Auf der Suche nach dem perfekten Hawaii-Helm

Maja Stage Nielsen war Dritte beim Ironman Hamburg und geht zum zweiten Mal in Kona an den Start. Vor dem Kofferpacken stand die Dänin vor der Frage: Welches ist der beste Helm für den Ironman?

Von > | 11. September 2018 | Aus: EQUIPMENT

Maja Stage Nielsen und Sebastian Schluricke bei der Vorbereitung der Aerodynamik-Testfahrten.

Maja Stage Nielsen und Sebastian Schluricke bei der Vorbereitung der Aerodynamik-Testfahrten.

Foto >Niels A. Schuldt

Die dänische Profitriathletin Maja Stage Nielsen ist hierzulande zuletzt als Drittplatzierte des Ironman Hamburg aufgefallen. Mit der Erfahrung des zwölften Platzes bei ihrem Kona-Debüt 2017 geht die zweifache EM-Zweite auf der Mitteldistanz mit einem klaren Top-Ten-Ziel in den Ironman Hawaii 2018. In diesen höchsten Leistungsklassen spielt das Equipment eine große Rolle, besonders bei den Extrembedingungen des Radfahrens auf dem Queen Kaahumanu Highway: Hitze, eine hohe Luftfeuchtigkeit und die unberechenbaren Mumuku-Winde, die mal von vorn, oft von der Seite und viel zu selten von hinten kommen, verlangen viel Fingerspitzengefühl bei der Entscheidung für die windanfälligen Ausstattungsstücke.

Für die Wahl des passenden Helms hat sich Maja Stage Nielsen an die Experten der Flensburger Spezialisten von Aerotune gewendet, mit denen auch die triathlon-Redaktion schon einige Materialtests durchgeführt hat. Aerotune hat ein Verfahren entwickelt, mit dem ein Radfahrer seine Aerodynamik selbst messen kann. Dafür braucht der Sportler nicht mehr als einen in der Basisversion kostenlosen Zugang zur AeroDATA-Plattform und einen Garmin-Radcomputer, auf den er die Aerotune-App spielt. Für jeden Testdurchgang eines speziellen Set-ups oder einer Sitzposition fährt er dann eine Strecke von einem Kilometer je einmal pro Richtung. Nach der Übertragung der Daten per Smartphone und Auswertung durch das System kann er dann seinen CdA-Wert, sozusagen das Maß für die Aerodynamik, auf dem Display ablesen. Das System erkennt auch, wie valide die Messung war und wie oft der Vorgang gegebenenfalls wiederholt werden sollte, um möglichst exakte Werte zu erhalten.

Die Frage aller Fragen

Maja Stage Nielsens Fragestellung war: Welcher Helm hat in Kona den besten Kosten-Nutzen-Effekt? Dabei ging es für die Athletin und die Aerotune-Experten jedoch nicht um das Verhältnis von Anschaffungspreis und Aerodynamik, sondern das für Hawaii besonders wichtige Verhältnis von Aerodynamik und Temperatur: Wie kann ich meinen Luftwiderstand auf dem Queen Kaahumanu Highway optimieren und trotzdem genug Belüftung und damit Kühlung in den Lavafeldern erhalten? Eine Frage, die viele Athleten auf dem Weg zum Ironman Hawaii bewegt ... 

Sebastian Schluricke, Geschäftsführer bei Aerotune, umschreibt die äußerst komplexe Problematik: „Die Aerodynamik ist immer etwas Individuelles, da sind Pauschalaussagen nicht möglich. Auch die Thermoregulation des Menschen ist ähnlich individuell, wie vorherige Weltklasseathleten schon bewiesen haben. Das subjektive Hitzeempfinden ist ebenfalls zu berücksichtigen. Ähnlich verhält es sich auch bei der Aerodynamik und Biomechanik, auch hier gilt es wieder Kompromisse zu finden. Manchmal ist besser, auf aerodynamische Verbesserungen zu verzichten, um dafür mehr Komfort und Stabilität zu erhalten. Wir haben versucht, dies zusammen mit Maja im Bereich der Helme zu erreichen, und haben Hitzeempfinden sowie Wärmeregulierung dem Komfort zugeordnet.“ Sein Geschäftspartner Niels A. Schuldt fügt hinzu: “Wir sind gerade daran, mit verschiedenen Messsensoren das Optimum herauszuholen. Viele Sachen sind in der Theorie gut, aber nur Langzeitmessungen unter Wettkampfbedingungen geben aussagekräftige Ergebnisse. Mit Maja sind wir in diese Materie vorgestoßen und werden in naher Zukunft mit verschiedenen Temperatursensoren arbeiten und auch die Messung der Kerntemperatur integrieren. Das ist nur der Anfang, das wird ein spannender Weg!”

