Normann Stadler triumphiert vor Chris McCormack

Normann Stadler fährt beim Ironman Hawaii 2006 mit Radstreckenrekord zum Sieg. Doch das Battle mit dem Australier Chris McCormack ist auf der Ziellinie noch lange nicht beendet.

Von > | 2. Oktober 2018 | Aus: SZENE

Normann Stadler fährt beim Ironman Hawaii 2006 auf dem Rad allen anderen auf und davon.

Normann Stadler fährt beim Ironman Hawaii 2006 auf dem Rad allen anderen auf und davon.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Einen kurzen Schockmoment erlebte die Kona-Küste wenige Tage vor dem Ironman Hawaii 2006 im wahrsten Sinne des Wortes, als ein Erdbeben die Region erschütterte und auch den Radkurs in Mitleidenschaft zog. Doch die Risse auf dem Queen Kaahumanu Highway waren schnell geflickt und so stand dem Showdown der besten Triathleten der Welt nichts mehr im Weg. Eigentlich wollte Normann Stadler schon im Vorjahr seinen Sieg aus dem Jahr 2004 wiederholen, doch technische Probleme machten ihm einen Strich durch die geplante Titelverteidigung. Entsprechend motiviert reist Stadler 2006 nach Kona – und legte gleich in gewohnter Manier los: Sein Rückstand nach dem Schwimmen ist kleiner als je zuvor, auf dem Rad prescht er in 4:18:23 Stunden zum Streckenrekord. Im Alleingang, was er später noch betonen soll.

Macca läuft am schnellsten

Doch sicher sein kann sich Stadler trotz eines Zehn-Minuten-Vorsprungs vor dem Marathon nicht. Denn Mitfavorit Chris McCormack gilt als stärkster Läufer im Feld, der Australier kommt tatsächlich Schritt für Schritt näher – und läuft mit 2:46:01 Stunden Tagesbestzeit. Stadler behält die Nase vorn und gewinnt nach 8:11:56 Stunden mit 72 Sekunden Vorsprung vor McCormack. Vorjahressieger Faris Al-Sultan wird Dritter.

Normann Stadler jubelt im Ziel des Ironman Hawaii 2006. Den Siegerkranz links unten im Bild lehnt er unwirsch ab – ein Affront gegen die hawaiianischen Gebräuche, für den er sich später entschuldigen muss.

Normann Stadler jubelt im Ziel des Ironman Hawaii 2006. Den Siegerkranz links unten im Bild lehnt er unwirsch ab – ein Affront gegen die hawaiianischen Gebräuche, für den er sich später entschuldigen muss.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Jones vor Ficker und Bentley

Das Rennen der Frauen sieht einen klaren Start-Ziel-Sieg der Australierin Michellie Jones. Die Zweite der Olympiapremiere von 2000 in Sydney setzt sich früh an die Spitze und feiert in 9:18:31 Stunden ihren ersten und einzigen Sieg auf Hawaii. Zweite wird mit über fünf Minuten Rückstand die US-Amerikanerin Desirée Ficker vor der Kanadierin Lisa Bentley. Titelverteidigerin Natascha Badmann finisht auf Platz 10.

Das Jahr der großen und kleinen Konflikte

Von hawaiianischer Gelassenheit – dem berühmten Hang-Loose-Feeling – ist auf Hawaii in diesem Jahr stellenweise nicht viel zu spüren. Viele Athleten bemängeln den zu kleinen Mindestabstand beim Radfahren von sieben Metern. Die laschen Anti-Doping-Regularieren der World Triathlon Corporation sorgen für Kritik auch vieler nationaler Triathlonverbände, die zudem die Vergabe von Meisterschaften durch die WTC wie die Ironman-70.3-WM in Clearwater und die Ironman-EM in Frankfurt unterbinden will.

Und auch unter den Athleten sind die Meinungsverschiedenheiten nicht mit dem Erreichen der Ziellinie auf dem Alii Drive beendet. Zum Eklat kommt es am Abend nach dem Rennen: Nach der Siegerehrung bezichtigt der stets sehr selbtsbewusst auftretende Normann Stadler den unterlegenen Chris McCormack auf der After-Show-Party, dass er sich auf dem Rad im Windschatten anderer nach vorn gehangelt habe. McCormack, auch kein Kind von Traurigkeit, wenn es um sein Verhältnis zu anderen Athleten abseits der Rennstrecke geht, kontert. Es kommt zu Wortgefechten und sogar Handgreiflichkeiten zwischen dem Sieger und dem noch einmal Geschlagenen. Und wer weiß, vielleicht hat Chris McCormack ja genau aus dieser Situation die Motivation gezogen, 2007 als noch besserer Triathlet nach Kailua-Kona zurückzukehren ...