Freitag, 3. Februar 2023
€ 0,00

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

SzeneTrainingslager im Winter

Trainingslager im Winter

Das Wort “Trainingslager” allein bringt meine Augen schon zum Leuchten. Seitdem ich 13 Jahre alt bin, findet ein Trainingslager seinen Platz im Jahr. Ich mag es sehr, an anderen Orten zu trainieren, neue Strecken zu erkunden und einfach etwas Abwechslung zu haben. Auch der Austausch mit anderen sportbegeisterten Menschen tut immer wieder gut, und schlussendlich stellt ein Trainingslager auch immer einen Zwischenschritt auf dem langen Weg zu einer Wettkampfsaison dar. In den letzten Jahren bin ich im Winter mindestens einmal in den Süden geflüchtet, meistens in das Sporthotel “Las Playitas” auf Fuerteventura, wo man hervorragende Bedingungen zum Trainieren findet. Auch jetzt sind einige Profikollegen dort und die Bilder und Eindrücke lösen zugegebenermaßen auch ein Kribbeln in den Beinen aus: Jetzt “kurz/kurz” in der Sonne zu radeln, wäre schon auch cool! 

Winter Wonderland statt Sommergefühle

Ungefähr im September habe ich mir Gedanken zum Thema Trainingslager gemacht und mich aufgrund der Unsicherheiten, was Reisen betrifft, gegen einen Aufenthalt in der Wärme entschieden. Stattdessen fand ich Gefallen an der Idee ein Trainingslager im Engadin auszuprobieren. Da ich inzwischen in der Schweiz zuhause bin, war die Organisation um ein Vielfaches einfacher: Gleiches Land, gleiche Corona-Maßnahmen, Anreise mit dem Auto und im Notfall wäre man in drei Stunden wieder in der Heimat. Da ich bislang noch nie in der Höhe trainiert habe, war ich gespannt zu sehen, wie ich mich im Engadin fühlen werde, auch wenn es bei 14 Tagen Aufenthalt kein Höhentrainingslager im klassischen Sinn ist. Trotzdem erhofften mein Trainer und ich uns davon, ein paar Eindrücke sammeln zu können, die uns bei der Planung des nächsten Trainingslagers helfen werden. 

blank
privat “Trainingslager-Bubble”: Imogen Simmonds, Anne Reischmann (Mitte) und Fabian Dutli feilen auf der Rolle an der Form.
- Anzeige -

Mit den beiden Schweizer Profitriathleten Imogen Simmonds und Fabian Dutli, die genau wie ich von Reto Brändli betreut werden, habe ich zwei super Trainingskollegen und Mitbewohner, mit denen die Tage wie im Flug vergehen. Unsere durch Corona notwendige “Bubble” wird nur für das Schwimmtraining von Kollege Jannik Schaufler aus dem hey Sports Team sowie von vier Kurzdistanzlerinnen von Swiss Triathlon erweitert, die zur gleichen Zeit wie wir im Hallenbad trainieren. 

Durchgetaktet und vielseitig

Mein Tag hier beginnt morgens um 6.15 Uhr mit sämtlichen Messungen: HRV, Ruhepuls, Temperatur und Gewicht (alles messe ich auch zuhause), um neben des subjektiven Körpergefühls auch einige Daten zu sammeln, die Aufschluss über den Erholungszustand geben. Nach einem kleinen Frühstück startet unsere erweiterte Bubble um 7.30 Uhr mit dem Schwimmtraining im Hallenbad Ovavera. Dort bekommen selbst Morgenmuffel gute Laune, weil man direkt vom Wasser aus die Sonne über den verschneiten Bergen aufgehen sieht. Das mit der Sonne hat zugegebenermaßen in der ersten Woche noch nicht recht geklappt: In den ersten Tagen hat es fast ununterbrochen geschneit und sämtliche Wege, Loipen und Autos waren unter einer dicken weißen Schicht begraben. Im Laufe des Tages folgen dann üblicherweise ein bis zwei weitere Trainingseinheiten: Eine Mischung aus Langlauf, Rolle fahren, Athletik und Laufen. Athletik und Gymnastik verlegten wir, nachdem die Fitnessstudios schließen mussten, in unser multifunktionales Wohnzimmer. Vor allem zu Beginn des Trainingslagers bewegten wir uns bei allen Einheiten in niedrigen Intensitäten. Nach einigen Tagen hatten wir dann in ein paar Trainings kurze und intensive Belastungen von 30 bis 60 Sekunden mit langen Pausen. Insgesamt habe ich besonders an den ersten drei Tagen gemerkt, dass mich sämtliche Bewegungen auch im Alltag mehr zum Schnaufen bringen als gewöhnlich, seitdem fühle ich mich aber gut. Viel Schlaf in der Nacht, immer wieder Ruhephasen zwischen den Trainingseinheiten und regelmäßige Entlastungstage tun immer wieder gut! Schauen wir mal, wie es mir nach den beiden Wochen geht und welche Schlüsse wir langfristig daraus ziehen werden. 

