Mittwoch, 28. September 2022
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SzeneFrederic Funk: „Am liebsten würde ich Gustav Iden schlagen“

Frederic Funk: „Am liebsten würde ich Gustav Iden schlagen“

José Luis Hourcade

Am Sonntag um 9 Uhr wird es ernst für Frederic Funk. In der x-bionic Sphere im slowakischen Šamorin feiert der 24-Jährige seinen Saisoneinstand auf der Mitteldistanz, nachdem er vor zwei Wochen bereits über die Kurzdistanz in Buschhütten erfolgreich gewesen ist. Beim Challenge-Rennen „The Championship“ erwartet ihn mit Gustav Iden, Kyle Smith, Pieter Heemeryck und Collin Chartier starke Konkurrenz. Schon eine Woche später startet Funk beim Ironman 70.3 Kraichgau, da er dort die Qualifikation für die Ironman-70.3-WM schaffen möchte. Wir haben die aktuelle Nummer 25 des PTO-Rankings vor dem Wettkampf in Šamorin am Telefon erwischt und über die Vorbereitung, Zielsetzung, Konkurrenz sowie Strava-Daten gesprochen.

Der abgesprochene Anruf geht raus, ein Freizeichen ertönt, Frederic Funk geht ran.

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Hallo, spreche ich dort mit dem König von Buschhütten?
Ja, genau, der ist dran (lacht).

Der Wettkampf im Siegerland markiert für dich einen erfolgreichen Saisonstart, zumindest auf der Kurzdistanz. Warum bist du dort gestartet und wie wichtig war dieser Erfolg für dich?
Es war eigentlich nur als Test gedacht. Mein erstes großes Rennen folgt am Sonntag in Šamorin. In den letzten Jahren ist mein erstes Saisonrennen eigentlich immer schief und nicht nach meinen Vorstellungen gelaufen. Daher wollte ich The Championship nicht als erstes Rennen in der Saison bestreiten. Ich habe also davor noch einen Wettkampf gebraucht und Buschhütten über die olympische Distanz hat sehr gut in meinen Plan gepasst. Ich bin ohne Erwartungen in den Wettkampf gegangen, aber der Erfolg gibt mir Selbstvertrauen für die kommenden Rennen.

Vor deinem Auftakt warst du im Höhentrainingslager. Im vergangenen Jahr bist du direkt aus der Höhe zur Mitteldistanz nach Gran Canaria geflogen und 15. geworden, ehe du im späteren Verlauf St. Pölten, Walchsee und die Challenge Peguera gewonnen hast und in Šamorin bei The Championship Dritter geworden bist. Inwiefern hast du deine Lehren aus dem vergangenen Jahr gezogen?
Das stimmt, im vergangenen Jahr war mein erstes Höhentrainingslager. Da hat der Wettkampf direkt aus der Höhe kommend nicht gut funktioniert. Drei Wochen später war ich aber richtig gut drauf. Daher wissen wir, dass die Form zu diesem Zeitpunkt vermutlich stark sein wird. Dieses Mal wusste ich eine Woche nach dem Höhentrainingslager nicht genau, wo ich stehe, es hat aber in Buschhütten ganz gut geklappt. Jetzt folgt drei Wochen nach der Höhe das Rennen in Šamorin.

Wo lagen die Schwerpunkte im Training in der Höhe für dich?
Wir haben nicht viel verändert, im Vergleich zum vergangenen Jahr. In der Höhe zu trainieren, ist anspruchsvoll von der Trainingssteuerung her. Die erste Woche habe ich relativ wenig absolviert, um mich anzupassen. Die Intensitäten kommen dann nach einer Woche. Die zweite Hälfte des Trainingslagers haben wir viel im Bereich Schwellentraining und rennspezifische Einheiten absolviert.

Man kann deine Trainingsdaten bei Strava öffentlich einsehen. Das machen einige Athleten, aber längst nicht alle. Inwiefern ist das eine Philosophiefrage für dich?
Das ist in der Tat eine Philosophie von mir geworden, meine Daten zu teilen. Es macht mir einfach Spaß. Ich fand es schon immer cool, das bei anderen zu sehen und möchte selbst auch transparent sein. Das scheint sehr gut angenommen zu werden und die Leute zu motivieren. Ich verstehe gar nicht, warum Athleten ein Geheimnis daraus machen wollen. Man kann ja mal probieren, das nachzutrainieren (lacht), das funktioniert doch meistens sowieso nicht – ich glaube also nicht, dass ich etwas verbergen muss.

