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Sensation in Lahti: Rico Bogen wird Ironman-70.3-Weltmeister vor Frederic Funk und Jan Stratmann

Drei Deutsche auf dem Podium, das gab es bisher noch nie: Rico Bogen feiert in Finnland seinen ersten Ironman-70.3-Weltmeistertitel. Der 22-Jährige siegt in 3:32:22 Stunden vor Frederic Funk und Jan Stratmann. Titelverteidiger Kristian Blummenfelt finisht abgeschlagen auf Rang 36.

Peter Jacob / spomedis Das deutsche Podium der Ironman-70.3-Weltmeisterschaften 2023 in Lahti: Frederic Funk (2.), Weltmeister Rico Bogen und Jan Stratmann (3.).

Das gab es noch nie in der Geschichte der Ironman-70.3-Weltmeisterschaften: Nach einem spannenden Rennen stehen in Lahti (Finnland) drei deutsche Profi-Triathleten auf dem Podium. Der 22-jährige Rico Bogen schreibt sich als vierter Deutscher in die Weltmeisterlisten des Mitteldistanz-Formats über 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21,1 Kilometer Laufen ein.

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Start im finnischen Sommerregen

Einen Tag nach dem Sieg von Taylor Knibb im Rennen der Frauen startete am Sonntag um 7:30 Uhr Ortszeit das Ironman-70.3-WM-Rennen der Männer. Bei regnerischen 13 Grad reihten sich die Profis im Yachthafen von Lahti auf. Nach dem Start bildete sich schnell eine lange Reihe, in der die Athleten sich ihren Weg durch den Vesijärvi und zum Schwimmausstieg an der Sibeliushalle bahnten.

Peter Jacob / spomedis Schwimmstart im See Vesijärvi im finnischen Wintersportort Lahti.

Schnellster Schwimmer des Tages war Justus Nieschlag, der nach 22:43 Minuten das Wasser verließ, dicht gefolgt von Jörgen Gunderson (Norwegen), dem US-Amerikaner Marc Dubrick und Rico Bogen, der acht Sekunden hinter dem Führenden aus dem See stieg. Dahinter folgten Ben Kanute (USA) und Menno Koolhaas (Niederlande) mit zehn Sekunden Rückstand. Maximilian Sperl (+14 Sekunden), Jan Stratmann (+18 Sekunden) und Frederic Funk (+26 Sekunden) lagen nach der ersten Disziplin in den Top 20. Titelverteidiger Kristian Blummenfelt, der am vergangenen Sonntag in Singapur den ersten Sieg für Norwegen auf der PTO Tour erzielt hatte, erwischte kein gutes Schwimmen und beendete die 1,9 Kilometer mit 1:16 Minuten Rückstand auf Position 27.

Peter Jacob / spomedis Als Erster aus dem Wasser: Justus Nieschlag.

Deutsche Meisterschaften an der Spitze

Nach dem Wechsel aufs Rad führte die 90 Kilometer lange Runde durch die finnische Landschaft, immer wieder sorgten Steigungen und Gefälle für Rhythmusunterbrechungen. Schnell bildete sich eine Führungsgruppe mit dem Franzosen Mathis Margirier, Joshua Lewis aus Großbritannien und den fünf Deutschen Funk, Bogen, Sperl, Stratmann und Nieschlag. Sperl konnte das Tempo auf dem Rad jedoch nicht mitgehen und musste die Konkurrenz ziehen lassen.

Während in der Spitzengruppe auf dem Rad nicht allzu viel passierte, arbeiteten der Amerikaner Sam Long und Lionel Sanders aus Kanada daran, ihren mehr als zwei Minuten großen Rückstand zu den Führenden zu verkürzen. Nach 50 Kilometern fuhren beide in der Verfolgergruppe, der Abstand zur Spitze war jedoch um einige Sekunden auf 2:30 Minuten angewachsen. Sanders Aufholjagd wurde jedoch durch eine Zeitstrafe wegen einer „Center Line Violation“, der unerlaubten Überquerung der Straßenmittellinie, unterbrochen, die den Kanadier einige Minuten zurückwarf. Später wurde er dafür sogar disqualifiziert.

Nach insgesamt 2:20:10 Stunden erreichte die sechsköpfige Gruppe die zweite Wechselzone. Während Long als Achter in der Verfolgergruppe auf die Laufstrecke ging, wechselte Sanders erst nach 2:31:08 Stunden und mit 10:57 Minuten Rückstand auf die Spitze in die Laufschuhe. Auch Blummenfelt konnte seinen Schwimmrückstand in der zweiten Disziplin nicht verkürzen. Bis zum Ende der Radstrecke wurde der Norweger immer weiter nach hinten durchgereicht. Bei seinem dritten Rennen in zehn Tagen stieg er mit 10:48 Minuten Rückstand vom Rad.

