Sonntag, 21. April 2024

Mehr Starter als Hotelbetten: Ironman sagt Alaska-Rennen ab

Was haben Kailua-Kona auf Hawaii, Lahti in Finnland und Juneau in Alaska gemeinsam? Alle drei Orte veranstalten Rennen der Ironman-Serie an so spektakulären Orten, dass viel hinwollen. Und alle sind zu klein, um den Ansturm schultern zu können. Das Rennen in Alaska wurde nun abgesagt.

Christian Petersen / Getty Images Bei der Premiere des Ironman Alaska im August 2022 hatten die Athletinnen und Athleten mit Kälte und Regen zu kämpfen.

Zehn Tage nach der Bekanntgabe, dass der Ironman Hawaii im Jahr 2023 nur mit einem Renntag stattfinden kann und alle Männer bis 2024 auf ihre Rückkehr nach Kailua-Kona warten müssen, hat der Rennveranstalter nun ein weiteres Nordamerika-Rennen absagen müssen. Der spektakuläre Ironman Alaska hat wahrscheinlich nur ein einziges Mal, am 7. August 2022, stattgefunden. Der nur auf dem Luft- und Wasserweg erreichbare Rennort Juneau ist offenbar zu klein, um das Rennen wirtschaftlich austragen zu können. Zu Engpässen kommt es vor allem bei der Unterbringung der Sportler, denn die Region bietet nur 1.300 Hotelbetten. Die Preise bei privaten Unterkünften stiegen – wie auch im Oktober in Kailua-Kona – bald auf über 1.000 US-Dollar pro Nacht.

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Zimmermangel auch bei WM-Rennen

Auch auf Hawaii hatte die lokale Community Bedenken gegen eine erneute Austragung der Ironman-Weltmeisterschaften an zwei Renntagen geäußert. Im Oktober waren die Rennen an einem Donnerstag und Samstag über die Bühne gegangen – sportlich und medial erfolgreich, aber zu viel für einige Einheimische. Ab 2023 wird das Rennen wieder nur am Samstag ausgetragen, im kommenden Jahr für die Frauen, in 2024 für die Männer. Die werden ihre Titelträger 2023 wahrscheinlich zuvor in Nizza suchen, wie verschiedene Quellen behaupten. Ironman möchte sich erst Mitte Januar zum Austragungsort äußern. Für die Teilnehmer des jeweiligen Jahres dürfte sich die Kostensituation dadurch entspannen, dass deutlich weniger Sportler und Anhänger nach Hawaii reisen werden.

Ähnlich schwierig, wie es zuletzt auf Big Island war, gestaltet sich auch die Unterkunftssuche für die Weltmeisterschaften über die halb so lange Ironman-70.3-Distanz Ende August 2023 im finnischen Wintersportort Lahti. Die Stadt selbst ist restlos ausverkauft, viele Athleten erwartet eine lange Anreise aus den „Nachbarorten“ im dünn besiedelten Land, einige werden für das Rennen und rundherum für Startnummernausgabe, Check-in, Siegerehrung und andere Termine aus dem 100 Kilometer entfernten Helsinki anreisen müssen.

Ironman: „Schwierige Entscheidung, den Ironman Alaska einzustellen“

Lahti hat nach offiziellen Angaben immerhin 120.000 Einwohner. In Kailua-Kona sind es nur etwas über 20.000, in der Region Juneau leben etwa 30.000 Alaskaner. Zu wenig Infrastruktur, um das Rennen weiter supporten zu können. „Als die Veranstaltung zum ersten Mal angekündigt wurde, stand Juneau bei vielen Athleten schnell ganz oben auf der Bucket List“, schreibt Ironman nun auf der Veranstalter-Website. „Obwohl wir im ersten Jahr mit einigen wetterbedingten Herausforderungen zu kämpfen hatten, war die Veranstaltung dennoch magisch. Das Team machte sich sofort an die Arbeit, um das Erlebnis für künftige Wiederholungen weiter zu verbessern. Obwohl wir eine wunderbare Gastgebergemeinschaft hatten, haben wir die schwierige Entscheidung getroffen, den Ironman Alaska einzustellen.“

Athleten, die sich bereits für die zweite Austragung des Rennens angemeldet haben, sollen eine E-Mail mit weiteren Details erhalten.

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32 Kommentare

  1. @Trimag, könnt Ihr nicht mal in Erfahrung bringen, ob es für Ironman keine Option darstellt, bei solchen Veranstaltungen eine deutlich geringere Teilnehmerbegrenzung, etwa bei 500 Startern, einzuführen? Ala Norseman oder so? Rechnet es sich nicht, selbst bei angepassten Startgeldern?