blank
privat Ein Tag im Trainingslager ist stets durchgetaktet und beginnt in der Regel im Schwimmbad.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass mir bewusst ist, dass vermutlich nicht alle Leser und Leserinnen ein Trainingslager in der momentanen Situation nachvollziehen können – eine Meinung, die ich durchaus verstehen kann und um die ich mir immer wieder Gedanken gemacht habe. Aber für mich war dieses Trainingslager nun ein Mittelweg zwischen einerseits notwendiger Vorsicht, Rücksicht und Respekt gegenüber unseren Mitmenschen, andererseits aber auch, mich als Berufssportlerin weiterzuentwickeln und zu verbessern.

Anne Reischmann
Anne Reischmannhttp://annereischmann.de/
Anne Reischmann wurde am 4. April 1992 geboren und lebt in Winterthur in der Schweiz und in Ravensburg. An der Universität Konstanz studierte sie Lehramt. Seit 2019 ist sie Triathlon-Profi im hep Sports Team, ihr Coach ist der Schweizer Reto Brändli. Die größten Erfolge der ehemaligen Leichtathletin (Deutsche Vizemeisterin U23 über 5.000 Meter 2013) sind der Sieg beim Allgäu-Triathlon 2018 und der 2. Platz beim Ironman 70.3 Les Sables d’Olonne 2019.
- Anzeige -

Kommentiere den Artikel

Bitte gib hier deinen Kommentar ein (und bitte sei dabei fair anderen gegenüber)!
Bitte gib deinen Namen ein

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Aktuell sehr beliebt

00:48:28

Thorsten Schröder: Mahalo, Hawaii!

Thorsten Schröder hat im Oktober 2022 zum zweiten Mal den Ironman Hawaii gefinisht. In einer YouTube-Serie hat er seine Fans und Mitstreiter das ganze Jahr über mitgenommen auf die große Reise. Hier kommt der letzte Film.

Challenge Roth passt die Startgelder an: “Rundum-Sorglos-Paket” ist ab 2024 inklusive

Künftig kostet das Event im Frankenland 679 statt 599 Euro. Dafür kommt der Veranstalter den Athleten mit einem Upgrade entgegen.

Langdistanz auf dem Leihrad: Bei der Challenge Roth kann man Wettkampfräder mieten

Die Organisatoren bieten den angemeldeten Athleten die Möglichkeit, die zweite Disziplin mit einem Leihrad in Angriff zu nehmen. Zur Auswahl stehen fünf Modelle und ein umfangreicher Service, damit die 180 Kilometer erfolgreich bewältigt werden können.

Carbon & Laktat: Kienle auf dem Weg nach Norwegen! Iden auf dem Weg zum GOAT?

Vom Start Kienles beim Norseman über die eigenen Ziele in der kommenden Saison bis zu Gustav Iden, der die GOAT-Frage noch nicht richtig beantworten möchte, Nils Flieshardt und Lars Wichert freuen sich gemeinsam auf die anstehende Saison.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

In ihrer Vorbereitung auf den Swissman 2023 wechselt Sonja Tajsich vorübergehend die Sportgeräte. Hier berichtet sie über das Wagnis Wintertriathlon.

“Ich habe ein bisschen Angst”: Sebastian Kienle startet beim Norseman

Bei seiner Abschiedstournee hat Sebastian Kienle sich hohe Ziele gesetzt. Er möchte den Norseman gewinnen.

ePaper | Kiosk findenAbo

58,355FansGefällt mir
52,533FollowerFolgen
24,100AbonnentenAbonnieren

Aktuelle Beiträge