Dreifachtriumph: Impressionen von den „Deutschen Meisterschaften“ in Lahti

Bei der Ironman-70.3-WM 2023 gehen Gold, Silber und Bronze überraschend an deutsche Triathleten: Rico Bogen, Frederic Funk und Jan Stratmann sorgen für den „Clean Sweap“ von Lahti. Das Rennen in Bildern.

Silke Insel / spomedis Neuer Weltmeister Rico Bogen.

Schon beim Schwimmen sind die Deutschen vorn

Pünktlich um 7:30 Uhr blitzen sogar ein paar Sonnenstrahlen durch die Wolken über Lahti: Bei besten Bedingungen kann das Rennen um die 17. Ironman-WM-Krone im 70.3-Triathlon starten. Und vom ersten der 1.900 Schwimmmeter an drücken die acht deutschen Profis dem Titelrennen ihren Stempel auf. Fünf von ihnen schwimmen in der großen Spitzengruppe mit und es ist Justus Nieschlag, einer der Geheimfavoriten auf den WM-Sieg, der das Feld nach 22:43 Minuten aus dem Wasser führt. Einen großen Vorsprung hat der Olympiateilnehmer von Tokio nicht. Innerhalb von 30 Sekunden folgen ihm 20 Athleten aus dem Hafenbecken und in die erste Wechselzone.

- Anzeige -

In Nieschlags Schlepptau befindet sich bereits der spätere Sieger Rico Bogen, der das Schwimmen als Vierter beendet. Außerdem ist Maximilian Sperl mit vorn dabei. Frederic Funk und Jan Stratmann hängen zwar noch ein paar Sekunden zurück. Mit dieser Ausgangsposition können beide aber sehr gut leben. Gar nicht läuft es dagegen für den Titelverteidiger. Eine Woche nach den Asian Open in Singapur schwimmt Kristian Blummenfelt überraschend deutlich hinterher. Mit viel Applaus kommen Lionel Sanders und Sam Long etwas mehr als zwei Minuten nach Nieschlag aus dem Wasser. Die beiden Publikumslieblinge sind bekanntermaßen schwache Schwimmer und starten jetzt ihre Aufholjagd.

Radrakete Funk macht bei den „Deutschen Meisterschaften“ Druck

Es braucht einige Kilometer raus aus der ersten Wechselzone, bis sich die Lage an der Spitze sortiert hat. Dann zeigt sich: Nicht nur Nieschlag und Bogen fahren ganz vorn mit. Auch Sperl und Stratmann halten das Tempo, während Funk von hinten aufholt. Wer zu diesem Zeitpunkt den Live-Stream einschaltet, reibt sich vermutlich verwundert die Augen. Im Ranking dominiert vor allem Schwarz-Rot-Gold und unvermittelt fühlt man sich an alte Hawaii-Zeiten erinnert. Doch weder der große Jan Frodeno noch Sebastian Kienle oder Patrick Lange sind in Lahti dabei. Es ist die manchmal etwas despektierlich genannte „Zweite Garde“, die heute ins Rampenlicht schwimmt, fährt und läuft.

25 Kilometer benötigt Funk, der in 1:55:14 Stunden den schnellsten Radsplit in den Asphalt brennen wird, um zur Spitzengruppe aufzuschließen. Fünf deutsche Profis sind hier jetzt vertreten, begleitet werden sie vom Franzosen Mathis Margirier und Joshua Lewis aus Großbritannien. Mehrmals versucht Funk, sich mit Attacken nach vorn abzusetzen. Doch die anderen Athleten sind auf der Hut und bleiben dran. Lediglich Sperl muss nach rund 55 Kilometern abreißen lassen. Und Blummenfelt, Sanders und Long? Die Topstars der Szene können keinen Boden gut machen. Blummenfelt fällt sogar zurück und Sanders wird durch ein Penalty gestoppt und später disqualifiziert.