Rico Bogen dreht auf

Auf den zwei abschließenden Laufrunden drehte Rico Bogen von Beginn an auf. Der 23-Jährige ging hinter Funk und Margirier als Dritter auf die Laufstrecke und verkürzte seinen Abstand zu den beiden Männern vor ihm schnell, um nach etwas mehr als zwei Kilometern mit einem beherzten Angriff an einer Steigung die Führung zu übernehmen. Von diesem Punkt an baute er seine Spitzenposition immer weiter aus, lag zum Start der zweiten und finalen Runde 34 Sekunden vor dem Franzosen und 54 Sekunden vor Funk.

Peter Jacob / spomedis Rico Bogen läuft allein an der Spitze des Rennens.

Nieschlag, der auf dem Rad noch in der Spitzengruppe unterwegs war und als Vierter auf die Laufstrecke ging, musste den Kontakt nach vorn abreißen lassen. Nach der ersten Runde lief der Olympiateilnehmer von Tokio 2021 auf Rang acht hinter Long, der auf der ersten Laufrunde einen Platz gutgemacht hatte.

Funk übernimmt Platz zwei

Während Bogen seine Führung immer weiter ausbaute und sein Sieg ungefährdet schien, entbrannte dahinter ein Kampf um die weiteren Podestplätze. Funk lief immer näher an Margirier heran und überholte den Franzosen schließlich sechs Kilometer vor dem Zieleinlauf. Dahinter machte Stratmann Boden gut. Zwei Kilometer vor dem Ziel lief er schließlich an Margirier vorbei, der auf den letzten Metern zu kämpfen hatte.

Nach 3:32:22 Stunden lief Rico Bogen als neuer Weltmeister ins Ziel und ließ sich von den Fans in Lahti feiern, 1:04 Minuten später folgte Frederic Funk auf Platz zwei und Jan Stratmann machte nach 3:34:11 Stunden das deutsche Podium perfekt. Auf den Plätzen 13, 14 und 19 finishten Jonas Hoffmann (3:39,38 Stunden), Maximilian Sperl (3:39:41 Stunden) und Franz Löschke (3:42:40 Stunden) in den Top 20. Nach seiner Verletzung und dem damit verbundenen Trainingsrückstand in der dritten Disziplin musste Justus Nieschlag die Konkurrenz ziehen lassen. Nach einer guten Performance im Wasser und auf dem Rad erreichte er das Ziel nach 3:45:45 Stunden als 25. Nicolas Mann belegte nach 3:55:28 Stunden Platz 40 hinter Olympiasieger Kristian Blummenfelt, der als 36. ins Ziel lief (3:53:40 Stunden).

Peter Jacob / spomedis Ironman-70.3-Weltmeister 2023: Rico Bogen.

Ironman-70.3-Weltmeisterschaft | Profi-Männer

27. August 2023 | Lahti (Finnland)
PlatzNameLandGesamt1,9 km Swim90 km Bike21,1 km Run
1Rico BogenGER3:32:2222:521:56:171:11:02
2Frederic FunkGER3:33:2623:101:55:141:12:21
3Jan StratmannGER3:34:1123:021:55:561:12:40
4Mathis MargirierFRA3:35:0523:011:55:431:13:59
5Joshua LewisGBR3:36:4523:031:56:141:15:12
6Youri KeulenNED3:37:5724:191:58:071:12:35
7James TeagleGBR3:38:0823:491:59:011:12:55
8Marc DubrickUSA3:38:2822:502:02:591:10:20
9Thor Bendix MadsenDEN3:38:2924:051:58:421:12:58
10Menno KolhaasNED3:38:4322:542:02:401:10:36
13Jonas HoffmannGER3:39:3824:482:00:591:11:19
14Maximilian SperlGER3:39:4122:581:59:121:15:04
19Franz LöschkeGER3:42:4024:481:58:141:17:02
25Justus NieschlagGER3:44:1822:431:56:241:22:51
40Nicolas MannGER3:55:2823:392:03:391:25:28

