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Messungen auf dem Ironman-Kurs
Mit Wissenschaft zur schnellsten Radzeit – und zum Sieg?

Auf dem Radkurs wird die Vorentscheidung im Kampf um die Titel bei der Ironman-Weltmeisterschaft in St. George fallen. Welches Set-up ist für den Kurs in Utah am besten geeignet?

Chefredakteur Nils Flieshardt auf der Radstrecke der Ironman-WM von Utah.

Nur wer das Puzzle aus vielen ganz verschiedenen Teilen perfekt und am schnellsten zusammensetzt, wird sich am Samstagabend als Ironman-Weltmeister von St. George feiern lassen können. Einige Athleten wie Lionel Sanders (Kanada) gehen da ganz nach Bauchgefühl, andere, wie die vierfache Siegerin Daniela Ryf (Schweiz), verlassen sich auf die Erkenntnisse der Wissenschaft.

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Einer, der diese detailliert sammelt und auswertet, ist Jean-Paul Ballard, CEO des Laufradherstellers Swiss Side. Auch wir durften uns an seinen Datenerhebungen beteiligen: Unser Chefredakteur Nils Flieshardt hatte bei seinem Radstreckencheck ein CdA-Meter montiert. Einfach ausgedrückt: ein Aerodynamik-Messgerät, das den Windwiderstand ermittelt, aber auch wichtige Informationen über Windstärke und Windrichtung aus Sicht des Fahrers preisgibt. 

Das CdA-Meter von Swiss Side

Bereits vor der Abreise nach Utah investierten Ballard uns sein Team in der Schweiz viel Zeit, um Simulationen der Rennstrecke der Ironman-WM von St. George durchzuführen und die wichtigsten Performancefaktoren wie Gewicht oder aerodynamischen Widerstand für die Equipment-Empfehlung der Athleten zu ermitteln. Für das aerodynamische Set-up und die Rennstrategie der Athleten spielt zudem der Wind eine wichtige Rolle, der in den Tests auf der Rennstrecke gemessen wurde. 

Die wichtigsten Erkenntnisse der Testfahrten von Jean-Paul, Nils und anderen Athleten sind:

  • St. George liegt auf einer Höhe von ca. 1.000 Metern über dem Meeresspiegel, aus diesem Grund wird die geringere Luftdichte zu tieferem aerodynamischen Widerstand und demnach höheren Geschwindigkeiten führen als an der Kona-Küste, wo der Kurs des Ironman die ganze Zeit am Meer entlangführt. Jedoch ist die Strecke in St. George sehr hügelig mit insgesamt 2.265 Höhenmetern (in Kona sind es lediglich 1.386 Höhenmeter). Jean-Paul Ballard und sein Team berechneten, dass die Radzeiten in St. George ungefähr 10 Minuten langsamer sein werden als in Kona. 
  • Der aerodynamische Widerstand bleibt auch in St. George eine dominierende Komponente. Die Wichtigkeit reduziert sich jedoch im Vergleich zu Kona: Eine 5-Prozent-Reduktion des Luftwiderstands resultiert in einer Fahrzeitreduktion von ungefähr 3:29 Minuten, das sind 40 Sekunden weniger als in Kona aufgrund der zusätzlichen Anstiege in St. George. Demnach entspricht der aerodynamische Effekt in St. George ca. 85 Prozent des Effektes in Kona. 
  • Die Bedeutung des Gewichts steigt durch die zusätzlichen Anstiege in St. George. Dies ist grundsätzlich fahrerabhängig. Bei leichten Athleten resultiert ein Kilogramm zusätzliches Gewicht in St. George in einer Zeiteinbuße von ca. 66 Sekunden, in Kona wären es lediglich 31 Sekunden. Demnach ist der Gewichtseffekt in Utah etwa doppelt so groß wie auf Hawaii. 
  • Zusammengefasst vergleichen sich die Effekte: 1,6 Prozent Luftwiderstand entspricht einem Kilogramm Mehrgewicht
  • Der Wind war während der Testtage variabel und an einzelnen Tagen auch sehr stark. Der Wind ist ähnlich oder sogar noch stärker als in Kona – mit noch mehr Böen. 
  • Als bestes Laufrad-Set-up für die Profiathleten sieht Swiss Side das Vorderrad „HADRON2 Ultimate 800“ und die „DISC“ am Hinterrad, falls es der Wind erlaubt. Einzelne Athleten können das 625er-Vorderrad in Betracht ziehen, falls der Wind zu stark ist. 
  • Für die Agegrouper empfehlen die Experten ein 800/800-Set-up, sofern sie starke und erfahrene Fahrer sind. Falls der Wind zu stark ist, sollte ein 625/800-Set-up in Betracht gezogen werden. Das 625/800-Set-up reduziert die Windsensitivität um 25 Prozent und hat nur eine kleine aerodynamische Einbuße von einem Watt bei 45 Kilometern pro Stunde (abhängig vom Wind kann es jedoch auch mehr sein). 
  • Die Straße ist vergleichsweise rau, demnach sind geringere Reifendrücke vorteilhaft. Abhängig vom Fahrergewicht und basierend auf 25-Millimeter-Reifen sollte das ungefähr ein Bar weniger sein als bei glatten Straßen. Dies wird sich auch vorteilhaft auf die Plattenresistenz auswirken. In St. George lagen in der Rennwoche noch relativ viele Rückstände auf der Straße, aus diesem Grund sollten keine superleichten Reifen ohne Pannenschutzschicht gefahren werden. 
  • Geschwindigkeiten in den Abfahrten werden für das Profifeld eine wichtige Rolle spielen, hohe Gänge werden wichtig sein, um die Maximalgeschwindigkeit auf den Abfahrten zu erhöhen. Jean-Paul Ballard: “Wir erwarten einige Attacken auf den Abfahrten!” 
  • Die Windrichtung mit dem höchsten Potenzial für die Aero-Performance, die durch den Segeleffekt in der höchsten Zeitersparnis resultiert, ist die aus dem Norden. Südwind bietet das kleinste Potenzial. 
  • Die Laufstrecke ist ebenfalls sehr hügelig und anspruchsvoll. Zusammen mit der Hitze am Nachmittag können Athleten auf der Laufstrecke profitieren, die beim Radfahren ein vorsichtigeres Tempo gewählt haben. Anders ausgedrückt: Diejenigen, die auf der Radstrecke zu viel investieren, können möglicherweise auf der Laufstrecke dafür bezahlen.
Auf und nieder, immer wieder: Nils Flieshardt am finalen Anstieg im Snow Canyon.

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Die Ironman-WM in St. George

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