Beim Laufen dreht Bogen dreht erst auf und dann fast durch

Mit sechs Athleten kurz nacheinander in T2 ist klar, dass der Halbmarathon die Entscheidung bringen wird. Funk und Margirier liegen zunächst vorn, doch es ist Rico Bogen, der am schnellsten anläuft. Den Leipziger hat in Lahti kaum einer auf dem Zettel. Doch mit Kilometerzeiten knapp über drei Minuten drückt der 22-Jährige mächtig auf die Tube. Nach 2,5 Kilometern übernimmt der Kraichgau-Sieger die Führungsposition, die er bis ins Ziel nicht mehr abgeben wird. Dahinter entwickelt sich ein spannender Dreikampf um Silber und Bronze, mit dem besseren Ende für Funk und Stratmann. Beide können Margirier ein- und überholen und sich die verbleibenden Plätze auf dem Podium sichern.

Emotionen pur beim phänomenalen Finish

In 1:11:02 Stunden läuft Bogen die schnellsten 21,1 Kilometer aus der ehemaligen Führungsgruppe. Angesichts des perfekten Rennverlaufs und des bevorstehenden Triumphs kommen ihm schon auf den letzten Kilometern vor der Finishline die Tränen. In Gedanken ist er außerdem bei seiner Schwester Bianca, die ebenfalls Triathletin ist und in diesen Tagen ihr erstes Kind erwartet. Auch Frederic Funk jubelt nach einem starken Rennen von vorn bis hinten ausgelassen über seine Platzierung und als sich Jan Startmann als Dritter dazugesellt, ist das deutsche Triathlonwunder von Lahti endgültig perfekt.

Mehr zum Thema

Fehler gefunden oder Feedback zu diesem Artikel? Bitte teile uns hier mit, was du loswerden möchtest oder was wir verbessern können!
Feedback unter Artikel

Tauche ein in die spannende Welt von triathlon+ und erfahre mehr Hintergründe, mehr Service und mehr Triathlonerlebnis – digital hier und auf Wunsch ohne Aufpreis monatlich in deinem Briefkasten.

Monatsabo

9,95 -
Jetzt mitmachen bei triathlon+
  • Zeitschrift inklusive!
  • volle Flexibilität
  • € 9,95 pro Monat
  • monatlich kündbar
Empfehlung!

Jahresabo

94,95 -
Größte Ersparnis bei triathlon+
  • Zeitschrift inklusive!
  • Mindestlaufzeit 12 Monate
  • danach monatlich € 9,95
  • nach 1 Jahr monatlich kündbar
- Anzeige -
Peter Jacob
Peter Jacob
Abitur, Studium der Sportwissenschaft und Volontariat bei dpa änderten nichts daran, dass Peter eines blieb: Ausdauersportler mit Leidenschaft. Auch wenn der Hamburger heute öfter die Laufschuhe schnürt, sind die Stärken des ehemaligen Leistungsschwimmers klar verteilt. Man munkelt, die Sportart Swimrun sei nur für ihn erfunden worden.

Verwandte Artikel

5 Takeaways zum Ironman Neuseeland: Geplatzte WM-Quali, Defekte und Überraschungen

Matthews setzt ein Ausrufezeichen, Foley überrascht, Blummenfelt kämpft und Jewett glänzt im Marathon – die fünf wichtigsten Takeaways aus Taupō.

Start der Pro Series 2026: Kat Matthews und Trevor Foley gewinnen Ironman Neuseeland, Frederic Funk scheidet aus

Beim Auftakt der Ironman Pro Series in Taupō dominierte Katrina Matthews die Konkurrenz und siegte überlegen. Dagegen landete Topfavorit Kristian Blummenfelt bei den Männern nur auf Platz sechs. Es triumphierte der US-Amerikaner Trevor Foley vor Langdistanzdebütant Pierre Le Corre aus Frankreich. Frederic Funk, einziger Deutscher im Feld, musste nach einem starken Auftritt auf dem Rad beim Marathon aufgeben.

ePaper | Abo

Unser Newsletter

Newsletter triathlon

Aktuelle Beiträge