Es macht mir Spaß, meine Daten bei Strava zu teilen. Ich verstehe nicht, warum Athleten ein Geheimnis daraus machen wollen.

Frederic Funk

Die Strecke in Šamorin kennst du ganz gut. Du bist im vergangenen Jahr Dritter geworden. Was macht das Rennen rund um die x-bionic Sphere mit 20-Meter-Regel für dich aus?
In Šamorin wird der Abstand tatsächlich kontrolliert. Dementsprechend muss jeder sein Rennen für sich gestalten, weil der Windschatteneffekt wegfällt. Das kommt mir als gutem Radfahrer zugute. Außerdem muss man die kompletten 90 Kilometer auf dem Auflieger liegen, man hat keine Pause. Das ist auf eine andere Weise hart und eine deutlich anspruchsvollere Radstrecke als ein Kurs mit 1.000 Höhenmetern. Das sieht man vor allem bei Athleten, die nicht ganz so erfahren sind – und am Ende hochgehen. Die Laufstrecke hat es ebenfalls in sich. Das ist ja fast ein Crosslauf, mit der Pferderennbahn und dem Abschnitt auf Gras. Es ist einfach ein anspruchsvolles Rennen von Anfang bis Ende. Auch wenn mir bergige Stecken mit anspruchsvollen Abfahrten liegen, kommen mir 90 Kilometer Zeitfahrposition und eine Laufstrecke, auf der viel Kraft benötigt wird, durchaus entgegen.

Am selben Ort findet etwas später im Jahr noch ein anderes Rennen statt. Wenn du die Wahl hättest: Collins Cup oder The Championship?
Da würde ich gern den Collins Cup nehmen (lacht). Dass ich unter die besten vier Europäer komme, ist für mich leider unrealistisch dieses Jahr, da ich keine Langdistanz mache. Die, die vorn sind, haben einfach einen Megavorsprung. Ich muss dann schon auf eine Wild Card, einen Captains Pick, hoffen und bei meinen Rennen jetzt eben zeigen, was ich drauf habe. Wenn das alles gut läuft, habe ich Chancen. Letztes Jahr war ich in der engeren Auswahl, aber dieses Jahr muss ich mich aufs Neue beweisen.

Unter der Woche hat Gustav Iden seinen Start in Šamorin bekannt gegeben. Wie sehr ändert das die Vorzeichen vor dem Rennen?
Ich freue mich, dass er nachgemeldet hat, weil man sich immer mit den Besten messen möchte. Aber natürlich denkt man zunächst, wenn man das sieht: ‚Oh Gott, shit‘ (lacht). Wenn Gustav dort startet, hat das mehr Vor- als Nachteile, auch in Bezug auf die Punkte im PTO-Ranking – wenn der Ranglistenzweite dort startet, gibt es eben mehr Punkte. Außerdem habe ich eine Chance, ihn zu schlagen. Mir liegt die Strecke und er wird vermutlich auch nicht zu hundert Prozent fit sein.

Wen schätzt du darüber hinaus als größten Konkurrenten ein?
Ich hätte eigentlich Kyle Smith gesagt, aber der ist schon bei der Ironman-WM in St. George gestartet, musste erst nach Europa fliegen und sich von dem Rennen regenerieren. Daher wird es darauf ankommen, wie erholt er an die Startlinie geht. Insgesamt dürfte er dennoch ein starker Konkurrent sein. Collin Chartier wird ebenfalls vorn mitmischen, der geht erholt und fit an die Startlinie. Gegen ihn habe ich mich letztes Jahr zweimal gebattelt, auf Mallorca war er nur 40 Sekunden hinter mir.

Mit welchem Ziel gehst du an den Start?
Auf das Podium möchte ich auf jeden Fall. Am liebsten würde ich gewinnen – und Gustav schlagen.

Bengt Lüdke
Bengt Lüdke
Bengt-Jendrik Lüdke ist Redakteur bei triathlon. Der Sportwissenschaftler volontierte nach seinem Studium bei einem der größten Verlage in Norddeutschland und arbeitete dort vor seinem Wechsel zu spomedis elf Jahre im Sportressort. In seiner Freizeit trifft man ihn in Laufschuhen an der Alster, auf dem Rad an der Elbe – oder sogar manchmal im Schwimmbecken.
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