Weltmeister kann es kaum glauben

„Unglaublich“, war die erste Reaktion von Bogen nach dem Rennen. „Ich kann es nicht glauben, so große Namen, gegen die ich hier angetreten bin – wie Kristian Blummenfelt. Ich bin erst 22 Jahre alt. Ich glaube, ich bin vielleicht der jüngste Weltmeister.“ Auch Ironman-70.3-Vizeweltmeister Funk freute sich sichtlich über seine Leistung: „Mein Ziel war es, besser als im letzten Jahr zu sein, also besser als Platz fünf. Ich habe ein paar Mal versucht, von der Gruppe wegzukommen, aber bei dem hohen Radniveau und der 12-Meter-Regel ist das schwer“, sagte er. „Beim Laufen habe ich mich ehrlich gesagt selbst überrascht, ich bin noch nie so gut gelaufen. Ich glaube, die Strecke liegt mir wirklich. Als Zweiter zu finishen, kann ich nicht glauben. Aber ich bin nur zweiter Deutscher.“ Jan Stratmann analysierte: „Ich habe Frederic Funk und Mathis Margirier die ganze Zeit gesehen. Mal habe ich fünf Sekunden gut gemacht, dann wieder sie“, sagte der Drittplatzierte über seinen Lauf. „Und dann plötzlich war der Franzose direkt vor mir. In genau dem Moment habe ich Seitenstechen bekommen und dachte, ich kann das nicht schaffen. Aber 1,5 Kilometer vor dem Ziel habe ich es einfach versucht.“ Ausführliche Interviews der Protagonisten folgen auf unserem YouTube-Kanal triathloninsider.

Peter Jacob / spomedis Siegerehrung in Lahti: Frederic Funk (2.), Weltmeister Rico Bogen und Jan Stratmann (3.) auf dem Podium der Ironman-70.3-Weltmeisterschaft.

Historischer Dreifachsieg

Das deutsche Podium ist eine Premiere bei den Ironman-70.3-Weltmeisterschaften und erinnert an die beiden Dreifach-Triumpfe der Deutschen bei der Langstrecken-WM von Ironman auf Hawaii 1997 durch Thomas Hellriegel, Jürgen Zäck und Lothar Leder und 2016 durch Jan Frodeno, Sebastian Kienle und Patrick Lange. Rico Bogens Sieg ist der siebte deutsche in 17 Jahren. Zuvor hatten bereits Michael Raelert (2009 und 2010 in Clearwater, USA), Sebastian Kienle (2012 und 2013 in Henderson, USA) und Jan Frodeno (2015 in Zell am See, Österreich, und 2018 in Port Elizabeth, Südafrika) den Titel nach Deutschland geholt. Bei den Frauen gab es noch keinen deutschen Sieg.

Die Geschichte der Ironman-70.3-WM

Alle Orte, alle Sieger
JahrOrtSiegerinSieger
2006Clearwater (USA)Samantha McGlone (CAN)Craig Alexander (AUS)
2007Clearwater (USA)Mirinda Carfrae (AUS)Andy Potts (USA)
2008Clearwater (USA)Joanna Zeiger (USA)Terenzo Bozzone (NZL)
2009Clearwater (USA)Julie Dibens (GBR)Michael Raelert (GER)
2010Clearwater (USA)Jodie Swallow (GBR)Michael Raelert (GER)
2011Henderson (USA)Melissa Rollison (AUS)Craig Alexander (AUS)
2012Henderson (USA)Leanda Cave (GBR)Sebastian Kienle (GER)
2013Henderson (USA)Melissa Hauschildt (AUS)Sebastian Kienle (GER)
2014Mont-Tremblant (CAN)Daniela Ryf (SUI)Javier Gomez (ESP)
2015Zell am See (AUT)Daniela Ryf (SUI)Jan Frodeno (GER)
2016Mooloolaba (AUS)Holly Lawrence (GBR)Tim Reed (AUS)
2017Chattanooga (USA)Daniela Ryf (SUI)Javier Gomez (ESP)
2018Port Elizabeth (RSA)Daniela Ryf (SUI)Jan Frodeno (GER)
2019Nizza (FRA)Daniela Ryf (SUI)Gustav Iden (NOR)
2020abgesagt
2021St. George (USA)Lucy Charles-Barclay (GBR)Gustav Iden (NOR)
2022St. George (USA)Taylor Knibb (USA)Kristian Blummenfelt (NOR)
2023Lahti (FIN)Taylor Knibb (USA)Rico Bogen (GER)
2024Taupō (NZL)
2025Marbella (ESP)
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14 Kommentare

  1. Das Ergebnis erinnert mich an Kona 1997 (Hellriegel, Zäck, Leder) und Kona 2016 (Frodeno, Kienle, Lange). Man muss abwarten was das Ergebnis wirklich wert ist, da sich der Fokus doch mehr auf die PTO rennen verlagert. Zumindest haben wir in Deutschland keine akuten Nachwuchssorgen, und einen Mika Noodt gibt es ja auch noch….

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Jule Radeck
Jule Radeck
Jule Radeck studierte Sportwissenschaften, bevor sie als Volontärin bei spomedis nach Hamburg zog. In ihrer Freizeit findet man sie oft im Schwimmbecken, manchmal auf dem Fahrrad und immer öfter beim Laufen, denn inzwischen startet sie in einem Liga-Team im Triathlon.

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