Montag, 3. Oktober 2022
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SzeneVon der Läuferin zur Triathletin

Von der Läuferin zur Triathletin

Schon als Kleinkind hatte ich mein erstes Triathlon-Finishline-Erlebnis. Auf dem Arm meines Onkels Jens Lehnen durfte ich mit dem Sieger die Ziellinie des Ravensburger Triathlons überqueren. Genau 22 Jahre später konnte ich dieses Rennen selbst gewinnen. Für mich ein besonderer Moment und der ausschlaggebende Grund, mich nach zwölf Jahren von der Leichtathletik zu verabschieden und etwas Neues zu probieren. 

Meine ganze Familie ist sportbegeistert und unsere Wochenenden waren schon früh geprägt von sportlichen Wettkämpfen. Wir vier Kinder nahmen regelmäßig an Stadt- und Crossläufen in der Region teil und im Alter von acht Jahren bin ich dem Leichtathletikverein beigetreten. Ich mochte die Vielfalt der Disziplinen beim Leichtathletik-Mehrkampf, auch wenn mir schnell klar wurde, dass der Ballwurf nicht zu meinen Stärken gehört, der abschließende 800-Meter-Lauf dagegen schon. Ein paar vereinzelte Ausflüge zum Triathlon gab es tatsächlich auch schon vor 2016, aber so richtig ist der Funken nie übergesprungen. 

In jungen Jahren zum Leistungssport

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Mit zwölf habe ich in die Gruppe von Birgit und Eckhardt Sperlich nach Friedrichshafen gewechselt. Im „Team Monte Gero“, einer reinen Läufergruppe, habe ich mich sofort sehr wohl gefühlt. Birgit und Eckhardt hatten ein Team aufgebaut, das gemeinsam sehr viel Spaß im Training hatte, trotzdem professionell trainierte und auch bei Wettkämpfen erfolgreich war. Meine größten Erfolge in der Leichtathletik waren der Deutsche Vizemeistertitel 2013 in der U23 über 5.000 Meter sowie zwei Teilnahmen bei den Europameisterschaften im Crosslauf. Neben diesen schönen und erfolgreichen Momenten, gab es aber auch immer wieder Tiefschläge in Form von Verletzungen und auch Wettkämpfen, in denen ich weit hinter meinen Erwartungen geblieben bin. So auch 2016.

Eckhardt Sperlich Im Crosslauf schafft es Anne bis zur Europameisterschaft.

Im Januar 2016 hielt mich eine Entzündung am Knie vom Laufen ab. Um dennoch fit zu bleiben, schloss ich mich den Triathleten in meiner Unistadt Konstanz an und trainierte im Wasser und auf dem Rad. Erst Anfang April war ich wieder schmerzfrei und begann langsam mit dem Lauftraining. Auch wenn die Vorbereitung für die Leichtathletiksaison nur wenige Wochen umfasste, war es mein Ziel, mich für die Deutschen Meisterschaften zu qualifizieren. Die dafür geforderte Norm war in den Jahren zuvor keine Hürde, in diesem Jahr erlebte ich aber in jedem Qualifikationsrennen eine Klatsche. Ich war weit entfernt von meinem Ziel! Meine Motivation und mein Selbstvertrauen schrumpften entsprechend und um wieder Spaß am Training zu bekommen, meldete ich mich für die Deutschen Hochschulmeisterschaften im Triathlon in Mönchengladbach an. Ich bin ein Mensch, den Ziele in Form von Wettkämpfen stark motivieren und so änderte sich auch meine Gemütslage von einem zum anderen Tag: Die Motivation und Freude am Sport waren zurück und ich stand in Mönchengladbach ganz ohne Druck über die Sprintdistanz an der Startlinie. In diesem Rennen habe ich zwar einige lustige Anfängerfehler gemacht, über die ich vielleicht in einem der nächsten Blogbeiträgen berichten werde, aber das Wichtigste war: Ich habe es genossen und wusste schon im Zielbereich, dass ich unbedingt noch einen Triathlon machen möchte. Übrigens: Über die abschließenden fünf Kilometer bin ich 17:34 Minuten gelaufen, was nur wenige Sekunden über der Norm für die Deutschen Leichtathletikmeisterschaften war. Da sieht man einmal mehr, welch großen Einfluss der Kopf und die mentale Einstellung haben. 

