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Überraschungssieg und Gänsehaut-Finish
Jackson Laundry gewinnt Ironman 70.3 Oceanside vor Sanders und von Berg

Mit einem starken Comeback im Halbmarathon hat Jackson Laundry den Ironman 70.3 Oceanside überraschend für sich entschieden. Lionel Sanders und Rudy von Berg lieferten sich einen Endsprint um Platz zwei, wie es ihn vorher nur selten auf der Langstrecke gegeben hat.

ironman.com Mit einer starken Laufleistung hat Jackson Laundry den Ironman 70.3 Oceanside nach einem Comeback im Halbmarathon für sich entschieden (Archivbild).

Wie bereits im Vorfeld erwartet, waren es auf den 1,9 Kilometern der Auftaktdisziplin insbesondere Ben Kanute und Alistair Brownlee, die das Rennen von Beginn an schnell machten. Im stark besetzten Feld des Männerrennens bildete sich nach und nach eine Spitzengruppe mit den Topschwimmern. Nach 22:28 Minuten verließ Kanute als Erster nur wenige Sekunden vor Brownlee das Wasser. Sam Appleton, Rudy von Berg, Eric Lagerstrom, Jason West, Brennen Smith und David McNamee gehörten ebenfalls zu der Führungsgruppe, die zusammen die erste Wechselzone erreichte. Mitfavorit Jackson Laundry schaffte mit einem schnellen Wechsel noch den Anschluss an die erste Gruppe, während Landsmann Lionel Sanders die 90 Kilometer lange Radstrecke mit einem Rückstand von etwas mehr als zwei Minuten startete. 

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Fünfergruppe hält Tempo hoch, Sanders ohne erfolgreiche Aufholjagd

Auf dem Rad dezimierte sich die Führungsgruppe bereits auf dem ersten Viertel der Strecke deutlich, bis nur fünf Athleten übrig blieben, die den Rest der zweiten Disziplin gemeinsam absolvieren sollten: Alistair Brownlee, Ben Kanute, Rudy von Berg, Sam Appleton und Jackson Laundry. Alles Athleten, die auch im Vorfeld zu den Podiumskandidaten zählten. Obwohl es im Verlauf der Radstrecke niemand in der Fünfergruppe schaffte, sich entscheidend absetzen, wurde das Tempo durch wechselnde Führungsarbeit hochgehalten. So hoch, dass die von Lionel Sanders angestrebte Aufholjagd scheiterte. Der radstarke Kanadier konnte zwischenzeitlich knapp 30 Sekunden zufahren, die er auf den folgenden 20 Kilometern aber direkt wieder einbüßte. Sanders konnte den Rückstand bis zur zweiten Wechselzone nicht verringern, verlor allerdings auch keine zusätzliche Zeit. Der 34-Jährige verlor auf der Radstrecke seine Trinkflasche, weshalb er später an einer Verpflegungsstation kurz anhielt und somit wertvolle Sekunden einbüßte. Mit Radsplits von rund 2:08 Stunden kam die Spitzengruppe nach einer Gesamtzeit von 2:33 Stunden in T2 an. Lionel Sanders, der die letzten 20 Kilometer gemeinsam mit dem Franzosen Arnaud Guilloux absolvierte, wechselte mit einem Rückstand von knapp zweieinhalb Minuten zusammen mit Guilloux in die Laufschuhe. Bart Aernouts (+ 4:12 min), Jason West (+ 4:49 min) und Andre Lopes (+ 4:50 min) gingen an den Positionen acht bis zehn auf die Laufstrecke.

Laundry holt führenden Brownlee spät ein, Sanders nach Gänsehaut-Finish mit schnellster Laufzeit Zweiter

Der abschließende Halbmarathon sollte extreme Überraschungen und einen Kampf um den zweiten Platz bereithalten, wie man ihn selten zuvor auf der Langstrecke gesehen hat. Nachdem Ben Kanute und Rudy von Berg durch schnelle Wechsel einige Sekunden auf das weitere Trio herausholten, formierte sich die Gruppe bereits nach wenigen Laufkilometern komplett neu. Erwartungsgemäß war es der zweifache Olympia-Sieger Alistair Brownlee, der sich beim Anlaufen nicht unbedingt zurückhielt, sondern direkt aufs Tempo drückte. Auf den ersten zehn Kilometern bildete sich ein Trio aus Brownlee, von Berg und Laundry, die Kanute und Appleton früh abschüttelten. In der Verfolgung lief Lionel Sanders von Beginn an das höchste Tempo im gesamten Feld und kämpfte sich Sekunde um Sekunde weiter nach vorn. Nach elf Kilometern verschärfte Brownlee das Tempo ein weiteres Mal und setzte sich zwischenzeitlich 15 Sekunden von Laundry und von Berg ab. Während von Berg bei Kilometer 16 weitere Sekunden verlor, beschleunigte Laundry und holte den Rückstand auf Brownlee nach und nach ein. Bei Kilometer 18 setzte sich der Kanadier an die Spitze des Rennens, während sich Brownlee ohne Widerstand geschlagen geben musste und dem hohen Tempo in den letzten Kilometern ordentlich Tribut zollen musste.