  2. Für mich ist es aktuell erstaunlich, dass jetzt (erst) ein Ironman-Bashing stattfindet. Spätestens als IM die europäischen Veranstalter einem strikten CI unterzogen hat und die Veranstalter in Klagenfurt und Frankfurt ihre kleine aber vorhandene Eigenständigkeit aufgeben mussten, wäre es zu erwarten gewesen.
    Zum Thema Preisgestaltung denke ich, dass es nicht erst jetzt sehr teuer ist bei einem IM zu starten. Für Roth 2001, Klagenfurt 2003 und Frankfurt 2005 waren damals auch schon zwischen 400 und 600 Euro fällig. Inklusive Übernachtung für 2 Nächte und 2 Personen und Anreise rund 1000 Euro.
    Zudem war es auch zu der Zeit schon üblich, dass Agegrouper auf Hawaii ohne persönliche temporäre Sponsoren gar nicht starten könnten.
    Zur Preisgestaltung im Allgemeinen ist meiner Meinung nach mal zu bedenken, wie es in Deutschland mit den Startgebühren aussieht. Allgäu Sprint über 100 Euro, eine OD ohne DTU-Startpass ca. 70 Euro. Ein Triathlon-Wochenende im Allgäu mit 2 Startern pro Familie ist m. M. für eine durchschnittliche Familie nicht zu stemmen. Da kann Hannes Blaschke noch so viel Kultschmalz aktivieren…😀

  3. Ironman ist amerikanisch vom Still her. Wir Aus Europa denken anders. Ich bin ebenso dafür das eine kribbelnde Sachlage gebracht wird. Sich mit Ironman mal auf Augenhöhezu begeben Ist dabei kein Aspekt. Sondern den klar zu sagen. IRONMAN,IHR zündel schon lange nicht mehr, Es geht rein darum dass das Feuer ausdem Steinkreis nicht noch weiter schiesst. Ironman ist im Egomodus

  4. Zum Thema Lahti kann ich nur sagen, dass da ein Problem auf gebauscht wird, dass nicht wirklich existiert. Die Anzahl von Hotelbetten in Lahti ist natürlich begrenzt da die Stadt nur 120.000 Einwohner hat, es gibt aber genügend Hotels in der Umgebung. Selbst wenn man in Helsinki übernachtet ist das kein ernsthaftes Problem. Man fährt nur knappe 45min mit dem Auto, außerdem gibt es einZug sowie über Land Busse die mehrfach in einer Stunde verkehret. Ich hatte eine Mitarbeiterin die jeden Morgen von Hollola (das ist entlang der Radstrecke) nach Helsinki zur Arbeit gekommen ist. In Roth ist die Situation auch nicht anders und da Beschwert sich auch keiner wenn er morgens von Nuernberg zum Start muss. Die Aufsplittung der IM WM ist natürlich was anderes, da verhält sich IM einfach nur unprofessional.

    Sporttisin terveisin aus Helsinki,

    Norman Zielke

  5. Dieser Sport für Selbstdarsteller, Poser und Authisten hat sich abgeschafft. Meine Meinung. Ich, Jahrgang 1957, kann nur noch träumen von meinen Triathlonzeiten damals, als der Mann noch ein Mann und Schiesser Feinripp noch ein Begriff war. Zu was für einer jämmerlichen Materialschlacht das Ganze sich ausarten würde, hätte ich nie für möglich gehalten.

    • Bin heuer auf der PTO MD (2/80/18) für AG in Samorin/Slowakei gestartet, hat €150 gekostet, Leistungen vergleichbar mit IM (Rucksack+T-Shirt+Handtuch; Streckenabsperrung, Verpflegung während/nach dem Rennen, etc.)
      Hoffe, dass die PTO zukünftig weitere Wettkämpfe, insbesondere auch LD, in Europa anbietet

  6. Gestern für eine Sprintdistanz in Weiden im Mai eingeschrieben..30 Euro..und: Beim Buchen hat etwas nicht geklappt, daraufhin bekam ich prompt eine persönliche Mail vom Veranstalter (kein Chatbot!) mit „Sorry, Problem sollte nun behoben sein..“…

    Es liegt wirklich an uns, dem „Markt“, ob wir „das alles“ so mitmachen, was IM etc. so veranstaltet. Bin gespannt, ob wir alle dann auch am Ende so konsequent handeln, wie es hier zum Teil ja klingt. Oder ob das alles nur ein Sturm im Wasserglas ist und wir dann irgendwann – wie ich als ehemaliger, begeisterter Fussballer (JG 59, Torwart weil zu faul zum laufen:)) – von den „guten alten Zeiten“ spreche…11 Freunde müsst ihr sein etc. Ich habe immer davon geträumt in 6 Jahren (AK 70) auf Hawaii zu starten, aber irgendwie habe ich den Antrieb dazu verloren…dann lieber mein Glück, so mein Körper und mein „Mind“ will, in Roth probieren..

  7. Typisch deutsch, meckern und 101% Bescheidwisser. War dieses Jahr als Zuschauer beim IM Kalmar von früh bis spät zur Finisher-Party. Der ganze Tag ein Triathlonfest mit vielen glücklichen Finishern.
    Danke IM dafür. Es kann nicht immer alles perfekt laufen und ja IM ist ein gewinnorientiertes Unternehmen. Eure Entscheidung ob Ihr die angebotene Dienstleistung in Anspruch nehmt.

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Frank Wechsel
Frank Wechsel
Frank Wechsel ist Herausgeber der Zeitschriften SWIM und triathlon. Schon während seines Medizinstudiums gründete er im Oktober 2000 zusammen mit Silke Insel den spomedis-Verlag. Frank Wechsel ist zehnfacher Langdistanz-Finisher im Triathlon – 1996 absolvierte er erfolgreich den Ironman auf Hawaii.

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