten, später im Jahr nochmal richtig in Topform zu sein. 

Nutzt du diese Phase auch, um speziell an Baustellen zu arbeiten, für die zu diesem Zeitpunkt des Jahres vielleicht keine Zeit mehr gewesen wäre?

Auf jeden Fall. Es ist eine große Chance, so eine lange Phase zu haben, in der man sich wirklich darauf konzentrieren kann, ein besserer Athlet zu werden. Sonst denkt man oft von Rennen zu Rennen. Wir machen sehr viel in Sachen Mobilität für meinen Rücken, was schon immer eine Schwachstelle von mir gewesen ist. Auch das Lauftraining kann ich jetzt zum ersten Mal seit Jahren ohne den Druck anstehender Rennen aufbauen. Der mentale Bereich spielt im Moment ebenfalls eine große Rolle. 

Wie hat sich deine Hüftverletzung entwickelt, mit der du zum Ende des Jahres zu kämpfen hattest? Bist du mittlerweile wieder im einigermaßen “normalen” Lauftraining?

Die Hüfte hat sich sehr gut entwickelt. Während wir auf dem Rad den Umfang doch sehr niedrig halten, laufe ich so viel wie seit Jahren nicht mehr. Trotzdem sind wir vorsichtig: Es gäbe wohl nichts Schlimmeres, als eine abermalige Verletzung später im Jahr zu riskieren.

Steckst du dir, wie Jan Frodeno, eigene Wettkampfziele? Ist bei dir auch ein Triathlon zu Hause geplant?

Nein, ganz sicher nicht. Für jemanden, der tatsächlich nicht draußen Sport machen darf, ist so etwas noch eher verständlich. Bei uns darf man ja zum Glück noch raus. Über meinen Partner 2peak werde ich die Chance nutzen, ein paar Tests auf dem Rad zu fahren. Bald werde ich da mal ein 100 Kilometer Zeitfahren mitmachen, vor allem um weiter an meiner Position und dem Material zu arbeiten.

blank
Screenshot/instagram.com/sebastiankienle/ Auf dem schnellsten Weg zum nächsten Supermarkt: Sebastian Kienle hat sich für dieses Instagram-Motiv für eine sonst eher untypische Rennmaschine in der zweiten Disziplin entschieden.

Auch in Zeiten der Corona-Krise bist du nach wie vor immer wieder für einen Scherz zu haben, wie auch der Blick auf dein Instagram-Profil zeigt, auf dem du dich vor ein paar Tagen auf einem Hollandrad hast ablichten lassen. Wie wichtig ist dir Humor auch, oder vielleicht gerade eben, in diesen angespannten Wochen?

Das Leben sollte mehr sein, als nur möglichst lang auf den Tod zu warten. Auch ich habe schlechte Tage und mache mir Sorgen, aber es liegt an einem selbst, ob das Glas halb voll oder halb leer ist. Diese Einstellung probiere ich auch nach außen zu tragen, eine der wenigen systemrelevanten Dinge, die man zurzeit als Profisportler tun kann. 

Marvin Weber
Marvin Weberhttp://marvinweber.com/
Marvin Weber ist Multimedia-Redakteur bei triathlon: Neben Artikeln fürs Magazin und die Homepage ist der gebürtige Siegerländer auch immer auf der Suche nach den besten Motiven für die Foto- und Videokamera. Nach dem Umzug in die neue geliebte Wahlheimat Hamburg genießt er im Training vor allem die ausführlichen Ausfahrten am Deich.
- Anzeige -

1 Kommentar

Kommentiere den Artikel

Bitte gib hier deinen Kommentar ein (und bitte sei dabei fair anderen gegenüber)!
Bitte gib deinen Namen ein

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Aktuell sehr beliebt

Das Starterfeld der Männer: Topstars bei der Challenge Roth

Das Warten hat ein Ende: Das Männer-Starterfeld der Challenge Roth 2023 ist veröffentlicht und wir stellen die Topfavoriten vor. Das Frauen-Feld folgt am Donnerstag.

Die fünf größten Lauf-Irrtümer

Alle Disziplinen im Triathlon haben ihre Mythen und neunmalklugen Sprüche. Sie sind zwar weit verbreitet, entsprechen allerdings meistens nicht der Wahrheit. Wir stellen fünf klassische Laufirrtümer vor und erklären, wieso man diesen „Weisheiten“ keinen Glauben schenken sollte.

Road to Römer: Neuer Monat, neue Werte

Es wird ernst: Nicht nur das Training zieht so langsam an, die Umfänge werden länger und die Intensitäten steigen. Für Anna geht es zur ersten Triathlon-Leistungsdiagnostik, bei der nicht alle Ergebnisse so ausfallen, wie gewünscht.

Der Ticker vom Wochenende: Debütantensieg in Australien und alternative Formate

Am Wochenende gab es Triathlon in klassischer und abgewandelter Form. Hier kommen einige Ergebnisse im Überblick.

Carbon & Laktat: Kienle auf dem Weg nach Norwegen! Iden auf dem Weg zum GOAT?

Vom Start Kienles beim Norseman über die eigenen Ziele in der kommenden Saison bis zu Gustav Iden, der die GOAT-Frage noch nicht richtig beantworten möchte, Nils Flieshardt und Lars Wichert freuen sich gemeinsam auf die anstehende Saison.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

In ihrer Vorbereitung auf den Swissman 2023 wechselt Sonja Tajsich vorübergehend die Sportgeräte. Hier berichtet sie über das Wagnis Wintertriathlon.

ePaper | Kiosk findenAbo

58,355FansGefällt mir
52,533FollowerFolgen
24,200AbonnentenAbonnieren

Aktuelle Beiträge

Ironman Legacy Program: Bedingungen für 2024 erschwert

0
Die treuesten und engagiertesten Agegrouper können sich seit 2012 mit dem Legacy Program den Traum vom Start bei einer Ironman-WM auf Hawaii erfüllen. Für 2024 hat Ironman nun die Anforderungen für Bewerber erschwert. Der Grund ist der jährliche Wechsel von Frauen- und Männer-WM auf Big Island.