Alles auf eine Karte?

Durch zwei Freundinnen aus Konstanz, die für den DAV Ravensburg starteten, fand ich schnell in ein Team, mit dem ich die letzten beiden Rennen in der Baden-Württemberg-Liga bestreiten durfte. Mit dem Sieg bei meinem Heimrennen in Ravensburg fand die Saison 2016 dann doch einen sehr schönen Abschluss. Und dann? Leichtathletik oder Triathlon? 

Es mag euch überraschen, aber die Entscheidung ist mir nicht schwergefallen. Zu viel Spaß hatte ich an den Wettkämpfen und zu neugierig war ich, zu sehen, wie weit ich es im Triathlon nach vorn schaffen kann. Ich hatte richtig Lust, neue Techniken zu lernen und an den Basics zu arbeiten. Mit meinem Onkel Jens Lehnen hatte ich einen Trainer in meiner Familie, der mich sehr gut kennt und der mich vor allem im Schwimmen sehr intensiv betreut hat. 

Joel Scham

Dadurch, dass ich fast mein ganzes Leben lang Wettkampfsport gemacht und früh gelernt habe, Training mit der Uni und Freunden zu organisieren, fiel es mir nicht schwer, einen hohen Trainingsumfang zu leisten. Das hat sich auch in meiner Leistungsentwicklung und den Ergebnissen widergespiegelt: 2017 konnte ich die Gesamtwertung der Baden-Württemberg-Liga gewinnen und finishte meine erste Mitteldistanz als schnellste Altersklassenathletin in Heilbronn. 2018 habe ich den Rhein-Neckar-Cup für mich entschieden und konnte beim Allgäu Triathlon meinen ersten großen Sieg über die Mitteldistanz feiern. Im November 2018 habe ich mein Studium (Gymnasiallehramt Latein und Sport) in Konstanz mit dem ersten Staatsexamen abgeschlossen und mich entschieden, nicht ins Referendariat zu gehen, sondern meine ganze Energie in den Sport zu investieren. Seit 2019 starte und lebe ich somit als Profi-Triathletin. Größte Unterstützung erfahre ich durch meine Familie und meinen Freund Joel, der mich sehr oft im Training begleitet und dafür sorgt, dass ich eine gesunde Balance zwischen Triathlon und anderen Dingen im Leben finde. Wenn es der Trainingsplan zulässt, sind wir beispielsweise sehr gerne in den Bergen unterwegs oder mit Freunden beim „Beachen“. 

Was ursprünglich als Experiment begonnen hat, plane ich nun langfristig mit dem Ziel mich der Top Ten der Welt auf der Mitteldistanz anzunähern, denn ich habe genau so viel Freude und Ehrgeiz wie in 2016 und bin überzeugt, dass ich mich in allen Disziplinen nach wie vor verbessern kann. Darüber hinaus freue ich mich, euch mit regelmäßigen Blogbeiträgen auf diese Reise mit seinen Höhen und auch Tiefen mitzunehmen und euch einen Einblick zu geben, wie es mir als Quereinsteigerin ergangen ist und mit welchen Herausforderungen ich es als Neu-Profi zu tun habe.

Anne Reischmann
Anne Reischmannhttp://annereischmann.de/
Anne Reischmann wurde am 4. April 1992 geboren und lebt in Winterthur in der Schweiz und in Ravensburg. An der Universität Konstanz studierte sie Lehramt. Seit 2019 ist sie Triathlon-Profi im hep Sports Team, ihr Coach ist der Schweizer Reto Brändli. Die größten Erfolge der ehemaligen Leichtathletin (Deutsche Vizemeisterin U23 über 5.000 Meter 2013) sind der Sieg beim Allgäu-Triathlon 2018 und der 2. Platz beim Ironman 70.3 Les Sables d’Olonne 2019.
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