Diesen Vorsprung sollte sich Laundry auch auf den letzten drei Kilometern von niemandem mehr nehmen lassen und nach einem Halbmarathon von 1:10:11 Stunden machte der junge Kanadier mit einer Endzeit von 3:45:00 Stunden seinen Überraschungssieg perfekt. Nur wenige Sekunden dahinter kam es allerdings zu einem Krimi, der Gänsehaut-Charakter hatte. Lionel Sanders überholte nach zwölf Kilometern zunächst Sam Appleton und Ben Kanute, bevor er kurz vor Schluss auf der langen Zielgeraden nur wenigen Hundert Meter vor dem Ziel mit schmerzverzerrten Gesicht im Vollsprint noch an Alistair Brownlee vorbeilief und schließlich sogar auf Rudy von Berg aufschließen konnte. Dieser gab sich allerdings nicht kampflos geschlagen und so liefen Sanders und von Berg auf dem Zielteppich Schulter an Schulter zeitgleich im Endsprint ins Ziel.

Brownlee wird undankbarer Vierter

Nachdem mit bloßem Auge nicht zu erkennen war, wer sich den zweiten Platz sicherte, wurde Lionel Sanders schließlich offiziell als Zweitplatzierter angeführt. Beide überquerten die Ziellinie 33 Sekunden hinter Laundry mit einer Endzeit von 3:45:33 Sekunden. Sanders absolvierte den Halbmarathon in einer starken Tagesbestzeit von 1:08:29 Stunden. Kurz dahinter erreichte ein sichtlich enttäuschter Alistair Brownlee als undankbarer Viertplatzierter (3:45:55 h) das Ziel. Auf Rang fünf landete Ben Kanute (3:46:32 h), die Plätze sechs bis zehn belegten Jason West (3:48:20 h), Sam Appleton (3:49:45 h), Eric Lagerstrom (3:50:39 h), Arnaud Guilloux (3:52:01 h) und Bart Aernouts (3:52:56 h). Andreas Dreitz, der einzige deutsche Starter im männlichen Profifeld, beendete das Rennen vorzeitig.

Ironman 70.3 Oceanside 2022 | Profi-Männer

2. April 2022 | Oceanside (USA)
PlatzNameLandGesamt1,9 km Swim90 km Bike21,1 km Run
1Jackson LaundryCAN3:45:0022:532:07:531:10:11
2Lionel SandersCAN3:45:3324:262:08:091:08:29
3Rudy von BergUSA3:45:3322:352:08:051:10:55
4Alistair BrownleeGBR3:45:5522:322:08:031:11:04
5Ben KanuteUSA3:46:3222:282:08:111:11:58
6Jason WestUSA3:48:2022:372:12:431:08:56
7Sam AppletonAUS3:49:4522:342:07:591:14:58
8Eric LagerstromUSA3:50:3922:362:12:351:11:09
9Arnaud GuillouxFRA3:52:0124:132:08:031:14:59
10Bart AernoutsBEL3:52:5625:412:08:241:14:10

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7 Kommentare
  1. Harald M.

    Wahnsinnsrennen. Ganz starkes Comeback von Sanders. Der ist in den letzten 3-4 Kilometern über 1 Minute noch auf die Spitze zugelaufen. Brownlee war mal wieder ein richtiger Brownlee auf der Mittel- /Langdistanz. Er drückt enorm aufs Tempo, gerade beim Rad und hinten raus geht er beim Laufen immer wieder etwas ein.
    Übertragung von Outside war gut. Nur ein bißchen viel Werbung für meinen Geschmack.

    1. Flo

      Und dann an Stellen, die so spannend waren, dass ich am liebsten mein Notebook aus dem Fenster geworfen hätte.

  2. Marcel

    Sanders hat auf dem Rad zwischenzeitlich wieder Zeit verloren weil er seine Trinkflaschen verloren hat und an einer Verpflegung angehalten hat.. wenn der endlich mal alles zusammenbekommt ist er einfach nur schwer zu schlagen.. St.Georg wird episch!

    1. Michael

      Frag mich auch warum er auf einem TT- Speedmax fährt und nicht auf dem neuen CFR.

  3. Thorben

    Kann man sich das Rennen irgendwo noch einmal “relive” ansehen?

  4. Thomas Heubach

    Zwei Anmerkungen

    1.) Es ist eine Mittelstrecke und keine Langstrecke gewesen!

    2.) 1990 Ironman New Zealand Pauli Kiuri und Ken Glah Abstand unter 1 Sekunde
    2003 Challenge Roth Lothar Leder vs. Chris McCormack 8 Sekunden
    2007 Ironman Frankfurt Das Sprintfinale zwischen Nicole Leder und Andreas Brede. 5 Sekunden auf dem Römerberg

    Gab es also auch schon auf der Langstrecke. Und das um den ersten Platz

    1. Simon Müller

      Moin Thomas, danke für deine Anmerkungen und die Beispiele aus der Historie. Auch Mitteldistanzen ordnen wir in die Kategorie der “Langstrecken” ein, welche in Form der Mittel- und Langdistanzen meistens den Unterschied zum Drafting-Format und der Kurzstrecke (Sprint- und Kurzdistanz) herausstellen soll. Deshalb extra dieser Begriff und nicht die explizite Formulierung “Langdistanz”, mit der dann auch wirklich nur diese gemeint ist.

      Zum zweiten Punkt: Im Text steht auch, dass es das zuvor nur selten gegeben hat und nicht gar nicht. Die 3 genannten Beispiele aus den vergangenen 32 Jahren unterstreichen glaube ich, dass es sich dabei in Startfeldern mit einer derartigen Leistungsdichte sowohl auf der Mittel- als auch auf der Langdistanz um eine Seltenheit handelt.

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