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SzeneFür Hawaii-Sieger eine Titelseite. Und nicht nur eine halbe.

Für Hawaii-Sieger eine Titelseite. Und nicht nur eine halbe.

Sebastian Kienle 2014. Jan Frodeno 2015. Frodeno mit Kienle und Patrick Lange 2016. Lange 2017 und 2018. Die Auswahl der Cover unserer triathlon special zum Ironman Hawaii fiel in den vergangenen Jahren leicht. Es gab jeweils nur eine Möglichkeit, die wir (und unsere Leser) dankbar angenommen haben. Und wäre einmal kein Deutscher (hierzulande verkaufen wir naturgemäß die meisten Exemplare) als Erster ins Ziel gekommen, gab es immer noch eine auch hierzulande sehr beliebte Schweizerin als Rückversicherung. Vor dem Ironman Hawaii 2019 stand fest: Das hat sich bewährt, das wird wieder so gemacht!

Nun standen wir auf dem Alii Drive am Nachmittag des historischen Sonntags vor gerade einmal zehn Tagen vor einem echten Luxusproblem, um das uns die ganze Triathlonwelt beneidet: Zwei Deutsche haben den Ironman Hawaii gewonnen. Wow, what a feeling! Wirklich rechnen konnten wir im Vorfeld damit nicht wirklich – und standen nun vor der Frage: Was tun?

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Klar war: Es müssen auf jeden Fall beide Sieger abgebildet werden! Beide Sieger zusammen im Ziel auf einem Foto gab es allerdings nicht (erst spät in der Nacht, als es für eine Titelentscheidung schon zu spät war und die frischen Emotionen abgeklungen waren, gab es dieses Motiv). Zeit für die Gestaltung und die Papierbeschaffung für ein Aufklappcover oder eine aufwändige, dem Anlass und der Platzierung angemessene Bildretusche wie 2004 gab es ebenfalls nicht (damals hatten wir eine Kollage aus zweien, die als jeweils Erste durchs Ziel gelaufen waren, und mussten die Druckmaschinen nach der Information über eine positive A-Probe der einen anhalten, um neue Druckplatten mit nur noch dem anderen zu erstellen).

Denn unser Anspruch ist seit einigen Jahren: Wir wollen in weniger als einer Woche nach Zielschluss in den Briefkästen unserer treuen Abonnenten stecken (warum das gebietsweise trotzdem nicht geklappt hat, haben wir gestern im Podcast erläutert). Und dafür arbeiten nicht nur wir auf Hawaii, sondern auch unsere Kollegen in Hamburg auf Hochtouren, denn trotz der hohen Geschwindigkeit wollen wir weder an Qualität noch an Ästhetik des Specials sparen – trotz der jedes Jahr größer werdenden Onlineberichterstattung und den Livesendungen auf YouTube. Und ich glaube, dass uns das wieder einmal gelungen ist.

Zurück zur Frage: Was tun? Wir haben schon im Zielbereich an der Einmündung des Alii Drive auf die Palani Road entschieden, dass wir zwei Titel produzieren. Nur wie? Eine Idee war, zwei Teilauflagen zu drucken. Die andere: beide “Seiten” der Ausgabe zu nutzen, was ich persönlich viel charmanter fand. Wir haben schließlich zwei Weltmeister, keine zwei Halbweltmeister.

Ich habe also unsere Anzeigenabteilung freundlich, aber mit Nachdruck, darum gebeten, das (an einem Sonntag!) mit dem Kunden abzustimmen, der eine Umschlagseite gebucht hatte. Vielen Dank an Swiss Side, die sofort bereit waren, der Sache wegen mit ihrem Motiv in den Innenteil umzuziehen – an Gesten wie diesen erkennt man, in welchen Firmen und Marketingabteilungen echte Sportler für Sportler arbeiten!