Maja Stage Nielsen während einer Aerotune-Testfahrt

Maja Stage Nielsen während einer Aerotune-Testfahrt

Foto >Niels A. Schuldt

Vier unterschiedliche Helmkonzepte im Test

Getestet wurden insgesamt vier verschieden Helme unterschiedlicher Bauart in fünf Tests. Maja Stage Nielsen testete zuerst ihr Standard-Set-up, bei dem ihr MET "Drone Wide Body" mit Visier zum Einsatz kam. Das war die Baseline für den Vergleich mit den Optionen: 

  • Visier statt Sonnenbrille
  • Aero-Straßen-Radhelm
  • kurzer, besser belüfteter Aerohelm
  • flächenmäßig großer Aerohelm

Bei der Auswertung vergibt das Aerotune-System sogenannte aeroPOINTS, um Verbesserungen auszudrücken. Hierbei entspricht ein aeroPOINT einer Verbesserung des CdA-Werts von 0,01 qm.

Was bedeuten 40 Sekunden für den Marathon?

Maja Stage Nielsen fasst nach einem langen Testtag die Erkenntnisse zusammen: “Die aerodynamischen Auswirkungen spielen sich im Bereich von plus/minus 0,3 aeroPOINTS ab, was auf meine Leistungen einen zeitlichen Unterschied von zwei Minuten zwischen dem langsamsten und schnellsten Set-up ergibt. Wenn ich mir die Optionen anschaue, die aufgrund der Temperaturentwicklung in Frage kommen, dann sind wir bei ungefähr 40 Sekunden. Aber was bedeuten schon 40 Sekunden auf dem Rad, wenn ich dadurch besser laufen kann? Ich habe für mich sehr viel für Kona mitgenommen und bin mit meinen MET-Set-up sehr zufrieden.”

Doch was heißt das jetzt für den Agegrouper, der aktuell vor der gleichen Fragestellung steht? Dazu schauen wir etwas tiefer in die Daten von Maja Stage Nielsen. Der von ihr benutzte MET "Drone Wide Body" hat sich ohne Visier nicht nur aerodynamisch, sondern auch von den Kühlungseigenschaften verbessert. Mit dem MET "Manta" als Aero-Straßenhelm verhält es sich ähnlich, wenn auch minimal schlechter, er bringt jedoch noch einmal deutlich mehr Kühlung, während der hier im Test eingesetzte "Speed Time" von Casco gleichwertig bei besserer Belüftung und der UVEX "Race 8" sich dann etwas besser vom Speed unter schlechteren klimatischen Bedingungen herausstellte.

Sebastian Schluricke meint hierzu: “Die finale Entscheidung muss jeder Athlet selbst treffen. Maja ist eine Athletin, bei der die Ausgangssituation und die physikalischen Rahmenbedingungen einfach sehr viele Möglichkeiten beim Einsatz des Helms geben. Das ist nicht bei jedem Athleten so. Um das herauszufinden, gibt es nur einen Weg – und der heißt testen, testen und testen. Unser Ziel ist es, das für jeden zugänglich zu machen, und mit unserem aeroTEST ist das schon heute für jeden Athleten der Fall.“

Aerotune-Special für Kona-Starter

Die Freemium-Version von Aerotune ist kostenlos, die Premium-Version kostet entweder 49 Euro monatlich oder 199 für ein ganzes Jahr. Teilnehmer des Ironman Hawaii 2018 erhalten einen Rabatt von 30 Prozent, wenn sie eine Kopie ihrer Teilnahmebestätigung an info@aerotune.com senden.