Ironman Hawaii 2004:
Normann Stadler jubelt auf dem Alii Drive

Sechs Jahre haben die Deutschen immer wieder angegriffen. Beim Ironman Hawaii 2004 gelingt Normann Stadler endlich wieder der Sieg, der erste seit Hellriegel 1997. Auch Nina Kraft läuft als Erste durchs Ziel.

Licht und Schatten liegen dicht beieinander am 16. Oktober 2004, der eine besondere Bedeutung in der Geschichte des Triathlons behalten wird: Normann Stadler siegt als zweiter Deutscher auf dem Alii Drive – und der Ironman verliert seine Unschuld. Doch der Reihe nach …

Stadler mit Radgewalt zum Sieg

Normann Stadler kann beim Ironman Hawaii nur eine Taktik – und die macht seinen Fans großen Spaß: Auf dem Rad will der Mannheimer “Überbiker” so viel herausfahren, dass niemand mehr beim Laufen an ihn herankommen kann. Mit dieser Taktik hatte Jürgen Zäck für Furore gesorgt, auch Thomas Hellriegel war so als “Hell on Wheels” 1997 zum bis dato einzigen deutschen Titel gefahren.

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Nach 50 Kilometern auf dem Queen Kaahumanu Highway will Stadler die frühe Entscheidung, die an diesem Tag heftigen Mumuku-Winde scheinen ihm nichts auszumachen. In der zweiten Wechselzone hat Stadler zehn Minuten Vorsprung. Die Verfolger kommen ebenfalls aus Deutschland: Stadlers Vereinskollege Alexander Taubert und der Münchner Faris Al-Sultan liegen zu Beginn des Marathon auf den Plätzen zwei und drei. Sie beide müssen den Kanadier Peter Reid passieren lassen, doch an den überragenden Deutschen kommt auch der dreifache Weltmeister nicht mehr heran.

In 8:33:29 Stunden feiert Stadler den Sieg beim Ironman Hawaii, von dem er 17 Triathlonjahre lang geträumt hat. Endlich hat sein Stil, den Ironman Hawaii zu gestalten, gefruchtet: “Ich habe sechs Jahre lang versucht, das Rennen auf dem Rad zu entscheiden”, sagt Stadler. “Heute ist meine Taktik aufgegangen.” Mit Stadler, Al-Sultan, Taubert und dem Achtplatzierten Timo Bracht finden sich wieder vier Deutsche unter den Top Ten.

Ironman Hawaii 2004 | Männer

16. Oktober 2004 | Kailua-Kona, Hawaii (USA)
PlatzNameLandGesamt3,86 km Swim180,2 km Bike42,195 km Run
1Normann StadlerGER8:33:290:54:274:37:582:57:53
2Peter ReidCAN8:43:400:53:125:01:382:46:10
3Faris Al-SultanGER8:45:140:50:394:55:442:54:51
4Alexander TaubertGER8:48:350:53:244:49:453:00:37
5Rutger BekeBEL8:54:260:54:354:59:572:55:55
6Torbjörn SindballeDEN8:58:450:53:074:48:513:12:32
7Cameron WidoffUSA8:59:250:51:314:59:363:04:07
8Timo BrachtGER9:03:110:54:544:58:423:05:59
9Rene RoveraFRA9:04:320:56:285:04:302:59:41
10Rynard TissinkRSA9:04:510:53:185:02:453:00:46

Kraft jubelt nicht

Auch Nina Kraft hat man schon einige Male jubeln sehen auf dem Alii Drive: Zweite war sie schon, zweimal Dritte. Doch heute läuft sie als erste über die Ziellinie und wirkt fast apathisch. Vielleicht ahnt sie, was wenige Tage später auf sie und die Triathlonwelt zukommen soll: Die Dopingkontrolle zeigt, dass Nina Kraft ihre Leistungsfähigkeit auch der Ausdauerdroge EPO zu verdanken hat. Kraft gibt den Betrug sofort zu – die lange erhoffte Erklärung zu Quellen, Hintermännern und Netzwerken bleibt sie bis heute schuldig.

Die zweitschnellste Natascha Badmann wird nachträglich zur Siegerin erklärt, sie gewinnt in 9:50:04 Stunden zum fünften Mal. Die mit ihrer Familie auf Hawaii lebende Tina Walter wird nach Krafts Disqualifikation als Neunte geführt, Nicole Leder als Zehnte.

Nina Kraft bestreitet später noch einige Ausdauerwettkämpfe, auch Triathlons. Sie lebt heute zurückgezogen in den USA.

Nina Kraft auf der Radstrecke des Ironman Hawaii 2004
Frank Wechsel / spomedis Nina Kraft betrügt sich, die Konkurrenz und den Sport: Das EPO-Doping gibt sie nach der positiven Probe sofort zu.

Ironman Hawaii 2004 | Frauen

16. Oktober 2004 | Kailua-Kona, Hawaii (USA)
PlatzNameLandGesamt3,86 km Swim180,2 km Bike42,195 km Run
1Natascha BadmannSUI9:50:041:01:365:31:373:11:45
2Heather FuhrCAN9:56:191:01:185:44:123:06:04
3Kae MajorAUS10:01:561:01:055:38:513:17:39
4Lisa BentleyCAN10:04:161:01:055:50:113:06:17
5Joanna LawnNZL10:05:100:56:375:46:093:17:44
6Belinda GrangerAUS10:07:060:59:085:38:263:21:07
7Lisbeth KristensenDEN10:08:550:56:335:41:253:26:29
8Fernanda KellerBRA10:10:491:01:155:47:403:18:05
9Tina WalterGER10:11:021:05:095:40:593:20:38
10Nicole LederGER10:13:461:01:065:59:563:08:21
Shit happens
Frank Wechsel / spomedis Ein Bild für die Sportgeschichte: Dieser Teilnehmer geht die letzten zehn Kilometer der Radstrecke auf Socken in die zweite Wechselzone, nachdem er mit einem Motorrad kollidiert war. Er erreicht am späten Abend das Ziel, bekommt für das Jahr 2005 einen Startplatz und ein neues Rad geschenkt.

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1 Kommentar
  1. Harald M.

    Wenn ich auf die Schwimm- und Radzeit von Torbjorn Sindballe schaue, kann ich gar nicht glauben, dass Al Sultan und Taubert die nächsten Verfolger nach dem Radsplit von Stadler gewesen sein sollen.

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