Die Diskussionen hatten damit kein Ende: Wie sollten wir die beiden Umschlagseiten anlegen: Beide gleichlaufend oder versetzt? Wir haben entschieden, dass die Zeitschrift von beiden Seiten aufblätterbar sein soll: Von außen sollte es keinen Unterschied geben. Es sollte jedem Leser selbst überlassen sein, wie er die Zeitschrift auf den Kaffeetisch, ins Regal oder zuoberst auf den Stapel neben seinem Lieblings-Lese-Örtchen legt. Und sogar noch mehr: Trotz des enormen Zeitdrucks ist es uns mit unserem Nationalvertrieb noch gelungen, ein Schreiben an alle über 3.000 Verkaufsstellen zu gestalten und zu versenden – mit dem Wortlaut: “Doppelsieg beim Ironman Hawaii – Wendecover! Bitte beachten: Auf Hawaii hat die Ironman-Weltmeisterschaft stattgefunden und zum ersten Mal in der Geschichte gab es einen Doppelsieg für die deutschen Frauen und Männer. Zu dieser Ausgabe wird ein Wendecover mit beiden Siegern erscheinen (Vorder- und Rückseite). Bitte informieren Sie Ihre Händler darüber, dass beide Titelseiten in die Präsentation kommen.” Mehr kann man nun wirklich nicht tun!

Trotzdem hallte in den letzten Tagen ein Aufschrei durch das Internet (auch noch nach unserer Kommunikation des Doppelcovers und Zustellung des Specials), der uns Machomanieren unterstellt (bei spomedis arbeiten übrigens etwas mehr Frauen als Männer). Wir wissen (und wer uns kennt oder diesen Text gelesen hat, weiß das genauso), dass das komplett an der Realität vorbei geht. In unserer Berichterstattung finden Frauen und Männer gleichermaßen Präsenz und Aufmerksamkeit. Bei großen Rennen (wie auch insgesamt zum Ironman Hawaii) gibt es eine getrennte und gleichwertige Coverage. Auch wenn wir jedes Jahr nach dem Veröffentlichen des (Männer!-)Rennberichts die bissigen Kommentare, dass wir wohl die Frauen vergessen hätten, mit den Worten “Die sind doch noch gar nicht da …” beschwichtigen müssen …

Es ist kaum auszudenken, wie groß der Aufschrei gewesen wäre, hätte ein überdominanter Jan Frodeno mit seinem dritten Sieg als schnellster Hawaii-Finisher aller Zeiten nicht auf dem Titel stattgefunden. Wäre das Gleichberechtigung gewesen?

Die Diskussionen, die über unser Cover mal mit Halbwissen, mal mit bösen Unterstellungen, mal mit Vehemenz, aber bisher auf jeden Fall nicht mit uns in den sogenannten sozialen Medien im Sinne der Gleichberechtigung geführt werden, zeigen vor allem eins: Man kann seine Ziele, seien sie noch so lobenswert, auch selbst untergraben. Und so wie auf Hawaii der Sieg inzwischen fast “typisch deutsch” ist, so sind es auch manche Reaktionen hierzulande.

Mit unserer Entscheidung zur Umschlaggestaltung (und nur so) konnten wir umsetzen, was seit Jahren unser Anliegen ist: Ein deutscher Hawaii-Sieger bekommt auf Deutschlands Hawaii-Special Nr. 1 eine – seine oder ihre – Titelseite. Und nicht nur eine halbe Titelseite (es sei denn, wir haben ein deutsches Komplett-Podium).

Und wenn es auf Hawaii eines Tages eine Startgruppe für ein drittes Geschlecht geben wird, werden wir auch dafür eine Lösung haben, die wie auch hier als Wertschätzung zu verstehen sein wird. Und nicht als Kompromiss.

Frank Wechsel
Frank Wechsel
Frank Wechsel ist Herausgeber der Zeitschriften SWIM und triathlon. Schon während seines Medizinstudiums gründete er im Oktober 2000 zusammen mit Silke Insel den spomedis-Verlag. Frank Wechsel ist zehnfacher Langdistanz-Finisher im Triathlon – 1996 absolvierte er erfolgreich den Ironman auf Hawaii.
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